[Gastbeitrag] Serien Review: Nashville

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Nashville

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Als Musiklieber und Serienfans gab es für mich zuletzt eine Serie, die mich so richtig fesseln konnte. Und von diesem wunderschönen Werk möchte ich euch heute mal berichten. Also lange Rede kurzer Sinn. Ich philosophiere nun mal ein wenig über das ABC Drama Nashville…

Nashville handelt von einer Reihe fiktiver Country Sänger, die sich durch die harte Musikwelt kämpfen und dabei versuchen privates vom öffentlichen Leben zu trennen. Ein Blick hinter die Kulissen der aalglatten Konzert-Tourneen und so schmuckhaft präsentierten Lebensweisen. Die zwei Hauptpersonen dieser Geschichte sind die legendäre Country Sängerin Rayna James, die nach schleppenden CD Verkäufen vom Label dazu gebracht wird mit dem Nachwuchstalent Juliette Barnes auf Tour zu gehen. Dass dies mit der zickigen Blonde nicht leicht ist, merkt Rayna schnell, doch schließlich will sie ihren Platz im Country nicht aufgeben und muss für ihre Töchter den Familiennamen aufrechterhalten.

“It’s kind of an alt-country punk, but more cerebral.”

Ein einziger Satz reichte aus, um mir Nashville schmackhaft zu machen. Mit dieser unmöglichen Formulierung beschreibt Avery Barkley in der Pilot-Episode nämlich seine Kunst. Als jemand, der in seiner Jugend selbst Punkrock gehört hat, musste ich grinsen, als Avery mit diesem leicht ironischen Satz um die Ecke kam, ohne es selbst als Scherz zu meinen. Der selbstbewusste Überflieger Avery Barkley, der seine Musik für das Nonplusultra hält, ist hierbei auch nur einer von vielen fantastisch geschriebenen Persönlichkeiten, die Nashville so einzigartig machen. Natürlich folgte in dieser Szene auch direkt die sarkastische Antwort vom alternden Country Star Deacon Claybourne, der Avery’s Spruch mit “You know, Punk here is code for can’t play on?” erwiderte.

Nashville zeigt sich hierbei als ein Drama, das sehr viel Wert darauf legt hinter die Charaktere zu blicken. Schon früh schickt euch die Serie deshalb in die Gefühlswelt der Personen, die hinter dem Makeup und der glücklichen Fassade stecken. Wir haben hier z.B. die zuvor erwähnte Country Queen Rayna James, die sich privat mit ihrem stinkreichen Vater und Ekel Lamar Wyatt herumschlagen muss, und sich nebenbei Gedanken um den traditionellen Country Sound macht. Denn neuerdings scheint sich in der Country Musik ein Umschwung anzudeuten. Die Menschen möchten poppige Töne und prunkvolle Tanzschows, nicht die einsam auf der Bühne verharrenden Musiker, die noch mit Klampfe den Saal berauschen. Ein Sinnbild für die aktuelle Lage im gesamten Musik- Business. Stellvertretend für diesen Wandel steht die junge Sängerin Juliette Barnes, die sich im Rampenlicht suhlt und der neue Star am Country Himmel ist. Ihr liegt die Musikwelt zu Füßen. Hinter der glücklichen Fassade steckt jedoch eine ziemlich zerrissene Person, die mit aller Macht versucht ihre schlimme Vergangenheit zu verdrängen. Juliette ist wohl auch deshalb der spannendste Charakter. Es macht einfach unheimlich viel Spaß der zickigen Blondine als Zuschauer zu folgen und mit anzusehen, was der Country Star als nächstes anstellt. Einmal unsympathische Diva, dann Spaßvogel und schließlich der traurigste Charakter, der sich finden lässt. Hayden Panettiere liefert als Juliette Barnes eine spitzen Show ab und trägt das Musikdrama fast im Alleingang. Würde da nicht noch der restliche Cast in die Bresche springen und rufen “Hey, wir sind auch noch da!”. Mit Charles Esten, Clare Bowen, Connie Britton, Sam Palladio, Chris Carmack und Jonathan Jackson hat AMC hier nämlich eine Riege an Schauspielern zusammengestellt, die ihre Rollen nicht nur außerordentlich gut verkörpern, sondern auch zu jederzeit mit musikalischen Talent glänzen.

