Zu Besuch bei KSM Anime – Interview Teil 1

KSM Anime

Am 03. November waren wir bei KSM Anime zu Besuch. Die Presseabteilung, bestehend aus Erik und Aylin, haben uns in Wiesbaden mit offenen Armen empfangen und sich mutig unseren Fragen gestellt. Und die Antworten möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten. Da das Interview sehr ausführlich war und KSM sich dafür 1 1/2 Stunden Zeit genommen hat, möchten wir die tollen Informationen auch an euch weitergeben. Da der Inhalt für einen Beitrag zu viel wäre, wird das Interview daher in 3 Teile aufgeteilt und an drei aufeinander folgenden Tagen gepostet.

Wir teilen euch die wichtigsten Stellen aus dem Interview so originalgetreu wie möglich mit, allerdings tippen wir nicht jedes Wort ab.  Aufgrund der Menge des Textes haben wir ein paar Stellen kürzen müssen, die wichtigsten Informationen geben wir euch aber natürlich mit auf den Weg. Das Interview  ist perfekt für alle Anime Fans, die gerne mal hinter die Kulissen bei einem Anime Publisher schauen und natürlich KSM Anime besser kennenlernen möchten.

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Zuerst einmal – wie kam das Treffen überhaupt zu Stande? Wir haben auf der Dokomi 2017 und Connichi 2017 mit Erik gequatscht. Da wir wussten, dass die Büroräume von KSM Anime in Wiesbaden sind und wir in Mainz wohnen, sprich direkt nebenan, wurde uns angeboten, doch mal in ihren Büroräumen vorbei zu schauen. Gesagt, getan, also haben wir einen Termin vereinbart und endlich war es im November auch so weit.

Da es unser erstes Interview war und dieses auch einen großen Umfang hatte, hat das Niederschreiben und bearbeiten des Interviews doch länger gedauert als gedacht. Dennoch sind die Angaben noch auf dem aktuellen Stand.

Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, die Büroräume und Schreibtische derjenigen zu sehen, die sich darum kümmern, dass wir immer gut mit Animes versorgt sind. Dieses “Hinter die Kulissen” schauen ist oft sehr interessant und natürlich haben wir auch versucht, für euch interessante Fragen zu stellen. Hier also nun der erste Teil unserer Fragen und die Antworten von Erik von KSM Anime:

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Frage von Fuma

Meine erste Frage dreht sich um den Fokus von KSM auf Anime im Vergleich zu Realfilmen in den letzten Jahren – fiel diese Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen oder war es mehr aus Leidenschaft?

Antwort von Erik

Das ist recht einfach zu beantworten: der Markt hat es hergegeben. Die Fokussierung war also eine wirtschaftliche Entscheidung. Das Thema war aber Neuland und so hatte man noch nicht wirklich das Personal dazu. Im Jahr 2013 starteten wir mit Naruto durch, das war eigentlich auch das erste richtige Franchise, welches wir im Bereich Anime hatten. Dann wurde es langsam aber sicher mehr. Mit Full Metal Alchemist hatten wir die zweite Serie, die bei den Fans richtig gut ankam.

Wie bereits erwähnt, kommt die KSM eigentlich aus einem ganz anderen Bereich, da wir aber durch diese zwei Serien gesehen haben, dass der Markt sich gut entwickelt und wir durchaus konkurrieren können, wagten wir den Schritt. Dass wir überhaupt konkurrenzfähig sind, war keine Selbstverständlichkeit. Immerhin gab es zu dem Zeitpunkt schon einige etablierte Publisher wie Kazé und peppermint anime. Da diese schon einiges an Erfahrung sammeln konnten war es ein schwieriger Weg, aber ich denke, wir haben uns mittlerweile relativ gut positioniert.

Vor allem natürlich im Vergleich zu den anderen Publishern können wir stolz sein den 2. Platz hinter Kazé zu belegen, was die Marktanteile angeht. Unsere Fokussierung auf Anime ist dahingehend noch mal extrem angestiegen. Somit liegt der Anteil an Anime bei ungefähr 60-70% unseres Gesamtumsatzes. Das ist nicht gerade wenig, allerdings haben wir nicht vor, unseren Fokus komplett auf Anime zu legen.

Mit den Realfilmen haben wir immer noch Themen, die uns wichtig sind und uns auch gut gefallen. Daher möchten wir diese natürlich nicht vernachlässigen. Im Moment fahren wir gut damit. Warten wir einfach mal ab, was die nächsten Jahre noch so mit sich bringen.

