Ghibli Review: Erinnerungen an Marnie

Erinnerungen an Marnie

Erinnerungen an Marnie ist der letzte Film, der vom Studio Ghibli produziert wurde. Dies ist unsere erste, aber nicht die letzte Review von einem Ghibli-Film hier auf dem Blog. Wir haben den Film vor kurzem gesehen und er war einer der wenigen Ghibli Filme, die wir noch nicht gesehen haben. Ich war zu Beginn etwas skeptisch. Hiromasa Yonebayashi ist der Regisseur des Films. Er hat als Animator schon bei einigen erfolgreichen Ghibli Filmen mitgewirkt. Regie übernimmt er bei diesem Film allerdings erst zum zweiten Mal, das erste mal war bei “Arrietty – Die wundersame Welt der Borger”. Genau daher kam meine Skepsis, Arrietty hat mir leider nicht sehr gut gefallen.

Die Handlung dreht sich um die 12-jährige, unter Asthma leidende Anna. Ihre Pflegemutter lebt mit ihr in Sapporo (Japan). Für ihre Gesundheit und ihren emotionalen Zustand ist es notwendig, dass Anna nach Hokkaidō gehen soll, um dort bei Verwandten unter zu kommen und sich zu erholen. Anna erkundet ihre neue Umgebung und entdeckt ein altes, verlassenes Haus. Dort trifft sie auf das blonde Mädchen Marnie. Sie lernen sich kennen und haben Spaß miteinander. Marnie verschwindet jedoch spurlos und eine neue Familie zieht in das leerstehende Haus ein. Die Tochter der neuen Besitzer, Sayaka, findet das Tagebuch von Marnie und Anna muss feststellen, dass ihre Freundin Marnie nicht die Wahrheit über sich erzählt hat.

   

Ich habe mich vor dem Ansehen nicht über den Film informiert. Da es offiziell der letzte Film vom Studio Ghibli ist, war er  in aller Munde. Dennoch habe ich mich nie dafür interessiert, worum es hier eigentlich geht. Der Film ist auch anders, als man es durch die Bilder zum Film vielleicht denken könnte. Die Handlung wird von einem sehr melancholischen roten Faden begleitet. Die Geschichte wird aus Annas Sicht erzählt. Sie ist einsam, hat wenige Freunde und wir dann auch noch von ihrer Pflegemutter zu Verwandten in einen fremden Ort geschickt.

Neugierig wie sie ist erkundet sie auch die Umgebung und trifft so auf Marnie. Marnie ist ein lebendiges, süßes Mädchen, ganz anders als Anna es ist. Trotzdem verstehen sich die beiden Mädels auf Anhieb und verbringen seitdem viel Zeit miteinander. Das Haus, in dem Marnie lebt, sieht manchmal verlassen aus, was Anna aber gar nicht so wirklich aufzufallen scheint, wir als Zuschauer sehen das aber durchaus. Anna war auch einmal im Haus drinnen und es war voller Leben und sah gut aus. Man merkt als Zuschauer also schnell, dass irgendwas nicht stimmt.

Der Film ist in meinen Augen für Kinder zu düster und zu verwirrend. Obwohl die Geschichte aus der Sicht einer 12-jährigen erzählt wird, spürt man das nicht wirklich. Annas Stimmung ist generell sehr negativ und das lässt sie auch ihr Umfeld spüren. Selbst für mich war der Film eher eine harte Kost als lockere Unterhaltung, trotz den teilweise lustigen Szenen. Ich würde letztendlich schon sagen, dass mich das an dem Film gestört hat. Auch, dass der Film sehr langatmig war und sich teilweise wie Kaugummi gezogen hat, fand ich nicht sehr angenehm. Generell muss ich sagen, dass der Film in meinen Augen weit von einem Meisterwerk entfernt ist. Dabei hat Studio Ghibli schon so manche Meisterwerke hervorgebracht.

Dafür punktet der Anime aber in Sachen Animation. Die Bilder, die wir in diesem Film zu sehen bekommen, sind einfach traumhaft schön. Das besagte Haus ist umgeben von einem See, der stark beeinflusst wird von Ebbe und Flut. Tagsüber kann Anna zu dem Haus hin laufen, während sie Nachts nur mit einem Boot wieder herunter kann. Anna hat Nachts auch oft wirre Träume, die ihr wohl etwas sagen wollen, auch über Marnie. Doch sie versteht die Träume nicht. Doch gerade diese unterstreichen in meinen Augen den melancholischen Grundton.

   

Puh… was soll ich sagen. Gerade heraus und vor weg, war der Film für mich weitestgehend eine Enttäuschung. Seit 2004 und damit das wandelnde Schloss schaffte es aber kein Ghibli Film mich wirklich zu begeistern. Ja ” Der Mondblumenberg” und “Die Legende der Prinzessin Kaguya” waren beiden ganz okay und konnten sich sehen lassen. Nichts desto trotz waren meine Erwartungen an “Erinnerungen an Marnie” somit relativ gering. Ich bin ehrlich erstaunt warum der Film bei MAL auf ne 8,3 kommt.

