Manga Review: Willkommen im (Ero) Manga-Club!

Willkommen im (Ero) Manga-Club

Der Name ist hier definitiv Programm. Es geht auf jeden Fall um einen Manga-Club, es geht aber genauso auch um Erotik. Der Manga wird deshalb auch ab 16 Jahren empfohlen. Spielt halt in dem Manga eine große Rolle. Genauso geht es aber auch um Animes, Mangas, Games und alles, was ein Otaku Herz begehrt. Die Themen werden im Manga ganz groß geschrieben, die Charaktere leben hier alle ihre Hobbys sehr offen aus.

Das Genre Erotik ist nun mal das Lieblingsgenre der beiden Hauptcharaktere, die ihr auf dem Cover von Band 1 sehen könnt. Vielen lieben Dank an Panini Manga, dass sie uns Band 3 als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Band 1 hatten wir schon und Band 2 haben wir dann grad noch gekauft, damit ich den Manga auch lesen konnte. Der Manga ist nämlich mit 3 Bänden abgeschlossen und der letzte Band erschien letzten Monat.

Der Manga spielt im Jahr 1994. Im Fokus der Geschichte geht es um den Studenten Junpei. Er lebte sein ganzes Leben lang in einem kleinen Dorf und wurde nun an einer Uni in Tokyo aufgenommen. Seit vielen Jahren ist er begeisterter Otaku und ein Genre hat es ihm besonders angetan: Erotik. Er zeichnet bzw. skizziert auch selbst Mangafiguren und bleibt seinem Lieblingsgenre dabei treu. Er lebt dadurch seine Tagträume aus. Als er kurz nach seinem Umzug das erste Mal in einen großen Mangaladen in Tokyo geht, greift er gleichzeitig mit einer anderen Person zu letzten Ausgabe eines Manga Erotik Magazins. Es handelt sich dabei um die gebräunte Studentin Maaya Sakuramachi, die ebenfalls auf Junpeis Uni geht und ein Jahr weiter ist als er. Nach dieser ersten Begegnung verabreden sich die beiden und Maaya lädt Junpei schlussendlich ein, in den Manga-Club der Universität einzutreten.

   

Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Manga erwartet habe. Ich denke, ich war einfach neugierig. Vor allem, was es mit dem Manga-Club auf sich hat. Ich muss dazu sagen, dass ich kein großer Fan von Erotik Mangas bin. Das Genre hat trotzdem schon viele gute Mangas ans Licht gebracht. So auch diesen hier. Hätte ich mich von dem Titel Zusatz “Ero” abschrecken lassen, wäre mir ein guter Manga durch die Lappen gegangen.

Vielleicht sagt dem einen oder anderen von euch ja der Anime bzw. Manga “Genshiken” etwas. Ich liebe diesen Anime sehr, weil die Charaktere dort ebenfalls in einem Club auf der Uni sind und sich rege über ihre Hobbys austauschen und Freundschaften finden. Ich liebe es total, wenn man Charakteren dabei zusehen kann, wie sie ihren Spaß an den Hobbys haben, die sie lieben und die auch ich sehr liebe. Daran habe ich unheimlichen Spaß. Und Willkommen im (Ero) Manga-Club hat mich sehr stark an Genshiken erinnert.

Vielen von euch dürfte der Mangaka Ryuta Amazume ein Begriff sein. Hier in Deutschland ist es zumindest kein unbekannter Manga. Er schreibt oft Erotik Geschichten, die Werke Die Traumfrau (6 Bände), Nana & Kaoru (18 Bände), Nana & Kaoru Black Label (5 Bände) und Puppy Lovers (3 Bände) sind alle bei Panini Manga erschienen. Auch, wenn das hier mein erster Manga von ihm war, ist er mir definitiv ein Begriff. Umso neugieriger war ich auf das Werk.

Ich persönlich fand einen interessanten Knackpunkt im Manga, dass einzig die beiden Hauptcharaktere auf das Manga Genre Erotik abfahren. Die anderen Charaktere aus dem Club sind gegen das Genre und wollen anfangs damit auch nichts zu tun haben. Das hält Maaya und Junpei aber nicht davon ab, ihr liebstes Hobby auszuleben. Dabei wird deutlich, dass Erotik in dem Leben der beiden eigentlich nur ganz wenig eine Rolle spielt, Junpei selbst ist noch Jungfrau und die Erotik in den Bänden beschränkt sich tatsächlich eher auf seinen Kopf und seine eigenen Manga Zeichnungen. Er zeichnet seine Fantasien von den Frauen, denen er im Alltag begegnet.

