Film Review: Mord im Orient-Express

Mord im Orient-Express

Wo sind sie nur hin, die einfachen Zeiten der Kriminal-Romane. Heutzutage muss alles spektakulär, atemberaubend und vor allem brutal sein um den Zuschauern noch etwas zu Präsentieren. Was ist aus den Fällen von Sherlock Holmes geworden, in denen es lediglich darum ging, herauszufinden wie und warum der Diamant in die Weihnachtsgans kam?

Schon als Kind mochte ich die einfachen Fälle einer Agatha Christie oder eines Sir Arthur Conan Doyle lieber als die Effekthascherischen Krimis, die uns Hollywood vor setzt. Aber auch bei jenen wird sich gerne bedient. Wer da an die Neuverfilmungen von Guy Ritchie mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle denkt, weiß sicherlich worauf ich hinaus will. Nicht das ich damit sagen will, dass es schlechte Filme sind.

Somit war ich hoch erfreut, als ich vor ein paar Monaten den ersten Trailer zu Mord im Orient Express sah. Das der Film dann natürlich auch noch mit Star-Besetzung glänzte, war das nur das Sahnehäubchen. Somit war ich unglaublich gespannt, wie sich diese doch relativ alte Geschichte mit den modernen Standards und vor allem in atemberaubenden Gewand so messen wird.

Der berühmt und berüchtigte weltbekannte Detektiv Hercule Poirot findet sich nach unzähligen Fällen und Reisen in der Türkei wieder. All der Fälle müde, beschließt er seinem detektivischen Spürsinn erst ein mal, ein wenig Ruhe zu gönnen. Um seinen Heimweg an zu treten, wird er von einem alten Bekannten dazu eingeladen mit dem Orient Express zu reisen.

Die hoch komfortable Reisemöglichkeit lehnt der Exzentriker natürlich nicht ab und beginnt seinen Urlaub in vollem Luxus. Im Speisewagen lernt er auch alsbald die bunter Truppe seiner Reisegefährten kennen. Die vom verrückten Professor, über die gottesfürchtige Gläubige bis hin zur Gräfin reicht. Doch auch ein Gangster befindet sich unter ihnen.

Dieser Betrüger, mit dem Namen Ratchett, der immer wieder neue Drohbriefe erhält, bittet Hercule sogar um dessen Schutz. Obwohl er den Verbrecher damit erzürnt, lehnt Hercule dankend ab. Doch als in der selben Nacht plötzlich ein Blitz in die nahe Bergspitze einschlägt und eine Lawine auslöst, wird der Zug unsanft gestoppt. Noch dazu wird die Leiche des besagten Verbrechers aufgefunden und Hercule ist gezwungen seinen Ruhestand vorzeitig beenden…

   

Wie ich an Mia sehr schön gesehen habe, ist der Film eindeutig nicht für jeden etwas. Denn ihm fehlt die Erzähldynamik des heutigen Popkorn-Kino´s. Die Geschichte wird langsam und ruhig erzählt und ich glaube die spannendste oder sagen wir eher die actionreichste Szene die der Film zu bieten hat, dürfte eine Schlägerei sein, bei der ein einziger Schuss fällt. Wem das also zu langweilig oder zu langatmig ist, der ist hier definitiv falsch.

Wer die Story bereits kennt, der weiß eigentlich genau worauf er sich einlässt. Aber auch für jene die nicht wissen worum es geht, hier noch mal komplett runter gebrochen was euch erwartet: Wir haben mit Hercule Poirot einen Meisterdetektiv, der ähnlich wie ein Sherlock Holmes, eine herausragende Auffassungsgabe besitzt und ein unglaubliches Talent dazu, Zusammenhänge zu sehen.

Was mir gerade hier an dem Film auch unheimlich gefallen hat, dass Hercule die gleichen Hinweise wie wir hat. Ähnlich wie in Sherlock Holmes Romanen, in denen wir ja Watson folgen und nur dessen Wissensstand kennen. Ich mag so etwas. So haben wir als Leser/Zuschauer die Möglichkeit mit zu rätseln. Was soll ich sagen? Das habe ich auch total gerne gemacht.

Erst nach und nach deckt Hercule ein Memory-Blättchen nach dem nächsten um und manche ergeben dann auch erst später einen Sinn, wenn man den größeren Zusammenhang sieht. Ich fand es so gut in Szene gesetzt, dass man auch die ein oder andere falsche Spur gelegt bekommt, die einfach zu köstlich und zu treffend ist um sie nicht zu ergreifen.

Heutzutage ist es dann ja doch meist eher so, dass unser Detektiv/Kommissar Informationen hat, die wir nicht kennen. Somit fällt das Mitraten ohnehin meist flach bzw. ist ein Schuss ins Blaue. Schade eigentlich, Ich hoffe das wir in Zukunft noch mehr dieser Filme sehen werden. Denn ich finde allgemein den Anfang des letzten Jahrhunderts zwischen Altertum und Moderne einfach herrlich.

