Anime Review: Kare Kano

Eigentlich wollte ich die Review gerne mit den Worten “Ich mag den Anime, aber…” beginnen. Da das aber zu wenig ist hole ich etwas aus. Ich war eine von denen, die die Daisuki bei ihrer Veröffentlichung in Deutschland von Anfang an gekauft und gelesen hat. Der Manga von Kare Kano ist dort ebenfalls enthalten gewesen und dadurch bin ich darauf aufmerksam geworden. Als die Daisuki allerdings eingestellt wurde, war das Interesse nicht groß genug, dass ich den Manga weiter verfolgt habe. Der Anime hat jedoch vor Jahren schon mein Interesse erweckt, ich kam nur nicht an die DVDs ran. Daher bin ich nun sehr froh und glücklich, dass Nipponart den Anime als Gesamtbox herausgebracht hat. Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, damit ich schauen konnte, ob mir der Anime gefällt. Oder was mir nicht gefällt.

© 1998 M.TSUDA·HAKUSENSHA/GAINAX·KAREKANO-DAN·TV TOKYO·MEDIANET

Könnt ihr euch noch an eure erste Liebe erinnern? Yukino und Arima erleben diese. Sie treffen in der Oberschule aufeinander. Yukino ist die Musterschülerin schlechthin und Arima ist in einigen Bereichen sogar noch besser als sie – das kann sie nicht auf sich sitzen lassen. Yukino hat es sich zum Ziel gemacht, die Anerkennung von anderen zu bekommen – koste es, was es wolle. Dafür verleugnet sie in der Schule sogar ihren wahren Charakter. Zu Hause verhält sie sich aber ihrem Charakter entsprechend und zieht sich auch so an. Das passt natürlich ganz und gar nicht zu dem Bild, dass Yukino nach außen Verkörpern möchte. Und dann taucht auch noch Arima unangekündigt bei ihr zu Hause auf und entdeckt ihr Geheimnis.

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Der Anfang des Animes war soo verdammt gut. Ich war nicht nur von der Story direkt schon hin und weg. Auch von der Art des Animes her war ich begeistert. Er ist von vornherein anders, als andere Animes. Das Pacing ist komplett anders, es werden Szenen und Bilder aus dem Manga eingearbeitet, der Anime arbeitet sehr viel mit Text und auch oft mit der Chibi Darstellung der Charaktere. Für mich persönlich war nicht nur die Story interessant, auch Yukino und Arima fand ich sofort sympathisch und auch die Geschichte, wie sie sich kennen gelernt haben. Der Anfang war geprägt von Humor und Satire. Er hat sich in meinen Augen nicht nur nicht selbst ernstgenommen, sondern auch bis zu einem gewissen Grad generell Shoujo Animes auf die Schippe genommen. Genau das gefiel mir richtig, richtig gut. Doch dann veränderte sich der Anime. Und hat mir genau das genommen, was ich gut fand.

Der Anime war eigentlich von Anfang an schon zum Scheitern verurteilt. Bis zur 18. Episode war Hideaki Anno der Regisseur des Animes. Er war ebenfalls schon Regisseur bei dem anderen GAINAX Anime Neon Genesis Evangelion. Ich mochte die Art, wie er die Geschichte erzählte sehr. Der Fokus des Animes lag auf den Charakteren und auch auf dem Humor. Das gefiel der Mangaka des Originalwerks jedoch nicht. Sie wollte eine ausgeglichene Umsetzung der Liebesgeschichte und des Humors. Wegen künstlerischen Differenzen verließ Hideaki Anno dann verfrüht das sinkende Schiff. Sein Assistent hat versucht zu retten, was zu retten war. In meinen Augen jedoch vergeblich. Es gab sogar eine Folge in diesem Anime, die komplett nur aus Videoaufnahmen und animierten Papierschnipseln bestanden ist, wie ein Puppentheater. Ich habe diese Hintergründe mehrfach im Internet recherchiert und bin auf verschiedenen Seiten auf dasselbe Ergebnis gekommen. Das ist jedoch für mich genau die richtige Erklärung, was bei dem Anime eigentlich schief gelaufen ist.

Ich fand es zwar generell während des kompletten Animes schon nervig, dass es unfassbar lange Rückblenden gab. Teilweise wurde in der Mitte die komplette bisherige Story nochmal erzählt. Das sorgte dafür, dass sich einige Folgen sehr stark wie Kaugummi angefühlt haben, das war für mich als Zuschauerin sehr unangenehm. Klar, ich habe die Folgen auch am Stück gesehen und als der Anime damals 1998 im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, kam natürlich nur eine Folge am Tag. Dennoch finde ich, dass es kein Anime der Welt braucht, dass man teilweise die komplette Story nochmal erzählt. Das hat dem Anime kostbare Screentime genommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Anime ein Meisterwerk geworden wäre, wenn man ihn auf 12 Folgen begrenzt hätte. Aber so hatten wir leider 26 Folgen die zur Hälfe aus sehr gutem Content bestand und zur anderen Hälfte aus unnötigen Wiederholungen.

