Zu Besuch bei KSM Anime – Interview Teil 3

Die geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag beträgt 11 Minuten.

KSM Anime

Am 03. November waren wir bei KSM Anime zu Besuch. Die Presseabteilung, bestehend aus Erik und Aylin, haben uns in Wiesbaden mit offenen Armen empfangen und sich mutig unseren Fragen gestellt. Und die Antworten möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Dies ist Teil 3 des Interviews. Hast du Teil 1 und Teil 2 schon gelesen?

Frage von Fuma

Nachdem wir das Meiste jetzt schon besprochen haben, gehen wir doch noch ein wenig in Richtung digitale Medien. Aktuell habt ihr ja noch keine Form des Anie Simulcast. Gibt es hier hierzu bereits Pläne oder Überlegungen? Vielleicht wäre eine Kooperation mit einem bereits bestehenden VoD Anbieter eine Option? Oder sagt ihr ganz klar, dass sich das für euch im Moment einfach nicht lohnt?

Antwort von Erik

Wir sind grundsätzlich glücklich, dass sich der Bereich immer weiter Richtung Video on Demand (VoD) bewegt, da dies die Zukunft ist. Im Anime-Markt ist das noch nicht so richtig angekommen, weil es immer noch sehr viele Sammler gibt, die physische Produkte bevorzugen. Das ist einfach eine Markteigenheit, aber früher oder später wird sich das VoD Angebot durchsetzten. Aktuell wird auch immer mehr eingekauft, gerade durch Netflix und Amazon. Dazu kommt natürlich, dass teilweise sogar eigener Content produziert wird.

Das ist eine absolut akzeptable Entwicklung und je mehr Content auf einer Plattform zu finden ist, desto rentabler ist das für die Kunden. Da ist es natürlich auch egal von wem der Inhalt kommt. Für uns ist es natürlich auch ein Schritt in diese Richtung, solchen Plattformen wie Netflix unsere Serien an zu bieten. Wir sind mit unserer Kooperation wirklich zufrieden und freuen uns, dass sie so viele unserer Titel (No Game No Life, Noragami, Girls und Panzer, Akatsuki No Yona, God Eater und Blood Blockade Battlefront) abgenommen haben.

Ein kleiner Exkurs über die Entwicklung im VoD-Bereich:

Den Leuten bei Netflix ist aufgefallen, dass Anime ein kleines aber beliebtes Thema sind. Und, dass es durch eine geschickte Strategie auch im VoD Bereich groß augezogen werden kann. Früher war es so, dass Filme auch auf VoD immer recht gut gelaufen sind, während Serien eher ein Nischen-Dasein fristeten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Auch Dank Netflix funktionieren Serien mittlerweile teilweise besser als Filme. Ich sage nur: binge-watching. Deshalb hat Netflix immer mehr Serien eingekauft und ihr Programm und die Ausrichtung angepasst.

Wir haben ja auch die kostenlosen Angebote bei Watchbox, früher bekannt unter dem Namen Clipfish. Mit denen hatten wir schon immer Deals – über teilweise exklusive Zyklen – gehabt. Das lohnt sich natürlich für sie, weil sie so nicht nur hochwertige Inhalte bekommen, sondern auch ihren Konsumenten etwas bieten können. Dabei ist das Ganze für den Zuschauer bis auf die Monetarisierung durch Werbung vor den Videos kostenlos. Aber ich denke, dass durch Youtube die Akzeptanz hier in den letzten Jahren auch stark gewachsen ist. Es liegt also in unserem Interesse das VoD angeht ständig aus zu bauen.

Ende des Exkurses

Aber kommen wir jetzt erst mal zurück zum Thema Simulcast. Das ist ein echt schwieriges Thema, da Crunchyroll hier der absolute Platzhirsch ist. Man darf ja auch nicht vergessen, das Crunchyroll Deutschland lediglich einen kleinen Teil des Mutterkonzerns in der USA ausmacht. Dort haben sie sich einen großen Namen gemacht und natürlich auch viele Geschäftsbeziehungen nach Japan aufgebaut. Daher haben sie auch eine unglaubliche hohe Kaufkraft entwickelt und können sich einen großen Teil der Serien jede Anime Season einfach kaufen, weil sie es sich leisten können.

Vor kurzem haben sie sogar Home Entertainment Rechte mit eingekauft. Jetzt noch an unserer Stelle mit einer eigenen Plattform durch zu starten, wäre einfach viel zu spät. Dazu kommt, dass wir den Konsumenten nicht noch eine weitere Plattform zumuten wollen, deshalb ist das für uns kein Thema. Abgesehen davon fehlt uns jegliche Erfahrung mit Simulcasts. Da stellt sich allein schon die Frage, wie man überhaupt so schnell an die Titel heran kommt.

Simulcast setzt schließlich voraus, dass der Anbieter diese Folgen innerhalb weniger Stunden nach japanischer Ausstrahlung online stellt. Alles danach wäre ja ganz normales VoD. Dafür würde uns einfach die Struktur fehlen. Wir kaufen ja auch ganz andere Rechte ein als Crunchyroll. Für uns sind in erster Linie Home Entertainment und VoD Rechte wichtig. Wobei klar zu definieren ist, dass VoD nicht automatisch Simulcast bedeutet.