Da bot der Film vor allem auch auf der Darstellungsseite Atemberaubende Bilder. Es sah einfach fantastisch aus, als Hercule mit dem Boot nach Istanbul gefahren kommt oder wieder der Orient Express durch die weiten Schneelandschaften rast. Visuell war der Film somit auf jeden Fall genau mein Ding.

Er hatte aber auch noch einen Punkt, der absolut für ihn sprach, der Humor. Man musste ich in dem Film oft lachen, grinsen oder wenigstens Schmunzeln. Hier reichte die Palette von offensichtlichen Witzen, über subtile Anspielungen bis hin zu scharfen Kommentaren. Da sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein.

Kommen wir an dieser Stelle also noch zur Besetzung selbst. Abgesehen von den „großen“ Nummern wie Willem Dafoe, Johnny Depp und Penelope Cruz haben natürlich auch die anderen „kleineren“ Schauspieler einen hervorragenden Job gemacht. Vor allem natürlich Kenneth Branagh als Hercule Poirot. Alle haben ihre Rolle so glaubhaft verkörpert, dass ich selbst immer weiter rätseln wollte. Aber jeder Film muss ja irgendwann mal enden.

    

Ja, bei diesem Film waren wir mal nicht ganz einer Meinung. Meine Bewertung für den Film würde etwas schlechter ausfallen. Ich denke, Fuma sieht das schon ganz richtig, ich bin etwas jünger als er und habe erst sehr spät mit Krimis angefangen, somit gingen diese “ruhigeren”, alten Krimis alle an mir vorbei. Und wenn man sich mal die meisten Filme ansieht, merkt man einfach, dass alles immer größer wird, mehr Explosionen, mehr Adrenalin. Das hat mir im Enteffekt bei diesem Film wohl auch gefehlt.

Es war alles wirklich sehr ruhig und hatte einen langsamen Erzählstil, dadurch ist mir die Story auch nicht schnell genug voran gegangen. Es war jetzt nicht zum einschlafen langweilig, aber es war mir persönlich einfach zu wenig Spannung dabei, um wirklich mitzufiebern. Aber die Actionszenen die dabei waren, waren auch echt gut gemacht.

Was ich sehr positiv loben muss, ist die Kameraführung. Ich habe keine Ahnung ob das Set tatsächlich ein Zug war (eher nicht?) oder eine Kulisse im Studio, aber die Kamera war in meinen Augen nie unnatürlich gesetzt. In manchen Szenen wurde auch von oben herab auf die Köpfe der Schauspieler gefilmt, was ich so bisher noch nie gesehen hatte. Aber in manchen Szenen war hier in den kleinen Abteilen oder im Flur einfach kein Platz für eine Kamera.

Mein Zahnarzt hatte mit mir über den Film gesprochen, bevro ich ihn gesehen habe und hat gemeint, dass er es nicht so toll fand, dass Hercule Poirot so stark im Mittelpunkt war. Das fand ich wiederum aber überhaupt nicht schlimm, weil er immerhin die Schlüsselfigur des Films ist und da ist es in meinen Augen nur natürlich, dass er etwas mehr Screentime hat als alle anderen Personen im Film.

Ich hatte was den Humor anging wirklich meinen Spaß und wurde köstlich amüsiert. Humor konnte der Film auf jeden Fall, es wirkte auch nie gezwungen und manchmal war es auch eher unterschwelliger Humor. Hat mir sehr gefallen. Trotz meiner Kritik an der Art der Darstellung und des Pacings bin ich also recht zufrieden und bereue es nicht, den Film gesehn zu haben. Ich kann aber auch nicht behaupten, dass man etwas verpasst hat, wenn man ihn nicht gesehen hat.

Abschließend kann ich zu dem Film wohl nur sagen, dass ich köstlich amüsiert wurde. Ein ruhiger und langsamer Erzählfluss, der durch den ein oder Spruch und Witz durchgängig zu erheitern wusste. Ein spannend erzählter Krimi bei dem das mit rätseln riesigen Spaß macht und dabei noch von schöner Optik garniert wird.

Wer also Lust auf solch ein etwas altbackenes Abenteuer, welches man zur heutigen Zeit nur als etablierter Klassiker bezeichnen kann hat, der sollte sich den Film definitiv ansehen. Ihr werdet nicht enttäuscht. Aber auch all denen die sich noch unsicher sind, empfehle ich einfach mal ins Kino zu gehen. Denn für einen spannenden unterhaltsamen Abend sorgt der Film allemal.

Am Ende des Filmes gab es sogar noch einen kleinen Wink, der den vermeintlichen 2. Teil bereits angekündigt hat.  Somit bekommt der Film von mir verdiente 7 von 10 gelösten Mysterien.

Euer


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