[Gastbeitrag] Manga Review: Heads

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Heads

Moin, ich bin Marco, im Internet bekannter als Luziferian, und führe seit August letzten Jahres auf WordPress den kleinen Blog Luziferians Medienecke mit dem ich auch auf Twitter zu finden bin. Dort veröffentliche ich vornehmlich Reviews zu allerhand sagen wir – in Ermangelung eines besseren Sammelbegriffs – nerdigen Themen. Das Umfasst vor allem Comics, Filme und Serien aber auch Videospiele, Manga, Anime und so weiter. Manga lese ich nur sporadisch und sehr ausgesucht. Dafür hatte ich so zwischen 2009 und 2014 eine sehr konzentrierte Animephase, in der ich mehrere hundert Serien und Filme gesehen habe. Seitdem schaue ich immer nur Phasenweise mal ein paar Anime. Meine Manga suche ich mir meist aus der Anisearch-Topliste raus. Eines meiner vielleicht eher ungewöhnlicheren Auswahlkriterien ist dabei die Länge des Werks – Je kürzer die Serie desto besser. Das hat vor allem zeitliche und finanzielle Gründe. Außerdem mag ich die ganzen endlos langen Shounenserien ohnehin nicht.

Beim Stöbern stieß ich dabei auf den in vier Bänden abgeschlossenen Psychothriller Heads. Der Manga von Autor Keigo Higashino und Zeichner Motorou Mase, den man vielleicht als Zeichner/Autor von Ikigami kennt, erschien zwischen 2006 und 2007 bei Carlsen Comics. Da der Manga leider inzwischen nicht einmal mehr auf der Seite des Verlags geführt wird, musste ich mir die vier Bände auf Ebay und Rebuy zusammensuchen. Allerdings waren alle vier Bände zu absolut fairen Preisen noch zu finden, wenn man sie nicht unbedingt sofort alle auf einmal und von heute auf morgen haben muss.

Heads

Der junge und eher schüchterne Angestellte Junichi Naruse führt ein bescheidenes Leben. Irgendwann schafft er es endlich die süße Kassiererin im Zeichenbedarfsgeschäft seines Vertrauens auf ein Date einzuladen. Alles läuft besser als er es sich vorgestellt hat. Doch als er in einem Maklerbüro nach einer gemeinsamen Wohnung suchen will gerät er in einen bewaffneten Raubüberfall. Um ein kleines Mädchen zu schützen wirft Naruse sich zwischen den schießenden Räuber und das Mädchen…

Wochen später geschieht das unfassbare und er erwacht nach einem Kopfschuss aus dem Koma. Er ist in den Medien als „A-San“ bekannt und der erste Patient der eine teilweise Gehirntransplantation überlebt hat und auch noch prächtig zu genesen scheint. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkt Naruse merkwürdige Veränderungen an seiner Persönlichkeit und in seinem Verhalten: Sein Zeichenstil ändert sich gravierend, er wird zusehends aufbrausender und findet plötzlich gefallen an Musik, die ihm bisher egal war. Was ist nach dem Unfall wirklich mit ihm geschehen? Als er beginnt dieser Frage nachzugehen dringt er immer weiter in ein Netz aus Lügen und Betrug vor…

Heads

Der Manga beginnt ganz klassisch mit der Einführung des Hauptcharakters Junichi Naruse. Die Charakterisierung als schüchterner, unscheinbarer und sehr zurückhaltender junger Mann, der in seiner Freizeit Blumen malt und sich zu Beginn der Story das erste Mal verliebt, ist aus zweierlei Gründen wichtig: Zum einen stellt es den Charakter positiv und sympathisch dar, was es dem Leser erleichtert sich in ihn hineinzuversetzen und Empathie für ihn zu entwickeln. Und zum anderen ist es wichtig für die Story. Denn als Junichi nach der schweren Kopfverletzung aus dem Koma erwacht und sich nach und nach Veränderungen seiner Persönlichkeit einstellen dient der Beginn der Geschichte als Referenz für seine ursprünglichen Charaktereigenschaften und seine Persönlichkeit. Durch den so deutlich hervorgehobenen Kontrast erscheint seine Entwicklung umso drastischer. Das funktionierte auch ausgezeichnet und sorgt neben Naruses Ermittlungen für die Spannung des Manga.

