[Gastbeitrag] Film Review: Love Exposure

Love Exposure

Hi! Mein Name ist Shin und ich liebe das Schreiben. Durch mein Studium bin ich vor einigen Jahren Artikelschreiber und Content-Manager auf etcg geworden und habe gemerkt, dass ich das Schreiben liebe. Nachdem ich vor einiger Zeit aufgehört habe, Yu-Gi-Oh! zu spielen, verlies ich das Team und wechselte zu Jimoku. Für diese Webseite verfasse ich Reviews von neueren sowie alten Anime und besuche Conventions.

Manga- und Animefan bin ich in etwa seit meinem 10. Lebensjahr. Der Bruder eines damaligen Klassenkameraden zeigte mir, dass es abseits von „Dragonball“ und „Kickers“ auch noch viele andere interessante Serien gibt. Hierdurch entwickelte ich eine Abneigung gegen alle Filme und Serien, die nicht animiert sind. Nachdem ich eine Nacht den Film „Fight Club“ im Fernsehen sah, war ich aber auch großer Filmfan.

Wer mich kontaktieren möchte, tut dies am besten per E-Mail an shin@jimoku.de oder per Twitter (@Shinuslaw). Besonders über Feedback für diese Review würde ich mich freuen!

Obwohl ich großer Animefan bin, habe ich mich lange nur sehr sporadisch mit japanischem Kino beschäftigt. Durch meine Freundin stieß ich glücklicherweise auf den Regisseur „Shion Sono“. Nachdem wir gemeinsam seine bekanntesten Werke schauten, stieß ich alleine auf den Film „Ai no Mukidashi“ (englischer Titel: „Love Exposure“). Extrem positive Rezensionen machten mich neugierig, die Länge des Films (knapp 4 Stunden!) schreckten mich hingegen wieder ab, besonders da es keine deutsche Synchronisation für ihn gibt. Dank „Rapid Eye Movies“ existiert immerhin eine deutsche DVD-Version, die man auch auf Amazon Prime Video (kostenpflichtig) anschauen kann. Heute bin ich froh, dass ich den Film geschaut habe, denn „Love Exposure“ ist der wohl interessanteste Film, den ich jemals gesehen habe.

Der Großteil der Japaner ist religiös, Christen gibt es aber nur sehr wenige. Yu Honda gehört zu dieser kleinen Gruppe und wird streng katholisch aufgezogen. Nach dem Tod seiner Mutter verschreibt sich sein Vater Tetsu Honda sogar komplett der Religion und wird Pfarrer. Da er sich immer mehr von seinem Sohn entfernt, entscheidet Yu täglich zur Beichte gehen. Da er jedoch nur selten wirklich Sünden begeht, beginnt er damit, Mädchen auf der Straße unter ihren Röcken zu fotografieren, um als Perverser sehr viele Sünden beichten zu können. Hierdurch findet Yu einige neue Freunde und beginnt noch verrücktere Dinge zu erleben. Spätestens als er verkleidet als Frau (mit dem Namen Sasori) auf das Mädchen Yoko trifft, verändert sich sein Leben noch stärker. Und als dann auch noch die „Zero Church“-Sekte auftaucht, muss Yu beweisen, dass er ein echter Held ist!

Love Exposure

Ich liebe Filme über Emotionen. Lange Zeit nannte ich „Fight Club“ meinen Lieblingsfilm, da in diesem der Hauptcharakter damit zu kämpfen hatte, nichts mehr zu fühlen. „Love Exposure“ schafft es, mich ähnlich zu begeistern. Man sieht, wie stark Yu verzweifelt versucht, Kontakt mit seinem Vater aufzunehmen und ist traurig darüber, dass es nicht so richtig funktioniert. Man stellt sich die Frage: Was würde man selbst in der Situation tun? Zusätzlich wirkt Yu durch seine streng katholische Erziehung schon abgekapselt von der restlichen japanischen Gesellschaft. Erst durch das Finden eines neuen Hobbys kann er Freunde gewinnen. In dieser Hinsicht ist Love Exposure trotz der komplexen Handlung eine Coming-of-Age Story.

