Anime Movie Review: A Silent Voice

A Silent Voice

Schon als ich damals den ersten Trailer zu „A Silent Voice“ gesehen habe, wusste ich, das ich den Film sehen will. Doch wie das mit Anime Filmen so ist, verliert man sie schnell aus den Augen. Also sofern der Film nicht gerade „Kimi no Na wa.“ bzw. „Your Name.“ heißt und damit den Pressefeed diverser Newsportale, wie etwa ANN, dominiert. Umso mehr hat es mich dann natürlich gefreut, als ich die Lizenzankündigung von Kazé Anime gesehen habe. Letzten Dienstag war es dann auch endlich so weit und der Film feierte in den deutschen Lichtspielhäusern sein Debüt. Voller Vorfreude gingen Mia und ich also ins Kino und Mann kamen wir beide geflashed wieder raus. Hier nun also meine kleine Review zu „A Silent Voice“.

Kinder sind chaotisch, wild und können unter den richtigen oder sagen wir eher falschen Bedingungen unheimlich grausam sein. Das durfte auch Shoya in seiner Kindheit feststellen. So war er lange Zeit der Mittelpunkt der Klasse, bis zu dem Tag, an dem die taube Shouko in ihre Klasse wechselte.

Grausam wie Kinder nun mal sind, wurde sie vom Rest der Kinder natürlich wegen ihrer Behinderung geärgert und gequält. Shoya war hier selbstverständlich, eine der treibenden Kräfte. Bis zu dem verhängnisvollen Tag, als die Schulleitung beschloss dagegen vor zu gehen und er plötzlich als Haupttäter da stand. Der Versuch seine Freund mit in die Verantwortung zu ziehen, hatte ungeahnte Auswirkungen auf ihn. Plötzlich war er das Ziel der Schikane seiner vermeintlichen Freunde und musste am eigenen Leib erfahren, was er Shouko angetan hatte.

Jahre später hat sich Shoya so sehr isoliert, das er keine Freunde mehr hat und mit der Welt abschließen will. Doch bevor er seinem Leben ein Ende setzen kann, will er sich wenigstens noch bei Shouko entschuldigen. Unerwarteter weise weckt dieses Treffen aber neue Lebensgeister in ihm und sein Leben wird komplett auf den Kopf gestellt.

   

Außer dem Trailer habe ich mich ehrlich gesagt auch nicht wirklich über den Film informiert. Somit war an sich alles was ich über den Film wusste, dass es um einen Jungen und ein Mädchen geht, die eine etwas komplizierte Vergangenheit haben. Um es mal ganz freundlich aus zu drücken. Das auch er selbst es mit Schikane zu tun hatte war mir gar nicht so recht bewusst. Somit wurde aus einer etwas verkappten Love Story, die ich erwartet hatte, ein absolut geniales Drama rund um Jugend, Liebe und den Wert von Freundschaften.

Denn das war auch mein tatsächliches Highlight des Filmes: die zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere und vor allem auch die Darstellung der menschlichen Psyche. Ich konnte an vielen Punkten des Filmes so sehr mit Shoya mitfühlen. Zum Beispiel die Szene direkt zu Beginn, als er händeringend die Unterstützung seiner Freunde sucht und eiskalt abgewiesen wird. Klar war vielleicht auch die Art und Weise, wie er Hilfe gesucht hat falsch. Ein paar nette Worte, anstatt der Anschuldigungen hätte hier vielleicht wunder gewirkt. Allerdings finde ich es auch unglaublich hart, wie egoistisch seine Freunde sind und ihn da einfach im Stich lassen. Aber ich kenne solche Momente auch aus meinem Leben und meiner Vergangenheit. Kinder sind eben grausam.

Auf der anderen Seite der Medaille haben wir natürlich auch de Gefühlswelt von Shoya und Shouko. Sie, das taube Mädchen das nur Freunde sucht und Er, der Rabauke, der seine Gefühle nicht zu deuten weiß. Aber genau das wurde hier so perfekt und nüchtern umgesetzt.

Aber kommen wir zur Gegenwart in der Shoya mit seinem Leben abgeschlossen hat. Grundsätzlich kann ich seine selbst auferlegte Isolation ja nachvollziehen, wenn auch nicht unbedingt verstehen. Denn wie er noch lernen wird, geht es im Leben einfach nicht ohne Freunde. Ich fand aber auch die Darstellung seiner Isolation absolut brillant. Denn wie er im Laufe des Filmes ja auch selbst sagt, hat er Probleme Menschen aufrecht entgegen zu sehen. Somit haben wir abgesehen von sehr vielen Bein-Aufnahmen auch das geniale Stilmittel, dass alle Menschen um ihn herum ein X auf dem Gesicht tragen. Erst in dem Moment als er sie als Freunde anerkennt und ihnen auch aufrecht entgegen blicken kann verschwindet das X. Stilistisch ist das wohl eins der genialsten Mittel dieser Darstellung die ich bisher zu Gesicht bekommen habe.