Außer Junichi gibt es eine ganze Reihe von immer wieder auftauchenden Nebenfiguren, die alle ihren Teil zur Story beitragen. Als Er Stück für Stück seinem Schicksal auf die Schliche kommt findet er unter den Nebenfiguren immer wieder neue Verbündete aber auch Feinde. Wem er dabei jedoch wirklich vertrauen kann ist niemals völlig sicher. So entwickelt er zusehends eine gewisse Paranoia, die sogar seine Freundin Megumi nicht von Verdächtigungen ausnimmt. Das führt zusehends zu Instabilität in der Beziehung der beiden, was auch Junichis letzten sicheren Hafen allmälich zerstört. Das passt hervorragend zum ziemlich pessimistischen Grundton im fortgeschrittenen Verlauf der Serie.

Heads

Rückblickend wirken einige Szenen der ersten Kapitel vor dem Unfall dadurch im Vergleich aber gerade kitschig und etwas zu leichtherzig. Das lässt sich jedoch verschmerzen, da die Fallhöhe des Protagonisten dadurch größer ist. Um spoilerfrei zu bleiben werde ich aber nun nicht näher auf die Charaktere und die Story eingehen, weil dies das Lesevergnügen eindeutig schmälern würde. Ich kann jedoch sagen, dass die Story bis zum Schluss durchweg spannend ist und sich alles sinnvoll zusammenfügt. Besonders das Ende gefiel mir als Konsequenz aus allem was in den vier Bänden geschehen ist sehr gut und fühlt sich sehr rund an. Es ist vielleicht das einzig angemessene Ende des Falles Junichi Naruse.

Die Coverartworks und die äußere Gestaltung der Manga an sich sind auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär. Ein unscheinbares aber sehr schönes Detail sind jedoch die geprägten Titel auf den Covern, welche die Bücher vor allem haptisch aufwerten. Der Stil von Zeichner Matorou Mase ist eher realistisch gehalten und weniger überzeichnet als man es von vielen anderen Manga kennt. Stehen die Charaktere oder ihre Bewegungen im Vordergrund eines Panels sind die Bilder teils sehr reduziert und haben einen komplett weißen oder schwarzen Hintergrund. In anderen Panels wiederum sind sie Umgebungen und Hintergründe enorm detailliert. Besonders die Detail- und Übersichtsbilder, die jeden Ortswechsel einleiten sehen fast grob nachgezeichnete Fotos aus. Das scheint Teil von Mases typischem Stil zu sein, denn das fiel mir bereits bei Ikigami auf. Mir ganz persönlich gefällt der Zeichenstil sehr gut und er passt ausgezeichnet zur eher düsteren Geschichte.

Heads

Heads ist ein wirklich spannender Psychothriller und eine recht glaubwürdige Charakterstudio eines arg vom Schicksal gebeutelten einst netten jungen Mannes. Der tiefe Fall des Protagonisten, die vielen Wendungen und unerwarteten Verbündeten aber auch Feinde können über die ungefähre Lesedauer von vier bis fünf Stunden absolut fesseln und unterhalten. Wie es sich für ein guten Seinen Drama beziehungsweise einen Thriller gehört ist der Ton der Serie dabei recht düster und pessimistisch. Als nette leichte Lektüre für zwischendurch ist der Manga so weniger geeignet, aber wenn man sich drauf einlässt bekommt man einen wirklich guten Thriller geboten, dem ich eine 8 von 10 gebe. In meinen Augen lohnt es sich wirklich ein bisschen Zeit zu investieren um die vier Bände gebraucht zusammenzubekommen.


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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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