Gehen wir doch mal auf den schlimmsten Part des Filmes ein, Anna. OMG, was ist bei dem Mädchen bloß kaputt? Sie ist trotzig, motzig und Egoistisch “over 9000!!!”. Womit sie solche naja Urlaubseltern die alles so hinnehmen verdient hat frage ich mich auch noch. Nur weil man Asthma hat, ist das noch lange kein Grund sich selbst Tourrette an den Hals zu dichten und Leute die anders denken zu beleidigen. Sich dann natürlich selbst noch in der Fantasy-Welt ein zu schließen und eine Runde Chunibyo zu spielen… Kein Kommentar.

Und dann natürlich noch die Erklärung zu Marnie und was es mit ihr auf sich hat… Echt jetzt? So was an den Haaren hervor gezogenes. Wobei ich ja der Hoffnung war, das Marnie ein böser Seelenräuber ist und ihr schaden will. Aber Ghibli hat seine guten Supernatural-Wurzeln ja mit dem Wandelnden Schloss zu grabe getragen. Jetzt gibt es nur noch süße liebliche Magie… wenn überhaupt. Der Ganze Film war so absurd und gehört für mich zu den schlechtesten Werken.

Meiner Meinung nach war dies ein Hundsmiserabler Abschied von der Szene und vom alten Glanz den Ghibli einst umspielte ist wenig geblieben. Für mich rankt dieser Film selbst noch hinter Arietty und Ponyo. Schade eigentlich, gehörte das Studio doch einst dank Bahnbrecheren wie Mononoke, Chihiro und Totoro zu den besten Geschichtenerzählern dieser Generation. Nur um es noch mal zu wiederholen ein enttäuschender letzter Film.

Obwohl der Film so langsam ist und sich Zeit für die Handlung nimmt, wirkte das Ende auf mich sehr gerusht. Das ist mir negativ aufgefallen. Anna an sich ist für mich leider auch nicht sympatisch, daher konnte ich den ganzen Film über wenig mit ihr mitfühlen und daher war ich am Ende auch nicht sehr berührt. Ihre Handlungen waren teilweise für mich nicht Nachvollziehbar. Trotz allen Kritikpunkten die ich habe, fand ich die Auflösung am Ende sehr schön und passend zur Story. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mir den Film noch einmal ansehen werde. Ich gebe dem Film letztendlich 5 von 10 wirren Träumen.

Eure

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3 Antworten

  1. Lenny sagt:

    Da hast du sicher Recht. Und ich hab auch keinerlei Problem damit. Geschmäcker sind verschieden. Und Anna ist sicher nicht nur Opfer. Und sie macht auch nicht alles richtig. Doch genau darum geht es ja in dem Film. Sie macht die Entwicklung, mit Hilfe von Marnie, dahingehend durch, dass sie lernt, dass es auch Situationen gibt an denen niemand Schuld hat. Weder man selbst noch andere.

  2. Lenny sagt:

    Puuh. Das ist hart das zu lesen. Für mich gehört Erinnerungen an Marnie zu den besten Ghibli-Filmen. Eben weil Anna so charakterisiert wird, wie sie charakterisiert wird. Und es geht auch nicht nur um das Asthma. Sie glaubt sie sei nur eine Last, weil ihre Pflegemutter Geld für sie bekommt. Und durch ihre Krankheit empfindet sie sich selbst als Last für andere. Marnie ist die erste Person von der auch Anna glaubt, dass sie sie nicht als Last sieht. Und das obwohl Marnie selbst kein einfaches Leben hatte.
    Ich finde die Beziehung zwischen Anna und Marnie ist eine der schönsten und realistischsten die ich jemals gesehen habe. Und nur weil ein Film ein Kind als Figur hat, muss das nicht heißen, dass der Film nicht auch ernste Themen haben darf. Siehe Die letzten Glühwürmchen, Toy Story 3 oder Wo die wilden Kerle wohnen.

    • Fuma sagt:

      Das tut mir Leid das wir da so unterschiedlicher Meinung sind. Aber ich denke nicht das wir geschrieben haben das etwas nicht ernst sein darf nur weil Kinder hier im Mittelpunkt stehen. Ich denke das Die letzten Glühwürmchen zu den besten Filmen gehört die ich je gesehen habe. Allerdings kann ich dir nicht zustimmen das die Charakterisierung hier gut ist. Anna hätte einfach mal ihre (Zieh-)Mutter fragen und ansprechen können. Ich fand die Szene am Ende als sie ihr alles “gesteht” so an den Haaren herbe gezogen. Ich bin selbst ein riesiger SoL/Drama Fan und habe schon in so vielen anderen Filmen/Serien eine bessere Darstellung gesehen. Alleine um meinen eigenen Beitrag von heute etwas zu promoten finde ich die Charakterisierung und Darstellung bei “A silent Voice” so viel realistischer. (Auch wenn die Thematik eine ganz andere ist) Nichts desto trotz freut es mich aber das dir der Film gefallen hat. Was wäre die Welt wenn wir den gleichen Geschmack hätten?

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