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Frage von Fuma

Kommen wir zum nächsten Thema – Wie sieht die Anime-Leidenschaft bei euch beiden direkt aus? Seid ihr selbst auch Anime-Fans?

Antwort von Erik

Ich war natürlich auch einer der Jugendlichen, die in den 2000er Jahren verschiedene Anime im Fernseher gesehen haben. Allen voran die RTL2 Serien wie Digimon, Pokémon und natürlich Dragonball. Letzteres habe ich total gesuchtet. Später kamen dann auch die VOX Anime Nights und Viva hinzu, durch die ich u. a. Animes wie Vision of Escaflowne und Neon Genesis Evangelion geschaut habe. Auch so einen Schwachsinn wie Golden Boy fand ich ziemlich gut, da war man halt noch 14. Irgendwann habe ich dann überhaupt nicht mehr geguckt, sogar jahrelang.

Anime sind dann ja auch fast vollkommen aus der Öffentlichkeit verschwunden. Die geplatzte Anime Blase führte auch zum Konkurs diverser Publisher und mit 14-15 Jahren kauft man oft keine DVD´s, da das nötige Taschengeld für solche Anschaffungen fehlt. Wie sagt man so schön? Aus den Augen aus dem Sinn. Erst als ich hier bei der KSM anfing tat sich diese Welt erneut vor mir auf. Aber ich bin jetzt auch keiner der Anime-Fans, der sich in der Animewelt verliert.

Ich gucke aber trotzdem mittlerweile ein paar Animes, gerade auch unsere Titel, damit ich auch mitreden kann, wenn ich etwas gefragt werde. Privat beschäftige ich mich nicht unbedingt damit, da interessiere ich mich deutlich stärker für die Industrie im Hintergrund: Ich lese viel darüber.

Bei einem anderen Interview für eine Bachelorarbeit habe ich mich nochmal viel zum Thema Fansubs eingelesen. Das macht mir viel Spaß – zu entdecken wie die Hintergründe und Zusammenhänge sind, weil es eine sehr spannende Industrie mit starken Eigenheiten ist.

Antwort von Aylin

Ich bin auch mit Anime groß geworden. Den Anfang bildete natürlich RTL2 mit Serien wie Pokémon, Sailor Moon – und dann habe ich auch viele andere Animes geguckt, die es zu diesem Zeitpunkt im Fernsehen gab. Mich haben Anime bisher mein ganzes Leben lang begleitet. Ich selbst schaue in meiner Freizeit sehr gerne Animes an. Das sind dann nicht nur unsere Titel, sondern auch andere wie z. B. Attack on Titan oder The Ancient Magus Bride. Ich bin sozusagen voller Eifer dabei.

Kommentar von Fuma

Ich weiß wovon ihr sprecht, ich bin ja ungefähr in der gleichen Zeit groß geworden. Bei meinem damaligen Freundeskreis war der ein oder andere dabei, bei dem es ähnlich war wie bei dir, Erik.

Antwort von Erik

Man verlagert in dem Alter nunmal die Interessen. Ich habe in Bands gespielt und eher mein Instrument geübt, als Fernsehen zu gucken.

Anime ist ein Hobby, wie jedes andere auch – aber
ein sehr Zeitintensives. Zumindest wenn man es halbwegs „ernsthaft“ betreiben
möchte. Filme sind da eher vergleichbar mit Musik: Du brauchst eine Zeitspanne um
das zu konsumieren. Bei Filmen oder Musik ist diese Zeitspanne deutlich flexibler im Vergleich zu Anime. Wenn ich mir ein Album anhöre, brauche ich meine 45-60 Minuten. Für einen Anime brauche ich zwar die gleiche Zeit, aber man kann schließlich nicht nur für 10 Minuten Anime zwischendurch gucken, das funktioniert nicht.

Die 20 Minuten-Episoden sind zwar etwas kürzer, aber Binge-Watching sei Dank, schaut man sechs Folgen oder mehr und schon ist der Tag wieder vorbei. Man braucht einfach viel mehr Zeit dafür. Ich bin immer wieder erstaunt wenn ich sehe was manche Benutzer alles auf My Anime List so eingetragen haben. Auch zu Thobias, der vorher hier gearbeitet hat, habe ich nur gemeint: „Du kennst aber echt alles!“ Schlafen diese Leute alle nicht? Ich kann es mir einfach nicht erklären, finde es aber sehr erstaunlich.

