Anime Review: Kino’s Journey – the Beautiful World

Kino’s Journey

Wie sehr habe ich mich vor ein paar Monaten über die Ankündigung einer neuen Kino’s Journey Serie gefreut. Obwohl ich auch zugeben muss, dass ich die alte Serie erst relativ „spät“ gesehen habe. Nämlich vor etwa 6 Jahren zusammen mit Mia. Aber schon damals hat es die Serie geschafft uns in ihren Bann zu ziehen und uns zu begeistern. Leider gehört die Serie aber eher zu einem dieser Geheim-Tipps und wird auch heute (zumindest was ich so mit bekomme) kaum noch empfohlen.

Nichts desto trotz verdient dieses philosophische Werk meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit. Um unser Gedächtnis noch mal auf zu frischen, haben wir zusammen mit einem Freund, der zu Besuch war und die Serie auch noch nicht kannte, die Serie vor wenigen Wochen also noch mal Rewatched. Was soll ich sagen? Sie kann es immer noch locker mit modernen Anime aufnehmen. Umso gespannter bin ich natürlich auf die Neue Serie und, was uns da wohl so erwarten mag. Hier aber erst mal meine kleine Review zur Anime.

Zusammen mit dem sprechenden Motorrad Hermes, befindet sich Kino auf reisen durch aller Herren Länder. Dabei treffen sie die unterschiedlichsten Menschen und schnappen so auch allerhand kuriose Geschichten auf. Da die beiden viel von der Welt sehen wollen, haben sie nur eine feste Regel: Sie verbleiben an keinem Ort länger als 3 Tage.

Selbstverständlich werden sie in vielen Ländern mit offenen Armen begrüßt. Es gibt aber auch solche, in denen sie weniger gerne gesehen sind. Häufig wird Kino auch vor große Entscheidungen gestellt deren Lösung mehr als einen flüchtigen Gedanken bedarf.

Doch egal wie schwer der Weg und wie weit die Reise, unermüdlich setzten die beiden ihren Weg fort.

   

Grundsätzlich ist die Thematik oder sagen wir eher das Setting dieser Serie so unglaublich simpel. Wir haben mit Kino einen Fahrer und mit Hermes ein (sprechendes) Motorrad und die beiden Reisen unermüdlich durch die Gegend. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Aber genau dieses an sich so simple Setting ist letztendlich so durchdacht und tiefgreifend.

Die Serie ist strukturell sehr episodisch angelegt. In jeder Episode kommen die beiden in 1-2 Länder und lernen dort etwas über die Menschen, deren Kultur und die Geschichte des Landes. Somit ist es an sich auch einwandfrei möglich Kino’s Journey häppchenweise zu genießen. Ob man das allerdings will, ist eine andere Frage.

Denn jedes Land bringt eine Neue Ideologie und auch eine neue Philosophie mit sich. Es macht einfach nur Spaß Kino und Hermes auf ihrer Reise zu begleiten. Dazu bekommt man nach und nach immer wieder die ein oder andere philosophische Frage serviert und wird zwangsläufig leicht zum Denken angeregt. Sowohl Kino als auch uns als Zuschauer.

Nur zwei kleine Beispiele:

Da wäre das Land in dem man erkannt hat, dass Unehrlichkeit und Geheimnisse anderen Menschen Schaden und sie verletzten könnte. Daraufhin entwickelten die dortigen Wissenschaftler kleine Nanoroboter, die es den Menschen ermöglichten, die Gedanken der Mitmenschen zu lesen. Doch dieses Damoklesschwert, hatte ungeahnte Folgen. Denn hin und wieder kann falsche Ehrlichkeit auch ein Segen sein. In kürzester Zeit zerfiel das Land und alle dortigen Menschen bezogen wie Einsiedler Häuser die sehr weit weg voneinander gebaut wurden. Somit vereinsamten zwar alle, jedoch liefen sie nicht mehr Gefahr andere zu verletzten/verletzt zu werden.

Das andere Beispiel wäre das Land in dem keiner arbeiten muss. So schön sich das auch anhört, so philosophisch ist letztendlich auch die Geschichte dahinter. Ja in dem Land MUSS niemand Arbeiten, da sie so ziemlich alle Arbeiten durch Maschinen abgedeckt haben. Der lustige Twist hierbei ist allerdings, dass dennoch alle arbeiten. Und nicht nur ein wenig sondern sich schon fast überarbeiten. Denn da keiner Arbeiten muss, brauchen sie eine Art Regulierung die festlegt, wer welche und wie viele Ressourcen/Rohstoffe bekommt. Somit arbeiten alle an sich noch viel härter als sie es vielleicht ohne die Maschinen gemusst hätten. Welch Ironie…

Aber das sind nur 2 kleine Beispiele der Vielfalt, die diese Serie bietet. Klar dürfte der Animationsstil heutzutage vielleicht den ein oder anderen abstoßen oder nicht unbedingt ansprechen. Selbes gilt aber vielleicht auch für die Darstellung und den Erzählstil. Denn Kino’s Journey arbeitet sehr viel mit relativ starken Bildern und einer relativ bedeckten Farbpalette. Auch das Pacing ist unglaublich langsam. Meiner Meinung nach, schadet das der Serie aber zu keinem Moment.

