Serien Review: Gilmore Girls “Ein neues Jahr”

Warum ich das Revival besser nicht geguckt hätte und warum ich mich trotzdem drüber freue, dass es das Revival gibt.

9 lange Jahre mussten die Fans von Gilmore Girls warten. Die Schreie nach einer Fortsetzung der Serie waren schon immer laut und Netflix hat sie endlich erhört. Und da wir gerade die vierteilige Fortsetzung zu Ende gesehen haben, möchte ich euch gerne meine Meinung kundtun, erst mal Spoiler frei und im Anschluss mit Spoilern. Das kennzeichne ich aber richtig, keine Sorge, falls ihr die Fortsetzung noch ansehen möchtet.

Ich dachte bisher eigentlich immer es gibt niemanden, der die Gilmore Girls nicht kennt. Aber oho, siehe da, ich lebe sogar mit so jemandem zusammen. Ich persönlich war in meiner Jugend ein riesen großer Fan der Serie. “It’s a Lifesytle. It’s a Religion” wird der Serie liebevoll nachgesagt und so galt es auch für mich in meinen Jahren als Teenager. Als die Serie zu Ende ging im Jahre 2007, war ich 16 Jahre alt. Und dennoch erinnere ich mich an die Folgen teilweise noch so, als hätte ich sie gestern erst gesehen. Was aber auch daher kommt, dass ich die DVDs damals einfach rauf und runter geschaut habe, bis in mein 19. Lebensjahr hinweg. Ich war zwar nicht von Anfang an dabei und weiß nicht mehr, bei welcher Staffel ich eingestiegen bin, aber die Meldung, dass die siebte Staffel die letzte werden würde hatte mich sehr stark getroffen, das weiß ich auch heute noch. Umso mehr hat sich mein Fangirl-Herz gefreut, als es “Revival” hieß. Ein Revival bezeichnet etwas, dass Wiederbelebt wird. Ich habe die Meldung relativ früh gesehen, habe aber nicht so Recht daran geglaubt, weil die Nachricht einfach zu schön um wahr zu sein war. Aber spätestens am Tag der Veröffentlichung, als die Sozialen Medien voll von Gilmore Girls waren, hat mich der Hype definitiv wieder gepackt. Allerdings hatte ich dabei einen entscheidenden Punkt nicht bedacht. Ich hatte die letzte Folge Gilmore Girls geschaut da war ich 19 Jahre alt, jetzt bin ich 25 Jahre alt. Das ist für einen jungen Menschen eine unheimlich lange Zeit. In dieser Zeitspanne habe ich mich, mein denken und meinen Lebensstil komplett verändert. Nachdem ich die Forsetzung nun fertig gesehen habe, würde ich sagen, dass ich das Revival besser nicht geguckt hätte. Trotzdem bin ich natürlich auf der anderen Seite froh, dass es eine Forsetzung gab und ich sie gesehen habe. Paradox. Genauso Paradox wie Gilmore Girls an sich.

Da es, wie eingangs erwähnt, auch Menschen gibt, die Gilmore Girls nicht kennen, hier eine kleine Zusammenfassung, worum es in der Serie überhaupt geht. Im Mittelpunkt steht die Anfangs 32-jährige Mutter Lorelai Gilmore. Ihre Tochter Rory Gilmore ist kürzlich 16 Jahre alt geworden. Die Geschichte beschreibt diese ungewöhnliche Mutter-Tochter-Beziehung mit all ihren positiven und negativen Fassaden. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass eine 16 Jährige ein Kind bekommt und es ganz alleine groß zieht. Mit von der Partie sind nörgelnde Großeltern, eine süße Kleinstadt mit all ihren Marotten, viele herzliche Freunde und eine Armee von Ex-Freunden. Was an und für sich recht banal klingt ist noch geschmückt mit zwei sehr reizvollen Hauptcharakterinnen, die es wissen zu verzaubern. Alles gepaart mit unzähligen Anspielungen zu Filmen, Büchern, Serien, Musik und allerlei anderem, rundet diese einzigartige Geschichte wunderschön ab.

Ja, so hätte ich Gilmore Girls damals wohl beschrieben. Früher war Gilmore Girls tatsächlich mein Anker, ich habe diese Serie in allen Möglichen Lebenslagen geschaut und sie hing mir auch niemals zum Hals raus, egal wie oft ich eine Folge gesehen hatte. Mit der Zeit wachsen einem einfach auch die Charaktere unheimlich ans Herz, man lacht und weint mit ihnen. Früher habe ich die Serie einfach angeschaut ohne mir viele Gedanken darüber zu machen, warum die Charaktere etwas machen oder nicht machen. Oft habe ich es auch einfach nicht verstanden, konnte darüber aber locker hinwegsehen.

