Serien Review: Tote Mädchen lügen nicht Staffel 1

Tote Mädchen Lügen Nicht

“Hey, hier ist Hannah. Hannah Baker. Richtig gehört, denn womit auch immer du das hörst hat keinen Wackelkontakt. Ich bins, Live und in Stereo. Keine Wiederkehr, keine Zugabe und diesmal auch absolut keine Forderungen. Nimm dir was zu knabbern und machs dir gemütlich, denn ich werde dir jetzt die Geschichte meines Lebens erzählen.”

Die Serie “Tote Mädchen lügen nicht” ist eine Netflix Original Produktion. Sie basiert auf einem Jugendbuch des US-amerikanischen Schriftstellers Jay Asher und wurde 2007 veröffentlicht. Der Originaltitel des Buchs und der Serie ist “Thirteen reasons why”.  Sie erzählt die tragische Geschichte über die 17-jährige Hannah Baker. Wir erleben hautnah mit, wie sie mit Liebe, Sex, Mobbing und schlimmerem gekämpft hat. Sie erzählt von ihren Erlebnissen, als wäre man dabei gewesen und zieht damit nicht nur uns Zuschauer emotional in ihren Bann, sondern richtet auch ein riesiges Chaos an ihrer Highschool an. 

   

Ich kann die Serie wirklich jedem jungen Erwachsenen empfehlen. Sie behandelt sehr ernste Themen auf eine unheimlich tiefgründige Art, dass man anfängt, über sich selbst und auch über andere nachzudenken. Dabei wird man in die Geschichte hineingesogen, als wäre man tatsächlich ein Teil davon, was mich von Anfang an sehr berührt hat. Nach jeder Folge konnte ich es kaum erwarten, endlich die nächste Folge anzusehen. Wer immer noch kein Netflix hat, sollte es sich spätestens jetzt gut überlegen, Netflix bringt wirklich tolle Serien auf den Markt und dies hier ist eine davon. Dafür lohnt sich der geringe, monatliche Betrag. Da kann das Fernsehen einfach nicht mithalten. Aber zurück zur Serie: Die Charaktere wachsen einem unheimlich schnell ans Herz. Ich würde auf jeden Fall auch sehr empfehlen, die Serie in einem kurzen Zeitabschnitt zu konsumieren, denn sie spielt auch in einem relativ kurzen Zeitabschnitt. Die Serie zeigt ihr Potenzial in genau 13 Folgen. Denn Hannah Baker hat 13 Gründe, die sie in den Selbstmord getrieben haben. Einige harmloser, andere richtiggehend zerschmetternd. In Summe sah sie keinen Ausweg mehr, als sich selbst das Leben zu nehmen. Vor ihrem Selbstmord nahm sie mit einem Tonbandgerät auf Kassetten ihre Geschichte auf. Dabei achtet sie darauf, immer eine Kassette mit der Geschichte von einer Person oder einem Ereignis aufzusprechen. Ihre Forderungen waren eindeutig: Die Kassetten sollten rumgegeben werden, jeder der darauf erwähnten wichtigen Personen sollte sich alle diese Kassetten anhören, um sie zu verstehen. Um wenigstens ein letztes Mal gehört zu werden. Und eines Tages landen die Tonträger dann auch bei Clay, dem Protagonisten der Geschichte.

Clay versteht Anfangs gar nicht, wieso er die Kassetten bekommen hat. Er weiß nicht, was er ihr hätte angetan haben können. Zu aller erst hatte er auch das Problem, überhaupt ein Abspielgerät für die Tonträger zu bekommen. Er hört sich die Geschichte von Hannah an. Intensiv. Folge für Folge. Kassette für Kassette. Während andere Schüler von ihm diese alle in einer Nacht gehört hat, macht er sie zu einem Teil von seinem Leben, er hört sie überall, wo er nur kann, wann er nur kann. Und die Geschichten nagen an ihm. Dadurch bekommt man eine gute Vorstellung, wie sehr die Erlebnisse an Hannah genagt haben müssen. Ich fand die hier ausgewählten Schauspieler allesamt sehr, sehr gut. Ich war zu jedem Zeitpunkt fest an die Story gefesselt. Vor allem die Hannah Schauspielerin hat es mir sehr angetan. In Verbindung mit ihrer perfekt getroffenen deutschen Synchronstimme hat mir die Serie mehr als nur einmal heftigte Gänsehaut verpasst. Man mag über Selena Gomez denken was man möchte, aber ihre Entscheidung war goldrichtig.

Ursprünglich war es geplant, das Buch als Film zu produzieren und Selena Gomez die Hauptrolle zu geben. Diese lehnte jedoch ab und als sich entschieden wurde, eine Serie daraus zu machen, nahm sie den Platz der Produzentin im Hintergrund ein, um ihre Berühmtheit nicht im Vordergrund stehen zu lassen. Dafür empfand sie die Story zu ernst und zu tiefgründig. Und ich finde, dass dies eine gute Entscheidung war. Die eher noch unerfahrenere Schauspielerin von Hannah Baker ist die Australierin Katherine Langford. Sie hat die Rolle in meinen Augen so richtig gut verkörpert. Die Serie besteht ungefähr zur Hälfte aus Rückblicken, die von Hannahs Stimme als Erzählerin begleitet werden und zur anderen Hälfte aus dem trostlosen Leben von Clay, der ohne Hannah weiterleben muss. Diese Abgrenzung der beiden “Spielorte” fand ich sehr gut dargestellt, denn Hannahs Rückblicke waren eher hell und hatten warme Töne im Bild, während Clays Realität eher grau, kalt und düster war. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hannahs Geschichte nicht nur zu hören, sondern auch noch etwas dagegen zu tun, was ihr angerichtet wurde. Denn auch wenn Hannah nicht mehr da ist, sind es immernoch die Menschen, die ihr schreckliche Dinge angetan haben. Ohne die Kassetten wäre wohl niemals jemand dahinter gekommen aber mit ihnen konnte man Hannas Entscheidung endlich verstehen, wenn auch nicht gutheißen.