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Frage von Fuma

Anime sind in der Tat sehr Zeitaufwendig. Mir fällt das auch immer schwer, da ich mit den Games und den vielen guten Light Novels auch unter Zeitarmut leide. Da ihr ja ohnehin auch Filme im Sortiment habt, dreht sich meine nächste Frage genau darum: Habt ihr Pläne im Bezug auf Live Action Filme?

Antwort von Erik

Mir ist aufgefallen, dass in letzter Zeit sehr viele Live Action Adaptionen erscheinen. Death Note ist das populärste Beispiel im Moment, der hat ziemlich große Wellen geschlagen, ob positiv oder negativ. Der Film hat dadurch sehr stark polarisiert und einen großen Medienwirbel erzeugt. Er dürfte es an einem Tag sogar in die Twitter Trends auf Platz 1 geschafft haben: “Netflix hat Death Note gekillt”.

Ich habe mir diesen neuen Death Note Realfilm auch angesehen und fand ihn in Ordnung. Natürlich war er jetzt nicht gerade das Beste was ich jemals gesehen habe, aber auch bei weitem nicht so miserabel wie es manche Hater dargestellt haben. Es gibt halt einfach Meinungen, die muss man akzeptieren.

Wir haben mit dem Gintama Live Action Film nächstes Jahr den ersten Anwärter in unseren Reihen, diesen haben wir in der AnimaniA und im Newsletter schon angekündigt. Hier hat es sich angeboten, schließlich haben wir von Gintama bereits die Filme und die Serie. Wir müssen aber schauen, wie gut das Ganze läuft, bisher haben wir da leider noch zu wenig Erfahrungen sammeln können.

Ich hatte letztes Jahr die Veröffentlichung der Attack on Titan Live Action Adaption verfolgt. Jedoch kenne ich die Zahlen dazu nicht, gehört schließlich zu einem anderen Unternehmen. Aber ich hatte das Gefühl, dass es nicht so gut gelaufen ist. Das ist zumindest mein Gefühl, eine Begründung habe ich dafür nicht.

Es kann durchaus an dem ganzen Hate liegen, den ich im Vorfeld gelesen habe: “Miese Animation, was soll der Scheiß, warum nur Asiaten, obwohl es eigentlich Deutsche sind?!” Und bei anderen Sachen wie Ghost in the Shell sagen sie dann: “Warum White Washing? Warum werden Westliche besetzt und keine Asiaten?!” Ich beobachte das.

Ein kleiner Exkurs über die Hate-Kultur im Internet:

Es sind nicht so extrem viele Hater, wie es den Anschein hat. Man denkt, jeder hasst das Produkt, obwohl es nur 20 Leute sind, die diese Meinung vertreten. Aber die 5000, die es nicht interessiert oder die Besetzung sogar gut finden, schreiben halt nichts dazu im Internet. Dafür schreien die genannten 20 Hater umso lauter. Im schlimmsten Fall sind das dann Influencer oder Meinungsführer, die die Masse derart stark beeinflussen, dass die Community mit ihnen sympathisiert und genauso beginnt auf dem Titel rumzuhacken. Bei Attack on Titan hatte ich genau das Gefühl; von der Wahrnehmung her waren die lauten Stimmen zu negativ. Ich habe die Filme nur ausschnittsweise gesehen,
da sie mich nicht direkt interessiert haben. Den Anime fand ich ziemlich gut,
aber ich hatte nicht das Bedürfnis, mir die Live Action dazu anzugucken.

Ende des Exkurses

Um also nochmal zur Grundfrage zurück zu kommen, uns fehlt aktuell noch die Erfahrung mit Live Action Adaptionen. Somit kann ich hierzu aktuell noch nicht viel sagen. Wir können nicht immer nur darauf gucken was beliebt ist und was die Leute sich wünschen. Denn letztendlich muss sich das Ganze für uns Lohnen, nur so können wir auch weiterhin Neue Lizenzen nach Deutschland holen.

Wer die Amazon Charts etwas verfolgt, sieht auch, dass nicht jeder Titel von uns so gut läuft. Also benötigen wir ein ausgewogenes Sortiment. Mit der aktuellen Marktsituation, in der von allen Publishern so viel veröffentlicht wird, ist der Konkurrenzdruck natürlich sehr hoch. Das merkt man vor allem auch bei den Lizenzkäufen. Wir müssen dreimal überlegen: Holen wir uns den Titel oder nicht? Am Ende des Tages steht diese Frage immer und die Antwort will gut überlegt sein.