Aber auch das hin und her im Laufe des Filmes war super dargestellt. Für mich zählt die Szene auf der Brücke, in der deutschen Variante, zu den besten Szenen des ganzen Filmes. Sie war zwar nicht besonders emotional, aber ich habe ihn innerlich so bewundert all seinen „Freunden“ mal eiskalt die Wahrheit an den Kopf zu donnern. Denn ich denke, jeder kennt es wenn man einem Freund etwas sagen will, es aber der Freundschaft halber lieber sein lässt. Gerade diese Szene die allen anwesenden den Spiegel vorhielt, war in meinen Augen absolut bombastisch. Aber der Film hatte ja ein paar solcher bombastischen Szenen.

Auf so viele möchte ich Spoilerbedingt auch gar nicht so recht ein gehen. Was mir allerdings auch sehr gut gefallen hat, war die Sache das die „Welt ein Dorf“ ist, wie man so schön sagt. Dass er im Laufe des Filmes auf all jene trifft, die für seine Isolation verantwortlich sind und das es eben, mehr oder weniger, auch genau die sind, die ihn daraus wieder hervor holen. Auf der anderen Seite des Dramas haben wir natürlich auch noch die Liebesgeschichte der beiden. Die gerade durch die Sprachbarriere so vielen Missverständnissen anheim fällt, das es letztendlich einfach nur süß war.

Abschließend gibt es wohl nur eine Sache die mich an dem Film etwas stört und sie in meinem Augen von einem perfekten Film trennt. Die Tatsache, das wir eigentlich ständig nur die „negative“ Seite des Dramas sehen. Klar es gibt kleine positive Fetzen und es entwickelt sich alles im Laufe des Filmes. Die wahre „gute/positive“ Seite des Dramas beginnt an sich aber erst mit der finalen Szene. Hier möchte ich aber auch gar nicht so viel näher drauf eingehen und sage lediglich dazu, dass der Film wie auch schon “Redline” auf dem Höhepunkt endet. Wenig Filme schaffen es auf dem Höhepunkt zu enden und genau da sammelt der Film auch weitere Pluspunkte bei mir. Ich bin gerührt und mit einem guten Gefühl aufgestanden und weiß genau, dass es nicht das letzte mal war, das ich mir den Film angesehen habe.

   

Ich hatte keine Erwartungen an den Film und selbige wurden komplett übertroffen. Wie Fuma, hatte Ich mich, auch nicht weiter über den Film informiert. Die Neugierde war aber so groß. Einerseits dadurch, dass der Manga von meinen Bekannten so in die Höhe gelobt wurde und zum anderen, weil der Film in aller Munde war. Zu Recht wie ich finde. Wir haben hier wirklich ein packendes Drama serviert bekommen. Ich musste so viel heulen in dem Film, so schlimm ist es selten bei mir. Die Taschentüscher waren parat. Der Film geht viel tiefer, als es manch anderer Anime Film je schaffen wird.

Wer in seiner Vergangenheit schon einmal gemobbt wurde, kann sich mit Shouko gut identifizieren, später aber auch mit Shoya. Wer andererseits einmal gemobbt hat, wird sich in Shoya wiederfinden. Den Film werden aber auch jene verstehen können, die bisher selbst keine Erfahrung mit Mobbing gehabt haben. Die Handlung an sich geht in meinen Augen nämlich weit tiefer als das, was wir sehen und hören. Gerade auch, weil es in diesem Film so schwer für die Charaktere ist, miteinander zu kommunizieren.

Ein paar Szenen haben wir wirklich das Herz gebrochen. Aber irgendwie auf eine gute Weise. Mir tat es so extrem Leid, als die Mutter aus versehen das viele Geld verbrannt hat. Klar, es war letzendlich ein versehen aber gerade für eine Familie die eh schon wenig Geld hat ist das sehr bitter. Übrigens, worüber ich mich den ganzen Film gewundert habe: Was ist mit Marias Mutter? Sie ist die Tochter von Shoyas Schwester, aber im Film hat man sie kaum gesehen und wenn sie mal da war, war ihr Gesicht immer verdeckt. Wirkte absichtlich, der Grund hat sich mir nur nicht erschlossen.

Die Szene mit dem Geständnis von Shouko hat mich übrigens wahrscheinlich am allermeisten berührt. Man möchte so gerne etwas sagen, ohne Hilfsmittel, aber die Worte kommen bei der Person einfach nicht an. Sie tat mir so Leid. Ich habe mehrfach gelesen, dass im deutschen diese Umsetzung bemängelt wurde. Ich persönlich kenne das japanische Original nicht, für mich war die Szene aber absolut nachvollziehbar und gut erzählt. Selbiges habe ich über die von Fuma erwähnte Szene auf der Brücke gehört, aber auch hier fand ich es absolut passend. Wenn man also nur die deutsche Version kennt, gibt es da nichts, woran man sich stören kann finde ich.

