Manga Review: Welcome to the N. H. K.

Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, was mich in dem Manga erwartet. Ich habe ab und zu mal von dem Anime oder Manga was gehört, aber nie etwas genaues und ich hatte auch nie Zeichnungen oder Screenshots gesehen. Das war aber auch gar nicht schlecht, im Gegenteil. So konnte ich den Manga ohne Vorkenntnisse und unvoreingenommen lesen. Allerdings wäre ich im Nachhinein doch über Informationen im Voraus dankbar gewesen, da der Manga am Ende doch recht harte Kost war.

Es geht um das Leben von Tatsuhiro Satou. Er lebt in Japan, ist 22 Jahre alt und ist seit 4 Jahren ein Hikikomori. Für die, die es noch nicht wissen: Als Hikikomori werden in Japan Menschen bezeichnet, die keinen Job haben und auch keinen Fuß vor die Tür setzen. Sie verschanzen sich in der eigenen Wohnung, vertiefen sich in ihre Hobbys, schlafen viel, reden oder kommunizieren mit niemandem. So lebt er abgeschottet von der Außenwelt alleine in seiner Wohnung, bis es eines Tages bei Satou an der Tür klingelt. Ein aufeinandertreffen mit einer Zeugin Jehovas und ihrer Nichte veränderte sein komplettes Leben.

    

Ich sage es ganz offen heraus: Der Manga ist deprimierend. Zumindest für mich war dies der Fall. Aber der Manga ist auch einzigartig und interessant, was wiederum für ihn spricht. Ich weiß allerdings nicht genau, für welche Zielgruppe der Manga ist. Es werden brisante Themen behandelt wie Sozialphobie, Selbstmord, der Frage ob man eher seinen eigenen Ambitionen folgt oder dem, was die Eltern gerne möchten. Der Manga zeigt Charaktere, die depressiv sind und nicht mehr alleine aus ihrer festgefahrenen Situation heraus kommen können. Ich habe selbst auch manchmal das Problem, dass ich aufgrund von Faulheit nichts hin bekomme und am liebsten den ganzen Tag zu Hause zocken würde, daher war ich in einem gewissen Punkt schon neidisch auf die Charaktere, dass sie dies einfach machen können. Allerdings, und das darf man nicht vergessen, habe ich auch gesehen, wie das Leben aus dem Ruder laufen kann, wenn man erst einmal in dieses Loch gefallen ist. Wenn dann auch noch die Eltern um die Ecke kommen und einem jegliche finanzielle Unterstützung entzieht, wie es hier bei Satou der Fall war, sieht man alt aus. Nicht zu wissen, wann man die nächste Mahlzeit bekommt und sogar einige Zeit Obdachlos zu werden, das geht schneller als man eigentlich denkt. Daher war ich dann doch froh darüber, dass ich trotz leichter Sozialphobie dazu in der Lage bin ordentlich arbeiten zu gehen. Man hat hier eben einen guten Einblick in Personen bekommen, die eben genau das einfach nicht können. Das hat dann auch nichts mit “nicht wollen” zu tun, sondern man ist dann schon bei “nicht können” angelangt.

Daher finde ich, dass der Manga sehr zum nachdenken anregt. Er zeigt einem auch gut, worauf man bei den Menschen in seinem nahen Umfeld achten sollte und woran man erkennen kann, dass es ihnen nicht gut geht. Man wird richtig in die Story hineingesogen und bekommt tiefe Einblicke in die Gedanken von solchen Menschen und ich habe mich beim lesen so oft so hilflos gefühlt. Aber genau das macht auch den Charme des Mangas aus. Schlecht ist er auf gar keinen Fall! Im Gegenteil, ich fand ihn trotz der düsteren Thematik sogar sehr gut. Und Lustig ist der Manga auch, es ist eben eine wunderbare Mischung.

Man bekommt hier nun mal eine solche Thematik etwas ernster serviert als z. B. bei Chuunibyou demo Koi ga Shitai. Etwas ähnliche Thematik, nur dort ist es stark abgeschwächt und bei Chuunibyou wird es nunmal lustiger und harmloser dargestellt, wo man auch herzlich mitlachen kann. Daher ist Welcome to the N. H. K. schon eher was für Erwachsene, die vielleicht sogar ähnliches durchleben. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Manga hilft, da man hier eben eine erste Thematik gut und offen dargelegt bekommt aber auch mit einer Prise gutem Humor. Ich denke, dass was den Manga so besonders macht ist auch das Zusammenspiel zwischen Autor und Zeichner. Die Vorlage für den Manga ist nämlich eine Light Novel. Der Manga ist mit 8 Bänden abgeschlossen und bei Carlsen Manga erschienen.

Ob der Manga etwas für einen ist oder nicht muss man erleben. Man muss ihn lesen um die Atmosphäre zu spüren und wie bereits geschrieben in die Thematik hinein gesogen zu werden. Auch die Charaktere kann man einfach nur verstehen, wenn man sie selbst erlebt und nicht nur Reviews darüber liest. Ich fand den Manga auf jeden Fall sehr gut und bin froh, ihn gelesen zu haben, auch wenn ich mir unter dem Manga etwas komplett anderes vorgestellt hatte.

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1 Antwort

  1. Shirisu sagt:

    Hmmm, bei solchen Manga bin ich immer unsicher, ob das nun was für mich ist oder nicht – einerseits klingts total interessant, aber andererseits halt auch “anstrengend” :|

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