Man hat dennoch gemerkt, wie viel Mühe sich mit dem Anime gegeben wurde. Das Opening war immer gleich und hatte ein tolles Lied. Das Ending gefiel mir von der Musik her schon etwas weniger, jedoch war es jedes Mal unfassbar interessant. Vom visuellen Aspekt her wurde nämlich jedes Ending etwas anderes gezeigt und es waren meistens Videoaufnahmen. Beispielsweise von dem Innenleben einer Schule. Mal war es der Flur, mal war es ein Musikzimmer. Einmal wurde auch das komplette Ending eine Katze gefilmt. Dieses Stilmittel fand ich unfassbar interessant und daran hat man gemerkt, wie viel Mühe sich doch gegeben wurde. Ich habe auch gelesen, dass Hideaki Anno sogar Interviews mit Schülerinnen gehalten hat oder generell japanische Schulen besucht hat um den Anime zu bereichern. Hut ab.

Was ich dem Anime auch hoch anrechen muss, ist die Vorschau auf die nächste Folge. Diese bestand in der Regel aus einer kurzen Sequenz mit zwei bis drei Synchronsprecherinnen. Im deutschen wurden hier die Stimmen der beiden Schwestern von Yukino eingesetzt. Ich finde das eine richtig coole Idee und mal eine ganz andere Form der Vorschau auf die nächste Folge. Gerne mehr davon in Zukunft.

Es gab während des Animes auch andere Fokusse, nicht nur die auf den Hauptcharakteren. Es wurden auch ihre beiden Familien sehr intensiv beleuchtet und auch die wichtigsten Nebencharaktere haben längere Screentime bekommen. Ich muss jedoch gestehen, dass mich am meisten doch nur die Liebesgeschichte der beiden begeistern konnte. Die anderen Geschichten waren eher so ein Fall von “Kann man ansehen, muss man aber nicht”.

Was ich an dem Anime aber auch noch lobenswert erwähnen muss: die Synchronsprecher! Oh mein Gott, ich glaube, hier war ungefähr die Hälfte meiner deutschen Lieblings-Synchronsprecher vertreten! Allen voran Giuliana Jakobeit und Tobias Müller. Die beiden sind auch bekannt als die Synchronsprecher von Ran Mori und Shinichi Kudo bzw. Conan Edogawa aus Detektiv Conan. Während Tobias Müller einem Nebencharakter die Stimme verlieh, der erst sehr spät auftauchte, übernahm Giuliana Jakobeit eine von den Feindinnen von Yukino. Ich höre die beiden unfassbar gerne. Aber auch die anderen Stimmen kamen mir fast alle sehr bekannt vor und klangen wie Musik in meinen Ohren. Alle konnten die Gefühle der Charaktere verdammt gut umsetzen und gerade auch die charakteristischen Unterschiede von Yukino wurden sehr gut dargestellt. Hier hat man in meinen Augen das Herzblut der Synchronsprecher rausgehört und so muss das auch sein finde ich.

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Seufz… Was mit grandioser Comedy beginnt, endet in der Bedeutungslosigkeit… tut mir echt leid, dass ich hier so harte Worte nutzen muss. Nach der ersten Folge war ich durchaus amüsiert und herausragend unterhalten. Ich war verwirrt und erheitert aufgrund der Selbstironie, die die Serie an den Tag legte. Das ganze hielt sich dann auch die ersten paar Folgen. Aber dann begann die Wiederholung. Die ewige Wiederholung. Ich bekomme hier schon Endless Eight Flashbacks und das, obwohl ich Endless Eight nie gesehen habe….

Aber ich will gar nicht so viel über die Serie schimpfen, gab es doch so viel Probleme bei der Produktion und ich persönlich halte die ganze Sache mit der ständigen Wiederholung für eine sarkastische Trotzreaktion des Regisseurs. Aber die Serie hat ja durchaus auch gute Seiten… zumindest dann, wenn sie den tatsächlich mal Inhalt vorweist. Zum Beispiel fand ich es wirklich gut und selten, dass wir hier tatsächlich mal ein Paar präsentiert bekommen. In den meisten Anime geht es ja darum, wie die Charaktere zusammen kommen, nicht wie sie ihre Beziehung aufrecht halten. Das war sehr gut.