Heute ist dies aber anders. An dieser Stelle fangen nun die Spoiler zur kompletten Serie und zur Fortsetzung an. Wenn du die Serie niemals sehen möchtest, sondern dich einfach nur meine Meinung dazu interessiert, kannst du getrost weiter lesen. Solltest du die Serie aber mögen und hast sie noch nicht so weit gesehen, solltest du jetzt aufhören zu lesen. Und sagt nicht, ich habe euch nicht gewarnt.

Im Nachhinein sehe ich es als Fehler an, die Fortsetzung gesehen zu haben. Trotz aller Fehler der Serie habe ich sie immer positiv in Erinnerung gehabt, auch, obwohl ich so unzufrieden mit dem Ende der siebten Staffel war. Das Ende hat einen unheimlich bitteren Nachgeschmack gehabt. Ich meine, da schaut man Charakteren sieben Staffeln bei ihrem Leben zu und wird mit einem ziemlich offenen Ende zurückgelassen. Im Sinne von “Haha, jetzt habt ihr so weit geguckt aber wir zeigen euch nur, dass Rory jetzt weg geht und Lorelia und Luke wieder ein Paar sind, aber was danach kommt bleibt euch verwehrt, muhahah”. Ich habe mich damals auf jeden Fall irgendwie betrogen gefühlt. Das Ende war mir einfach zu offen. Und ich denke, das war wohl auch der Grund, wieso so viele Fans gerne eine Fortsetzung gesehen hätten. Hier kommt aber mein größtes Problem, was ich an der Fortsetzung herum zu meckern habe: es ist, als ob keine Zeit vergangen wäre. Die Charaktere sind immer noch dieselben, die Stadt Stars Hollow ist im Großen und Ganzen immer noch dieselbe und obendrauf versucht man, alle Charaktere irgendwie sinnvoll wieder zueinander zu bringen. Auch in der Serie sind diese 9 langen Jahre vergangen, aber davon merkt man irgendwie nichts… Auch fand ich es einfach sehr fehlt am Platz, dass jede Folge der Fortsetzung in einer anderen Jahreszeit gespielt hat. Folge 1 spielte im Winter 2015/2016, Folge 2 spielte im Frühling 2016, dann Sommer 2016, Schlussendlich Herbst 2016. Und dadurch war in meinen Augen das komplette Zeitgefühl absolut durcheinander geworfen. Denn nicht in jeder Folge wurden 3 Monate behandelt, jedenfalls kam es mir nicht so vor. Und doch war am Anfang der nächsten Folge, als wäre keine Zeit vergangen… Das fand ich als Zuschauer ohne Hintergrundwissen einfach komplett fehl am Platz. Und da war noch einiges mehr, was ich absolut fehl am Platz fand! Bevor ich jetzt genauer darauf eingehe, welche Punkte ich meine, möchte ich unbedingt nochmal eins sagen: Ich liebe Gilmore Girls trotzdem. Obwohl ich das Ende schlecht fand und obwohl ich die Fortsetzung nicht gelungen fand. Die Charaktere werden einfach immer ein Platz in meinem Herzen haben und ich werde immer positiv an die gemeinsamen Stunden mit ihnen zurückdenken, das wird sich wohl niemals ändern. Soo, und jetzt geht das Gemecker erst richtig los. Ich fand es etwas zu krass, dass es Rory so schlecht ging in dieser Fortsetzung. Sie ist pleite, sie hat als Journalistin keinen beruflichen Erfolg und in all den Jahren anscheinend nur einen guten Artikel im New Yorker vorzuweisen. Dabei hatte sie Stars Hollow eigentlich verlassen, um im Ausland als Journalistin groß raus zu kommen. Was hat sie bitte all diese Jahre über gemacht? Sie schreibt anfänglich ein Buch über eine unheimlich seltsame Frau. Was bezweckte sie bitte damit? Was hat sie sich erhofft? Sie hat keinen festen Wohnsitz und sie betont besorgniserregend oft, dass ihr sämtliches Hab und Gut über 3 Bundesstaaten verteilt ist und sie nicht mal weiß, wo ihre Unterwäsche ist. Das mit der Unterwäsche hat sie wirklich oft erwähnt, als ob es kaum ein wichtigeres Thema gäbe. Und oh man, ständig heult sie rum, weil sie ihr Lieblings-Bussiness-Outfit nicht mehr finden kann und später fällt der Mutter plötzlich ein, dass sie es in ihrem eigenen Schrank hat… Nunja, auf jeden Fall hat Rory auf ganzer Linie im Leben versagt, das wird in diesem einen Jahr definitiv deutlich. Gegen Ende wird es etwas besser, als sie die