Zusätzlich würde ich den Film als Liebesgeschichte beschreiben. Direkt beim ersten Treffen verliebt sich Yu in Yoko, sie hingegen hat aber nur Gefühle für Sasori. Der Zuschauer des Filmes begibt sich sofort mit in eine Gefühlsachterbahn. Auf der einen Seite freut man sich für Yu, dass er Freunde gefunden hat und sich zum ersten Mal verliebt, auf der anderen Seite ist es traurig zu sehen, dass Yoko ihn verachtet und sich nur in Sasori verliebt hat. Diese verschiedenen Gefühlsstufen sind dabei weitaus realistischer als das typische Schwarz-Weiß Denken anderer Filme. Beim Aufwachsen geschehen viele schlechte, aber auch einige gute Dinge. Erst durch diese gesamten Erfahrungen zusammen entwickelt man sich zu einem erwachsenen Menschen.

Man könnte meinen, dass ein Film, der sich mit „Tosatsu“ (das Fotografieren von Mädchen unter ihren Röcken) beschäftigt zu albern sein könnte. Ein deutscher Film mit dieser Thematik hätte sicherlich auch dieses Problem, Shion Sono schafft es aber durch die Skurrilität des Hobbies viele verschiedene Ebenen darzustellen. Natürlich entstehen hierdurch sehr witzige Szenen, man erhält aber auch einen Einblick in die Gefühlswelt von Yu und seinen Freunden. Hierdurch gibt es auch kein „Gut“ oder „Böse“ im Film: Alle Charaktere sind Menschen mit eigenen Fehlern. Gegen Ende beschäftigt sich der Film noch sehr kritisch mit einer Sekte und zeigt auch hier mehrere Seiten. Die „Antagonistin“ des Films ist kein typischer James Bond-Bösewicht, sondern hat verständliche Gründe für ihr Handeln. „Love Exposure“ spielt mit den Moralvorstellungen der Zuschauer, ohne dabei selbst den Zeigefinger zu heben.

Dieser Mix aus vielen unterschiedlichen Genres trägt dazu bei, dass der Zuschauer sich bei „Love Exposure“ nie langweilt. Der Film nutzt seine verfügbare Zeit komplett aus. Jede Szene trägt dazu bei, bestimmte Charaktere voranzubringen oder schon bekannte Handlungsstränge zusammenzuführen. Dies wird besonders durch ein wiederholtes Schauen des Filmes klar. Es ist nicht möglich, jedes einzelne Detail des Films direkt im ersten Durchgang zu verstehen, weil sich so viele unterschiedliche Szenen auf dem Bildschirm abspielen. Da man als Zuschauer selbst aber den Zusammenhang der einzelnen Szenen verstehen möchte, ist es – trotz der Länge des Films – sehr wahrscheinlich, dass man ihn sich wiederholt anschaut..

Zusätzlich sind die Bilder sowie die Musik des Films – insbesondere gemessen am Budget – atemberaubend. Extrem dynamische Actionszenen (vorwiegend gegen Ende des Films) sind mit einer orchestralen Musik hinterlegt und so begeisternd dargestellt, dass sie sich hinter keinem Hollywood-Actionstreifen verstecken müssen.

Love Exposure

Deshalb liebe ich diesen Film: Er spricht alle meine Emotionen an. Man könnte denken, dass ein 4-stündiger Film seine Längen hat, dies kann ich aber nicht bestätigen. Jede Sekunde wirkt interessant, sodass man sich nicht langweilt. Man lacht, weint, hat Angst und spürt Freude. Ich kenne kaum einen anderen Film, der es so gut schafft, alle diese Emotionen zusammen darzustellen.

Alle Fans von Coming-of-Age Geschichten, Romanzen oder generell Fans von Filmen sollten diesem Meisterwerk eine Chance geben. Von mir bekommt der Film 11 von 10 Höschen – ein absolutes Meisterwerk!


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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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