Auch die von Mia bereits angesprochene Synchronsprecher die dieser Serie ihre Stimmen geliehen haben, haben die Serie echt aufgewertet. Das stilistische Mittel diverser Folgen, fand ich auf sarkastisch provokanter Ebene ja durchaus lustig. Wie etwa die Papierfetzen Folge oder aber die Manga Folge, die im deutschen von den zwei Erzählern vertont wurde und wie ein Voice-over für Hörgeschädigte wirkte. Allerdings birgt jedes Licht auch immer Schatten und dieser Anime hatte einfach zu viel davon.

Ohne die ständigen Wiederholungen, hätte man die Serie auch in 10-12 Folgen abschließen können und sie wäre dann vielleicht sogar gut gewesen. Dazu fand ich es schade, dass Yukino ihr Schauspiel so schnell aufgegeben hat. Das wäre sicherlich noch lustig gewesen, das noch etwas aus zu reizen. Ebenso waren die Untertitel ab der 3. DVD irgendwie total off. Teilweise waren sie schwarz und nicht lesbar und manchmal haben sie einfach gefehlt. Wenn man gar kein Japanisch kann ist es dann sehr schwer, zu folgen.

Abschließend kann ich nur sagen, das die Serie zu beginn unglaubliches Potenzial hat, das sie durch ihre Dauer und die Produktionsprobleme leider vollkommen verworfen hat. Schade eigentlich…

© 1998 M.TSUDA·HAKUSENSHA/GAINAX·KAREKANO-DAN·TV TOKYO·MEDIANET

Obwohl also aus den genannten Gründen die letzten paar Folgen für mich eine Qual waren, werde ich den Anime dennoch mit guten Gedanken in Erinnerung behalten. Die Liebesgeschichte der beiden Hauptcharaktere wurde richtig schön dargestellt. Mit der Darstellung ihrer Gefühle durch Text und das Vertonen von Gedanken. Zum richtigen Zeitpunkt das Einsetzen von Chibi Charakteren, um die Gefühle zu verstärken. Wundervoll. Genau mein Ding. Wäre der Anime komplett so gewesen und ohne die negativen Punkte, dann wäre es für mich wirklich eine 1A Liebesgeschichte gewesen. Wenn ich das Gesamtwerk bewerten muss… Da kann ich nur jedem ans Herz legen, sich selbst zu überlegen, ob er mit den Qualitätseinbrüchen Leben kann. Ich würde allerdings schon sagen, dass es sich lohnt. Man sollte sich jedoch seelisch darauf vorbereiten und darf nicht davon enttäuscht werden, dass der Anime ein sehr offenes und unbefriedigendes Ende bzw. letztes Drittel hat. Trotz allem bekommt der Anime 6 von 10 von seinen und ihren Geheimnissen.

Eure


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4 Antworten

  1. hellspawn2501 sagt:

    Es wundert mich echt das ausgerechnet Kare Kano eine Neuauflage bekommt. Ich hab die damaligen DVD mir gekauft, mit denen Carlsen versuchte in die Animesparte einzusteigen. Das es ihr einziges Projekt blieb, läßt wohl tief blicken. Mochte ich die Serie auch noch anfangs, ging mir diese ständige Handlungswiederholung dermassen auf den Keks bald, das ich echt die Lust verlor den Anime zu schauen. Auch das man sich von der lustigen seite zurückzog konnte keine Begeisterung bei mir auslösen. Besonders schlimm empfand ich auch später sowas wie die “Mangafolge”.
    Wie gesagt verwundert mich diese Neuauflage sehr. Da gab es damals bessere Sachen, die man hätte wieder neu auflegen können.

    • Fuma sagt:

      Die Wege von Nipponart sind unergründlich… ja es gibt einiges das eher eine Neuauflage verdient hätte, aber Nipponart hat sich eben für diese Serie entschieden… Man steckt halt nicht drin, was?^^

      • Mia sagt:

        Ich hab mir einige Reviews und Meinungen zu Kare Kano durchgelesen und es ist unfassbar, aber einige scheinen sich an diesen Dingen nicht gestört zu haben. Freut mich für den Anime ^^ Viele sehen es trotz allem als Meisterwerk an, da gehen die Meinungen halt auseinander würde ich mal sagen ^^ Aber lustig, dass du es genau so siehst wie wir Hellspawn xD

        • hellspawn2501 sagt:

          Es ist auch lustig das mir vom Anime hauptsächlich sein Hang zum Wiederholen der Geschichte in Erinnerung geblieben ist, nach all der Zeit. Die Veröffentlichung durch Carlsen liegt ja schon einige Jahre zurück. Schon damals hatte ich mich gefragt, ob in Japan grad Alzheimer weit verbreitet wäre, das man immer und immer wieder vorkauen muß worum es überhaupt geht. ^^”

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