Redaktion der Stars Hollow Gazette übernimmt. Währenddessen heult sie aber bei einigen Schlucken Whiskey am Arbeitsplatz noch weiter rum, dass sie absolut pleite ist und dann will sie nicht mal Geld für den Job. Und dann gab es da ja noch ihren Freund… was zum Henker war das denn bitte? Der taucht in der ersten Folge einmal auf und niemand kann sich an ihn erinnern. Sollte das lustig sein? Und sie vergisst dann quasi ein Jahr mit ihm Schluss zu machen, obwohl sie ständig daran erinnert wird? Und dann macht er am Ende mit ihr Schluss? In einer SMS? WIESO? Und während sie mit dem Typen zusammen ist, schläft sie regelmäßig mit ihrem Ex-Freund, der mit einer anderen Frau verlobt ist… Ist DAS unsere Rory Gilmore? Ich meine, ja, das ist nicht das Erste Mal, dass sie mit jemandem schläft der in festen Händen ist. Immerhin hat sie auch bereits mit Dean geschlafen, während der schon verheiratet war. Rory hat ihre Ecken, Kanten und Fehler… aber zu welchem Menschen wurde sie? Ich fand es unheimlich traurig das mit an zu sehen… Kommen wir nun zu Lorelai Gilmore. Sie ist wie immer. Sie hat sich offenbar als Mensch 0 weiter entwickelt. Sie war immer schon mein Idol, mein Vorbild und die Frau, zu der ich aufsah. Und was bekommen wir hier, in dieser Fortsetzung? Eine Frau, die ständig seltsame Alpträume hat. Eine Frau, die immer noch nicht weiß, was sie vom Leben will. Eine Frau, die immer noch wie damals non-stop mit ihrer Mutter streitet. Eine Frau, nach deren Pfeife jeder Menschen in ihrem Leben tanzt. Und, obwohl sie so ein tolles Leben hat ist sie dennoch unglücklich und muss alleine fort, um eine Wanderung anzutreten? Zeit für sich nehmen zu wollen ist eine Sache. Aber sie hat so auf diese Wanderung gepocht und “vergisst” dann, kurz bevor es darauf ankommt, ihre Bescheinigung für die Wanderschaft griffbereit zu halten? Ich weiß echt nicht, was das sollte. Ansonsten war sie eigentlich wie immer. Und das fand ich wirklich schade, da ich mir schon mehr Erwartet hätte, von der langen Zeit zwischen dem Ende der Serie und dem Revival. Wie kann ein Mensch sich all die Jahre kein Stück weiterentwickeln und dann auf biegen und brechen versuchen, sich innerhalb eines Jahres bzw. innerhalb der gewonnenen Screentime zu ändern. Das wirkte für mich als Zuschauer einfach sehr unglücklich. Und nunja, ansonsten hat sich auch in Stars Hollow anscheinend nichts weiter entwickelt. Ja, es ist eine Stadt die alte Traditionen sehr ernst nimmt aber dennoch wirkte es einfach seltsam. Die meisten Personen sind zwar älter geworden, haben sich aber anscheinend auch so nicht sonderlich verändert, was irgendwie schade war. Ich hätte mir irgendwo doch um einiges Reifere Personen gewünscht. Natürlich will ich auch die Positiven Sachen des Revivals nicht unter den Tisch fallen lassen. Ich fand es unheimlich schön, dass alle Requisiten und Orte wieder zu sehen waren, das war pure Nostalgie. Und es war auch wirklich schön, alle Charaktere wieder zu sehen. Auch, wenn es bei dem ein oder anderen sehr kurz war. Dean hätte zum Beispiel in meinen Augen durchaus mehr Screentime verdient als ein kurzes Aufeinandertreffen mit Rory im Supermarkt. Stattdessen bekommt Jess mehr Screentime und dann wird es nicht mal genutzt. An seinem letzten Blick in das Haus der Gilmores hat mich richtig gut ablesen können, dass er alles andere als über Rory hinweg ist. Er liebt sie auch heute noch, nach so vielen Jahren. Und sie bemerkt ihn nicht mal richtig… Nein, stattdessen ist er anscheinend nur dazu gut, ihr ans Herz zu legen, dass sie ein Buch über sich selbst schreiben soll. Und dann darf er nicht mal den Anfang des Buches lesen… Ich fand das alles sehr unangenehm mit an zu sehen. Ebenfalls unangenehm fand ich Emily. Ja, okay. Ihr Mann ist gestorben, mit dem sie 50 Jahre lang zusammen war. Das tat mir wirklich unheimlich Leid, zumal es so kommen musste, da der