Generell finde ich aber am tollsten, dass in diesem Manga keiner für seine Hobbys oder Vorlieben nieder gemacht wird. Es herrscht generell eine gesunde Akzeptanz, was ich beachtlich finde bei so vielen verschiedenen Charakteren. Sie sind auch alle recht unterschiedlich von ihrem Charakter her. Dennoch wird klar, dass sie auch die gegenseitigen Stärken und Schwächen zum Vorteil der Gruppe nutzen. Es fällt auf, wenn jemand eine Zeit lang nicht zur Uni kommt und es wird sich darum gekümmert. Die Gruppe ist ein wilder, bunt gemischter Haufen von Otakus und dennoch kommt jeder mit jedem gut klar. Fand ich sehr schön mit an zu sehen.

Generell wird das Thema Otaku sehr viel thematisiert. Der Manga spielt ja komplett im Jahre 1994 und da war die Akzeptanz in Japan Otakus gegenüber noch nicht so groß, wie es vielleicht heute scheint. Das merkt man oft daran, dass man mitbekommt, wie die Eltern der Studenten über ihre Hobbys denken. Aber nicht nur das, man bekommt auch die Gedanken der anderen Studenten mit. Dass Otakus ja schädlich für die Gesellschaft und Abschaum sind. Finde ich unheimlich traurig, ist aber die Realität.

“Normale” Menschen verstehen diese Begeisterung für Hobbys einfach nicht und das ist der eigentliche Punkt, der mich traurig an der Sache macht. Ist ja heutzutage in Deutschland genauso, wenn Eltern oder Freunde deine Hobbys nicht verstehen, bringen sie das sehr negativ zum Ausdruck, anstatt mal zu fragen, was man an den Hobbys denn gut findet. Ich denke, die Welt ist einfach nicht so offen, wie sie manchmal tut und das kommt hier auch gut rüber.

Man merkt, der Manga ist sehr vielfältig was die Themen angeht. Es wird unfassbar viel über Animes und Mangas gesprochen, das hat mich mega überrascht. Und natürlich kannte ich auch einige der Mangas! Einer der Charaktere war z. B. ein großer Fan von Rumiko Takahashi. Was ich sehr gut fand, in einigen Mangas ist es der Fall, dass zwar über andere Mangas gesprochen wird, dann aber beispielsweise der Name verändert wird. Hier ist es nicht so, hier wird ganz offen über alle möglichen Werke gesprochen. Mit vielen der Animes oder Mangas konnte ich aber leider nichts anfangen, dabei dachte ich eigentlich, dass ich ein breites Wissen habe was das angeht. Ist aber verständlich, 1994 war ich gerade mal 3 Jahre alt und es wird eben auch viel über Animes gesprochen, die nie nach Deutschland kamen.

Was ich aber sehr gut fand: der Manga hat unfassbar viele Anmerkungen. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Anmerkungen innerhalb von 3 Bänden gesehen. So viele Sternchen, die bestimmte Begrifflichkeiten erklärt haben. Sehr interessant fand ich ein Panel, wo einige Zeitschriften lagen und jeder Titel wurde übersetzt – wodurch 6 Sternchen in diesem kleinen Panel platz gefunden haben. Fand ich sehr beachtlich, weil sich oft nicht so kleinteilig die Mühe gemacht wird. Wenn es um bestimmte Themen von Animes ging, wurde teilweise auch das Genre genannt, was ich auch sehr hilfreich fand, um die Charaktere überhaupt zu verstehen.

So wurden dem Leser alle Möglichen, wichtigen Anmerkungen mitgeteilt. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich wohl vieles nicht nachvollziehen können oder selbst Recherchieren müssen. Ich denke aber, dass Leser, die noch nicht so viel mit Mangas und Japan zu tun hatten schon einige Verständnisprobleme haben werden. Beispielsweise fiel mir auf, dass die Worte Sensei und Kohai kein einziges Mal erklärt werden. Sowas wird eben einfach vorausgesetzt.

Sehr cool fand ich dabei auch, dass es innerhalb der Mangas einige Info-Boxen gab. Wenn z. B. ein Ereignis aus dem Jahre 1994 erwähnt wurde oder einige Begriffe doch nicht in einem Satz erklärt werden konnten. Ich bin sehr begeistert von diesen Boxen! Was ich daran sehr lustig fand: es gab auch teilweise Gespräche zwischen zwei Charakteren, die beide verschiedener Ansicht über ein Thema waren. Und in der Box stand dann drin, dass die Charaktere beide unrecht haben und es wurde beschrieben, wie es wirklich war. Das fand ich ein richtig cooles Stilmittel und habe ich so nur sehr selten bisher in Mangas erlebt.