Die Synchronisation war generell sehr gut gemacht. Ich habe während des Films gar nicht gemerkt, dass Shoya die Stimme von Nicolás Artajo hatte, der kürzlich ebenfalls im Kino als Takeru ‘T.K.’ Takaishi bei den Digimon Tri Filmen zu hören war. Außerdem spricht er in Serien auch noch einige Charaktere, die ich kenne. Ebenso bei Jill Schulz, die Shouko gesprochen hat. Es war garantiert nicht einfach, ein gehörloses Mädchen zu synchronisieren. Dafür war es aber sehr gut gemacht. In unserem Kino liefen auch Untertitel an den Stellen, wo sie etwas sagte und ich fand es gut gelöst. Man hat tatsächlich nicht immer verstanden, was Shouko sagen wollte, mit diesem Problem hatten nunmal auch die Charaktere zu kämpfen.

Ich bin sehr begeistert von dem Film und er muss auf jeden Fall auch später im Regal stehen. Nun bin ich sehr gespannt auf den Manga.

Zusammen gefasst muss ich sagen das des der Film all die Lobpreisung die er bekommen hat verdient hat und eins der besten Dramen ist, die ich bisher gesehen habe. Es gab mehr als eine Szene die mich gerührt hat und erstaunlicher weise auch keinen wirklichen Tiefpunkt, was ihn konstant auf einem grandiosen Niveau gehalten hat.

Ich kann den Film absolut jedem empfehlen und denke auch, das er für Leute die für gewöhnlich keine Anime sehen durchaus was sein könnte. Jetzt bin ich natürlich auch gespannt was der Manga aus dem der Film ja resultierte so zu bieten hat und habe den ersten Band hier schon liegen. Von mir gibt es hier also 10 von 10 non-verbalen Unterhaltungen.

Euer

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5 Antworten

  1. wsnhelios sagt:

    Mir hat der Film auch sehr gut gefallen, so emotional und mitreißend. Hier meine Kritik dazu: https://meinekritiken.com/2017/08/16/film-a-silent-voice-koe-no-katachi-anime-2016/

  2. hellspawn2501 sagt:

    Als ich mir den Film angesehen habe, wußte ich direkt, daß er euch auch gefallen würde. ^^ Wie könnte er auch nicht, denn wird hier doch Drama auf die weise inszeniert, die es erst gut macht, nämlich glaubwürdig. Sowohl was die Gründe als auch Auswirkungen betrifft. Besonders die im obrigen Text erwähnte Szene bei der shoyas Freunde ihn in der kindheit abweisen spiegelt dermassen gut ein realistisch menschliches Verhalten da. Und das er niemand ins Gesicht schauen kann bzw. die Gesichter für ihn gleichgültig sind (die Darstellung mit den X ist große Klasse) konnte wirklich sehr überzeugen, da ich dieses verhalten gut kenne.
    Shokos geständnis war auch schön rührend, da geb ich Mia recht. Zu dumm das Shoya sie da völlig mißverstanden hatte, sehr zur Unterhaltung ihrer kleinen Schwester.
    Auch Fuma bekommt von mir recht, das die Szene auf der Brücke wirklich einen großen Höhepunkt dastellt. Nicht so ganz versteh ich nur nicht die sache wegen dem positiven im Drama. Die letzten Szenen, die den Höhepunkt dastellen und Shoya aus seiner Isolation und zurück ins Leben um sich herum holen, sind wirklich ein dermassen großer positiver Höhepunkt, das es für mich gar keiner Szenen danach, die nun sein neues Leben beleuchten gebraucht hätte. Klar, wird man sich fragen, ob aus den beiden auch eventuell mehr werden könnte, doch ist es auch so ein perfekter Abschluß. Fumas Meinung das der film auf den Höhepunkt endet, trifft es genau richtig.
    Was mir nicht soooo 100% gefiel war aber die erwähnte “die Welt ist ein Dorf” Sache. Manchmal gehen mir solche zufälligen Begegnungen der Charaktere etwas auf den Senkel. Aber damit hat nicht nur dieser Film zu kämpfen, sondern gefühlte 80% aller erdachten Geschichten.
    Technisch kann man auch nicht motzen. Kyoani zeigt mal wieder was sie in Sachen Animationen und Charakterdesign drauf haben.

    Was mich persönlich noch interessieren würde wäre ein Statement, sobald Your Name hier erscheint, welcher Film euch mehr zusagt.

    • Fuma sagt:

      Das Statement wirst du definitiv bekommen. Aber die Welt ist ein Dorf. Ja viele Anime und Filme spielen damit, aber gerade hier fand ich es durchaus realistisch geregelt. Durch einen Kollegen auf der Arbeit haben wir gerade vor kurzem eine Person in meiner Heimatstadt herausgefunden die wir beide kennen. Ich werde mir den Film auf jeden Fall als BD holen. Das ist denke ich so ein Muss fürs Regal

  3. Hotaru sagt:

    Schönes Review. Ich freu mich auch auf den Film.
    Shoyas Schwester bzw. Marias Mutter wird im Manga auch nie gesehen bzw. ihr Gesicht nie gezeigt.

    • Fuma sagt:

      Das kannst du auch ;) Das mit seiner Schwester hatte ich mir schon fast gedacht, allerdings hatte ich ja auch gehofft, dass es so nen kleinen Insider oder eben Gag aus dem Manga gebe warum man das Gesicht nicht sieht.

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