Schauspieler tatsählich gestorben ist. Aber was aus ihr in diesem Revival wurde war einfach unangenehm. Sie wirkte total ziellos und verwirrt. Außerdem wirkte es gegen Ende so, als ob sie die ganzen Jahre in Fesseln verbracht hätte und nun endlich frei wäre und tun dürfte, was sie möchte und nicht, was ihr Mann möchte. Das ist einfach nicht die Emily Gilmore, die wir kennen. Ja, okay, auf der einen Seite meckere ich, dass sich Lorelai nicht weiter entwickelt hat und auf der anderen Seite meckere ich, weil Emily sich zu sehr weiter entwickelt hat. Ist aber einfach so. Ich finde einfach, die lange Zeit zwischen der Serie und der Fortsetzung war nicht gut. Was man an dieser Stelle aber durchaus sagen muss: die Schauspieler waren echt gut. Von der Schauspielerischen Leistung her würde ich wirklich sagen, dass jeder sehr gute Arbeit geleistet hat. Man hatte bei allen das Gefühl, dass immer noch der Charakter dargestellt wird, obwohl es so lange her ist, dass die Schauspieler in diese Rollen geschlüpft sind. Um noch etwas zum Ende zu sagen: WTF war das? Lorelai entschließt sich endlich dazu, nach so vielen Jahren, Luke zu heiraten. Und dann heiraten sie Nachts, in einem unheimlich kleinen Kreis? Wieso bitte war Michelle, ihr Hotelpage, mit von der Partie? Soo gut sind sie auch wieder nicht befreundet, zwischen ihnen war eigentlich immer eine reine Arbeitsbeziehung. Die Hochzeit hätte ich wirklich gerne richitg gesehen… Ich dachte die ganze Zeit am Ende “hä? So viel Zeit ist doch gar nicht mehr, wann kommt die richtige Hochzeit im großen Kreis?” und ja, dann wars plötzlich zu Ende und Rory klatscht uns richtig schön um die Ohren, dass sie jetzt Schwanger ist. Muss wohl von Logan sein, der aufgrund seiner familären Probleme niemals als richtiger Vater des Kindes in Erscheinung treten wird. Also wird das Kind von Rory ein ähnliches Schicksal haben wie sie selbst und ohne Vater aufwachsen. Nur, dass Rory diesmal nicht 16 Jahre als ist sondern 32 Jahre alt. Ich denke kaum, dass ein Kind in ihrer aktuellen Lebenslage helfen wird. Und wie will sie es ausziehen ohne Job, ohne Dach überm Kopf? Wo wird sie es aufziehen? Oh man, Fragen über Fragen. Und auch heute noch, 9 Jahre später, fühle ich mich vom Ende von Gilmore Girls als Zuschauer betrogen. Die Besten Teile bekommen wir nicht mit! Nicht, wie das Kind von Rory aufwächst. Nicht, wie Lorelai ihr Hotel ausbauen wird. Vor allem ist es auch so bitter, dass Luke gegen Ende sagte, dass er seit Wochen schon das Gefühl habe, dass Lorelai sich von ihm trennen möchte. Was muss das für ein schreckliches Gefühl gewesen sein, diese Wochen für ihn. Und dann wird geheiratet und alles ist wieder vergeben und vergessen? Ist das tatsächlich gesund? Und wieder werden wir ihre Zukunft nicht wirklich miterleben. Das finde ich einfach schade.


Alles in allem freue ich mich dennoch, dass es ein Revival gab. Und ich bin auch froh, dass ich es gesehen habe. Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich alles verdaut habe aber dennoch waren die Folgen allesamt wieder sehr aufwühlend und voller Gefühle. Das war sehr positiv und in meinen Augen wurde der Gilmore Girls Geist gut weitergeführt, trotz der vielen ungereimtheiten. Und wie gesagt, ich werde Gilmore Girls trotzdem weiterhin gut in Erinnerung behalten, trotz dem vielen Gemecker. Würde ich ein Review über die Serie an sich machen würde diese definitiv positiver ausfallen. Aber hier wollte ich einfach mal ganz unverblühmt in 2500+ Wörtern meine Meinungen und Gefühle zum Revival kundtun. Und in diesem Sinne, danke ich vielmals, falls tatsächlich jemand bis hier hin gelesen hat! Wenn ja, schreib doch unbedingt etwas in die Kommentare. Kannst du mir bei irgendwas zustimmen oder wiedersprechen? Wirst du Gilmore Girls ebenfalls noch gut in Erinnerung behalten? Viele Grüße, Mia.

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