Neben Anime und Manga war vor allem im dritten Band auch Games ein riesiges Thema. Da kam nämlich ein neuer Charakter ins Spiel, der absolut begeistert von Sega Konsolen war. Dabei ging es auch viel darum, wieso Nintendo teilweise den Sega vom Markt gedrängt hat oder welche Konsole wann erschienen ist. Fand ich super interessant. Die vielen Spiele die bei den alten Konsolen erwähnt wurden kannte ich aber nahezu alle nicht und habe teilweise auch die Begeisterung nicht verstehen können. Was Spiele angeht habe ich aus den 90-ern leider wenig mitbekommen und bei den Spielen in Japan sowieso gar nichts.

Es hat einen solchen Spaß gemacht, dass die Charaktere untereinander ihre Begeisterung mitteilen und ausleben konnten. Zwischen den Charakteren selbst gab es auch keine Tabuthemen. Ja, viele von ihren sind nicht so gut in sozialer Interaktion aber generell waren alle ehrlich zueinander. Auch wurde offen und ehrlich über die unterschiedlichen Meinungen gesprochen. So hat auch der ein oder andere Charakter sein Fett wegbekommen und ihm wurde was negatives zu seinem Charakter gesagt. Aber genau daran konnten die Figuren dann arbeiten, das ist mir positiv aufgefallen. In wie vielen Mangas und auch in wie vielen Leben von euch da draußen gibt es falsche Menschen, die einfach nicht ehrlich miteinander sein können. Diese gegenseitige Offenheit hat den Manga richtig schön abgerundet.

Um nun abschließend noch einmal zum Titel des Mangas zurückzukehren. Erotik ist einfach neben den ganzen Otaku Themen ein großer Teil. Es wird ganz offen mit diesen Themen umgegangen. Aber auch mit den damit verbundenen Gefühlen wie Scham wurde genauso offen umgegangen. Und genau da ist auch ein großes Thema des Mangas angesetzt: einen eigenen Manga zu produzieren. Oder eher gesagt ein eigenes Erotik Doujinshi raus zu bringen. Maaya steckt Junpei mit dieser Idee an. Besser gesagt infiziert sie ihn damit.

Sie selbst kann gar nicht gut zeichnen, möchte aber dennoch ein eigenes Heft raus bringen. Denn schlussendlich benötigt sie Junpei nur als “Werkzeug”, der für sie zeichnet, dabei bringt sie gar nicht so viel zu dem Werk bei. Aber ich finde es sehr positiv, dass die Charaktere hier generell an sich arbeiten, wenn sie ihre Fehler eingesehen haben. Und so darf man als Leser dabei sein, wie ein eigener Doujinshi für die Comitek entsteht, welche Hürden aufkommen und vor allem: ob sie es schaffen werden, rechtzeitig fertig zu werden?! Das verrate ich euch natürlich nicht.

Meine Befürchtung ist, dass viele diesen Manga niemals lesen werden, obwohl er wirklich so viel zu bieten hat. Für Otakus ist so viel interessantes und wichtiges an Themen dabei. Man taucht hier einfach komplett in das Jahr 1994 ein. Der Mangaka hat genauesten Recherchiert. Er hat auch auf Details geachtet, zum Beispiel in welchem Gebäude die Comitek 1994 war, welche Konsolen wann erschienen sind, wie heiß es an gewissen Tagen war. Generell finde ich auch die Offenheit sehr schön, die der Manga mit sich bringt. Es wird z. B. auch ganz offen darüber gesprochen, dass die Charaktere nun mal logischerweise an einem heißen Sommertag auf der Comitek ins Schwitzen kommen. Ist eine natürliche, menschliche Sache und dennoch werden solche Themen in Mangas oft übergangen, ohne darüber zu sprechen.

Wie oben beschrieben weiß ich nicht, was ich von dem Manga eigentlich erwartet habe. Ich wurde hier definitiv zufrieden gestellt. Der Manga ist in seiner Art einfach wunderbar, behandelt tolle Otaku Themen und man hat definitiv Spaß beim Lesen. Mehr muss ein Manga in meinen Augen gar nicht haben. Der Manga hat aber stellenweise auch extrem viel Text. Es gab auch nach jedem Kapitel ein Interview vom Mangaka. Diese Interviews habe ich mir nicht durchgelesen. Das fand ich dann doch nicht interessant genug und die Panels waren eh schon sehr viel und hatten viel Text, irgendwann ist halt auch mal gut. Aber kein Wunder, bei den vielen Themen die besprochen wurden. Also unterm Strich gebe ich dem Manga eine gute Bewertung mit 7 von 10 verwirklichten Otaku Träumen.

Eure

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