Da die Serie aber so Episodisch aufgebaut ist, sucht man hier jegliche Charakterentwicklung vergeblich. Aber auch hier ist wieder gesagt, dass das für die Serie selbst irrelevant ist. Die einzige Entwicklung die wir mitbekommen, dürfte wohl der Rückblick in Kino’s Vergangenheit gegen Anfang der Serie sein. Dort erfahren wir nämlich auch wie sie Hermes kennen gelernt hat.

Es gibt zwei großen Fragen, die man sich wohl im Laufe der Serie zwangsläufig stellt. Einerseits, warum keiner was dazu sagt, dass Kino das Motorrad überall hin schleppt. Vom tiefsten Keller zum höchsten Dachboden. Andererseits wäre da noch die Frage, ob überhaupt tatsächlich jemand Hermes hört, also außer Kino.

   

Zu dem, was Fuma bereits geschrieben hat, kann ich wenig hinzufügen. Seiner Meinung kann ich nur zustimmen. Ich persönlich lasse mich oft von langsamen, philosophischen Anime abschrecken. Action und ein schnelles Pacing sind oft bei mir notwendig, um Spaß zu haben. Kino’s Journey ist aber definitiv die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Ich finde es immer schön, mit Menschen zu sprechen oder zu schreiben, die Kino’s Journey gesehen haben. Bei den Erzählungen schwinkt bei all diesen Menschen so viel Erfurcht mit. Der Anime weiß eben zu beeindrucken. Auch nach Jahren hat jeder mindestens eine Geschichte aus Kino’s Journey noch im Kopf. Eben die, die einen am Meisten beeindruckt und beeinflusst hat.

Die Tiefe, die dieser Anime bietet, wird von anderen Werken nur selten erreicht. Es würde auch nichts bringen, euch noch mehr Geschichten zu erzählen. Denn die meisten der Ereignisse haben einen unerwarteten Plottwist. Und die haben mich schon mehr als einmal erstaunt oder aufschrecken lassen. Positiv und Negativ. Wer also mehr sucht als leichte Unterhaltung und auch gerne etwas zum Nachdenken über die Menschheit haben möchte, der muss Kino’s Journey einfach gesehen haben.

Leider ist es heutzutage schwer, noch an die Anime DVDs in Deutschland heran zu kommen. Sie wurden damals 2006 von ADV Films veröffentlicht. Allerdings gibt es sogar bei Amazon noch ein paar letzte Exemplare, die Links dazu seht ihr in diesem Beitrag ganz unten. 

Nichts desto trotz, lege ich diese sehr geniale Serie absolut jedem ans Herz. Denn sie ist wirklich, wirklich gut und leider doch viel zu verkannt. Wer dennoch keine Lust darauf hat die Serie zu sehen, sollte sich doch wenigstens überlegen, ob er der neuen Serie, die bald bei Crunchyroll läuft, wenigstens mal eine Chance einräumt. Ohne sie gesehen zu haben, denke ich eigentlich dass es nichts geben dürfte, dass man daran bereuen könnte. Also schaut euch diesen neuen Anime oder den alten Geheimtipp auf jeden Fall an. Von mir gibt es hier 10 von 10 bereisten Ländern. Zum Schluss noch ein Zitat aus dem Anime: “Die Welt ist nicht schön; deswegen ist sie es”.

Euer

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1 Antwort

  1. hellspawn2501 sagt:

    Ist wirklich ruhig um Kino’s Journey geworden, die letzten Jahre, was deren Empfehlung angeht. Erst mit der grad neu gestarteten Serie geht es wieder los. Ich hatte den Titel zwar immer als hoch gepriesene Empfehlung im hinterkopf, aber ihn mir auch erst kurz vor Serienstart des Remakes reingezogen. Bereut habe ich es nicht. Kino’s Journey erinnerte mich sehr stark, was die philosophischen Themen betrifft, an einer meiner Lieblingsserien, den anime Mushishi. Nur waren die slice of life momente hier nicht so ganz ausgeprägt, während das philosophische etwas deutlicher zum Vorschein kam. Wie die genannte Serie profitierte Kino vom langsameren Erzählstil und das Action wirklich nur eingesetzt wurde, wenn es unbedingt sein mußte. So waren die geschichten, meiner Ansicht nach, auch nie effekthascherich.
    Auch das breite Sprektrum an Storys überzeugte. Mal zeigte es die Dummheit der Menschen auf, wie im Land der Abstimmungen, manchmal rührte es zu Tränen, wie in der letzten Folge oder es wird zum totalen Mindfuck, bei dem man sich überlegen muß, was denn nun die Realität ist, wie im Land der Bücher. Für Abwechslung ist gesorgt.
    Übrigens, die Erkenntnis das man Kritiker von der Gesellschaft trennen müßte, weil sie eh alles madig reden und den Leuten den Spaß an einer Sache verderben, bringt mich auch noch Tage nach dem anschauen zum lächeln. ^^

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