Doch es ist nicht das gute Acting oder die Musik, die Nashville für mich so fantastisch machen. Es ist vielmehr dem Können geschuldet aus einfachen Geschichten so unfassbar viel herauszuholen. Nashville hat mir einige der besten Storylines geliefert, die ich bisher in Drama Serien gesehen habe. Themen wie Hass-Posts in sozialen Medien, Tablettensucht, Homophobie und Rassenhass werden hier intelligent aufgearbeitet. Das Drehbuch von Callie Khouri gibt den Schauspielern dabei auch genügend Freiraum, um die Persönlichkeiten der Musiker gut zu entfalten. Das Besondere an Nashville ist schließlich auch, dass die einzelnen Geschichten nicht nur über die gesprochenen Dialoge, sondern auch über die Lyrics der Songs transportiert werden. Wenn z.B. der Musiker Will, der sich seine sexuelle Orientierung nicht eingestehen will, in seinem Zimmer die Lyrics “Staring at my shadow, for way too long. If I never did nothing then nothing could go wrong” singt, zeugt dies von einer unfassbar intelligenten Erzählweise. Ähnliches zeigt sich auch bei Scarlett O’Connor’s Solo-Auftritt, den sie ihrer Rabenmutter widmet. Hier trällert sie am Klavier die Noten “You can throw your words, sharper than a knife. And leave me cold in another house on fire” und kehrt damit ihr Inneres nach außen. Wie Clare Bowen hier als Scarlett O’ Connor diese Szene vermittelt, ist auch ganz große Schauspielkunst. Man merkt an jeder Regung wie sehr die gesungenen Zeilen schmerzen. Auf diesem Wege schafft es Nashville einzig durch Musik eine Charaktertiefe aufzubauen, die man so selten in Drama Serien verspürt. Hierzu muss man auch kein Liebhaber von Country oder Singer/Songwriter Musik sein. Es genügt sich einfach emotional auf das Erlebnis einzulassen und die Texte zu interpretieren.

Ihr habt es vermutlich bemerkt. Ich liebe Nashville! Ich liebe die Musik und ich mag auch die Schauspieler. Allen voran Clare Bowen, die auf liebenswerte Art einen tollen Charakter verkörpert. Für mich ist Nashville deshalb ein unterschätztes Juwel in der heutigen Fernsehlandschaft, die geprägt ist von brutalen Schlachtengetümmel und actionreichen Kamerafahrten. Eine langsam erzählte Serie voller Melancholie, die es schafft auf bemerkenswerte Weise und auf musikalischen Wege in seinen Bann zu ziehen. Mit Sicherheit wird sich nicht jeder gleichermaßen von der Serie angesprochen fühlen, doch die hohe Qualität kann man nicht absprechen. Nashville hat mich tatsächlich auch wieder dazu gebracht nach längerem mal wieder meine Semi-Acoustic von der Wand zu nehmen und ein paar Songs zu klimpern. Eine Leidenschaft für Musik hatte ich schon immer, doch Nashville hat sie neu entfacht. Schöne Sache. Ach, und falls ihr mal ohne Serienkenntnis einen Eindruck von den dramatischen Musik- Szenen haben möchtet, sucht bei Youtube nach dem Stichwort “Nashville: It Ain’t Yours to Throw Away”, hochgeladen von der ABC Music Lounge. Hiermit erhaltet ihr einen schönen Eindruck davon wie die Produzenten mit Hilfe von Musik arbeiten und wie stark Szenen durch gute Songschreiber profitieren. Ich vergebe Nashville für seine kreative Ader daher 10 von 10 Punkten.



Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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2 Antworten

  1. Melanie sagt:

    Hallo Julian!
    Oh, ich liebe “Nashville” auch!
    Wenn ich erstmal anfange zu schauen, kann ich gar nicht mehr aufhören.
    Einfach eine tolle Serie!
    Liebe Grüße sendet Melli

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