In dieser Serie sind so viele kleine und große Details zu finden, die man in meinen Augen beim ersten mal ansehen einfach gar nicht alle sehen kann. Wie man es sich schon denken kann hatte Clay auch in den Rückblenden eine größere Rolle. Daher hat man sich ganz offen dafür entschieden, ihm eine schlimme Kopfwunde zu verpassen. Dadurch hat man immer sofort an der Verletzung odr einem großen Pflaster auf der Stirn sehen können, ob wir den Vergangenheits oder den Gegenwarts Clay vor uns haben. Sehr gute Lösung. Auch hat sich Hannah bewusst dafür entschieden, ein Tonbandgerät zu benutzen für die Kassetten und keine MP3s mit USB-Stick. Die Serie spielt heutzutage und die Geschichte ist eine, die auch so in einer Schule stattgefunden haben kann. Facebook spielt eine zentrale Rolle bezüglich Cybermobbing. Das realitätsnahe ist wohl auch das, was man oft schockiert und mitgenommen hat. Und das muss eine Serie erst mal schaffen. Dass man auch noch in der Zeit zwischen den Folgen über das gesehene nachdenkt und es verarbeiten muss. Und das ist gerade bei solchen ernsten Themen ein wichtiger Punkt, der in meinen Augen wirklich gut umgesetzt wurde.

   

Schon als ich den Trailer der Serie gesehen hatte, wusste ich ich will die Serie unbedingt gucken. Als es dann am Freitag vor 2 Wochen endlich soweit war, haben wir die Serie natürlich gesuchtet^^ Auch wenn die Thematik ja Grundsätzlich sehr hart ist, fand ich die Umsetzung hervorragend gelungen. Es hat einfach Spaß gemacht Clay bei seiner kleinen Erlebnisreise zu folgen und gleichzeitig mit zu raten, wer den noch alles auf den Kassetten ist und wann den endlich Clays Kassette kommt. Der Spannungsbogen wurde die gesamte Serie durch auch konstant gehalten, allerdings hat die Serie meiner Meinung nach einen Negativpunkt. Ich spreche hier nicht mal von der Tatsache das es einfach kein wirkliches Happy End für Clay und sie geben kann, sondern die letzte Folge mit der Auflösung. War man nach der doch sehr harten 12 Folge noch komplett gespannt was wohl das große Finale sei, fehlte der letzten Folge irgendwie die Puste und sie fühlte sich für mich so … gezwungen an. Ich hätte mir auch ehrlich gesagt ein Filmigeres Ende gewünscht, mit solchen kleinen Zukunftsblicken was den aus den einzelnen Charakteren 10 Jahre später geworden ist oder so… Aber man kann ja nicht alles haben^^ Ich hoffe nur das Netflix keine 2. Staffel dranhängt und die Geschichte auf eine andere Art nach bzw. neu erzählen will. Mit dieser Serie hat Netflix auf jeden Fall noch mal bewiesen, dass sie Serientechnisch aktuell absoluter Marktführer sind. Und ich spreche jetzt nicht vom aktuellen Streamingangebot, sondern von der Produktion die dieses und letztes Jahr durch Kracher wie Stranger Things, Lemony Snikets Eine Reihe betrüblicher Ereignisse und Sense 8 neben vielen weiteren absolut geglänzt hat.

Ich kann die Serie wirklich jedem jungen Erwachsenen empfehlen. Sie macht einen sensibel dafür, sich sein Umfeld besser anzusehen. Zeichen zu erkennen, woran man merkt, dass es jemandem nicht gut geht. Dass jemand alleine ist und nicht mehr weiter weiß. Bestimmt hätte Hannah geholfen werden können, es tat aber niemand. Und genau das möchte Hannah ihren Mitmenschen mit auf den Weg geben, sowohl ihren Mitschülern und Bekannten, als auch den Zuschauern. Außerdem macht einen das gesehene nachdenklich, darüber, wie man selbst andere behandelt. Dass etwas für einen selbst nicht so schlimm erscheint, dies aber für das Gegenüber eine Tragödie sein kann. Es gibt deren Wahrheit und Hannahs Wahrheit. Die Serie hat mich sehr mitgenommen, aber im positiven Sinne. Ich weiß nicht, ab welchem Alter man die Serie empfehlen kann, aber es ist schon keine leichte Kost, das muss man dazu sagen. Dennoch sehenswert. Die Charaktere und auch die Story selbst sind der wahnsinn, ich wurde so oft überrascht – positiv und negativ. Dem Kritikpunkt von Fuma bezüglich dem Ende muss ich zustimmen, für mich wirkte es gerusht, aber es lag auf der Hand, dass es nicht mehr als 13 Folgen werden und auch ich hoffe, dass die Serie nach der ersten Staffel keinen Nachschub erhält. Es würde einfach nicht passen. Die Story ist beendet und das war direkt schon in der ersten Minute der Serie klar. Ich gebe ihr 9 von 10 Kassetten. Ich habe mir auch direkt das Buch bestellt, weil ich wirklich neugierig geworden bin, wie es ist. Ich finde es schön, dass eine solche tiefgründige Story im Internet so viel Anklang findet und hoffe, dass noch mehr Menschen sie sehen und über das gesehene nachdenken.

Eure


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1 Antwort

  1. Shirisu sagt:

    Überall les ich was davon – das kommt wohl auch mal auf unsere “To Watch”-Liste.. :D

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