Kommentar von Fuma

Wo wir gerade bei Amazon und den Preisen sind: ich empfinde eure Preise als human. Gerade wenn man an die Preise von anderen Publishern oder die in Preise der Vergangenheit denkt.

Antwort von Erik

Dazu gibt es durchaus auch andere Meinungen, aber ich habe mittlerweile aufgehört mich hier zu rechtfertigen. Wir haben dazu oft genug Stellung bezogen. Es gibt so viele Dinge bei der Anime-Produktion die beachtet werden müssen. Ninotaku TV hat zu diesem Thema eine wirklich gute und informative Reihe veröffentlicht.

Er hat aufgezeigt, was alles passieren und investiert
werden muss, bis das Produkt am Schluss im Regal steht. Oder ob es überhaupt im
Regal steht. Denn sie stehen bei z. B. Saturn, Media Markt oder Müller nicht
immer “draußen”. Gerade bei Sammelschubern und Boxen ist das eine schwierige Sachlage,
da sie viel Platz wegnehmen. Die Folge: Die Publisher setzen gerade die Sammelschuber hauptsächlich online ab. Und das ist nicht so einfach, wie viele sich das vorstellen. Klar würde man auch hier gern mehr Aufklärung betreiben – aber auf der anderen Seite: Warum eigentlich? Man kann ja auch nicht mit allem nach Außen treten. Die Mitbewerber hören und lesen da natürlich auch immer gerne mit. Diverse Sachen hat man sich einfach im Laufe der Zeit erarbeitet und diese Vorteile will man natürlich nicht einfach publik machen.

Kommentar von Fuma

Wobei ich aber das Gefühl habe, dass ihr deutlich mehr erklärt als es bei anderen Publishern der Fall ist. Meiner Meinung nach müsst ihr euch oft auch gar nicht rechtfertigen.

Antwort von Erik

Das ist klar, es war mir aber von Anfang an wichtig. Als ich hier angefangen habe, war es eins meiner Kredos, viel mit den Leuten zu kommunizieren. Ich bin als Werkstudent bei der KSM gestartet, war zweimal die Woche hier und habe nebenbei studiert. Damals war mir die Reaktionsquote bei Facebook schon ein Dorn im Auge: Die lag gerade mal bei ungefähr 20%. Das geht gar nicht… Jeder, der uns etwas fragt, soll eine Antwort bekommen. Und zack habe ich die Quote auf 100 % gebracht.

Am Anfang fehlte mir die Erfahrung, ich habe teilweise mehr gesagt als nötig gewesen wäre. Das war aber alles unkritisch. Man lernt ja und sammelt Erfahrungen. Im Laufe der Zeit weiß man, wie man etwas formulieren kann, damit es zwar eindeutig ist, jedoch trotzdem nicht zu viel von den Hintergründen verrät. Wir haben Verträge mit verschiedenen Partnern wie etwa Lizenzgeber, Synchronstudios oder Produktion Da muss man immer aufpassen, was überhaupt kommuniziert werden darf. Aber wo es möglich ist versuche ich immer sehr offen und ehrlich mit den Leuten zu reden, damit ein eventuelles Missverständnis vermieden wird. Das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.

Ein kleiner Exkurs über den Unterschied zwischen Kritik und Hate:

Übrigens gibt es für mich einen großen Unterschied zwischen Kritik und Hate.

Eine Review z.B. ist nie objektiv, immer nur subjektiv. Deswegen nimmt man es niemandem übel, wenn ein Titel mal nicht gut ankommt. Geschmäcker sind zum Glück unterschiedlich.

Natürlich gibt es Objektive Kritikpunkte die man mit guten Argumenten begründen kann. Wenn ich es mir einfach machen will, schreibe ich: “Die Synchro ist scheiße.” Damit hat man seine Meinung geäußert, es ist aber nicht zielführend. Wenn ich mit der Synchronisation unzufrieden bin, dann kann ich belegen, warum und wieso. So einfach wird es konstruktive Kritik, mit der wir als Publisher etwas anfangen können – und beim nächsten Mal setze ich dies, soweit möglich, gerne um.

Ende des Exkurses

Das Interview wird morgen um 19 Uhr fortgesetzt.

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