Dazu kommen diverse Merchandise Rechte und natürlich auch die Kinorechte. Es summiert sich zu einem schönen Bündel. Zusätzlich die Simulcast Rechte zu erwerben, nur um sie dann zu sublizenzieren, wäre wohl auch mehr Arbeit als tatsächlich nötig. Aber ich als PR-Mitarbeiter stecke nicht so tief mit im Lizenzgeschäft. Das macht unsere Charlotte aus München, sie verwaltet das zusammen mit unserem Geschäftsführer.

Ich selbst war bei solchen Lizenzverhandlungen noch nie dabei und bekomme lediglich mit, wie lange es dauern kann, bis so ein Vertrag steht. Sprich: vom Angebot über die Verhandlungen, bis beide soweit zufrieden sind und es zur Unterschrift kommt. Ich habe dementsprechend keine klare Vorstellung wie Simulcast Publisher das handhaben. Ich weiß lediglich, dass sie unheimlich schnell arbeiten müssen.  Nach einem kurzen Gespräch mit dem Chef von Crunchyroll Deutschland hatte ich das Gefühl, dass es unheimlich hart sein muss.

Natürlich ist das für sie normaler Alltag, sie haben sich daran gewöhnt und ihre Strukturen dahingehend aufgebaut. Ich bin mir aber unsicher, ob das bei uns so einfach machbar wäre. Man sieht es aber einfach anhand der Marktsituation. Es gibt Plattformen, die stetig wachsen, weil sie bereits so groß sind. Jetzt noch zu versuchen in den Markt einzusteigen wäre wohl nicht die richtige Strategie für uns. Somit ist Simulcast aktuell eher uninteressant für KSM Anime. Wir werden aber weiterhin unser VoD Angebot ausbauen.

KSM Anime

Frage von Mia

Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche Anime Teil eures Programms werden?

Antwort von Erik

Das ist unterschiedlich. Einerseits versuchen wir natürlich auf Hypes und Trends zu reagieren. Dank den Simulcasts und Social Media lässt sich hier die Beliebtheit gut erkennen und wir können abschätzen ob sich ein Home Entertainment Release überhaupt lohnen würde. Andererseits schauen wir natürlich auch, was denn überhaupt so angeboten wird und zu welchen Konditionen. Da muss man dann einfach abschätzen, welche Titel etwas für uns sind und welche nicht. Manchmal hat man da Glück und manchmal nicht.

Wir versuchen natürlich auch teilweise Vergleiche zu anderen Titel herzustellen. Nehmen wir da beispielsweise Hunter x Hunter. Wir  sind davon überzeugt, dass es eine sehr große Community dahinter gibt, die in gewissen Maßen vergleichbar ist mit Naruto. Auch, wenn das nicht 1:1 übertragbar ist. Aber manche Genre wie eben Shounen läuft in den meisten Fällen. Bei Naruto, Dragon Ball und One Piece kann man schon davon ausgehen, dass die einfach ankommen.

Daneben orientieren wir uns zum Teil auch an Bewertungsportalen wie Anisearch und Myanimelist. Da beide recht große Communitys haben sind die dortigen Bewertungssysteme natürlich auch ein gutes Indiz oder ein guter Anhaltspunkt. Da bekommt man meiner Meinung nach den direktesten Einblick in den Geschmack der Leute, allerdings kann man auch nicht blind Fans aus den USA mit deutschen vergleichen. Selbiges gilt natürlich auch für andere Länder, allerdings kann man hier recht gut Strömungen erkennen.

Wenn eine Serie dort natürlich bereits sehr miserabel abschneidet, ist es wohl keine schlaue Entscheidung die Serie zu lizenzieren und wir lassen die Finger davon. Manchmal kommt man um solche Serien aber nicht herum, da sie bereits in Verträge, gebündelt mit hochwertigeren Serien, verkauft werden. Diese veröffentlichen wir in kleiner Stückzahl um wenigstens die Kosten abzufangen. Aber manchmal entdeckt man gerade dadurch auch den ein oder anderen Überraschungshit.

Letztendlich finden sich aber immer Abnehmer, die auch solche kleinen Titel gerne sehen. Es gab natürlich auch Titel die mich überrascht haben – bei denen wir intern noch am zweifeln waren, ob die überhaupt laufen würden. Trinity Seven ist da so ein Beispiel. Da ist die erste Volume bereits komplett ausverkauft und die anderen Volumes werden wohl auch recht gut gehen. Aber natürlich ist es schön, dass man sich in diesem Bussiness auch überraschen lassen kann.

Ich freue mich natürlich über den ein oder anderen Titel der aktuell in Verhandlung steht. Es wäre schön, wenn davon etwas klappen würde. Das bekomme ich aber auch meist eher so nebenbei mit. Es gibt also nicht ständig irgendwelche Rundmails in Form von: “Wir haben jetzt XY oder YX eingekauft”. Klar gibt es da Ausnahmen wie Beispielsweise Hunter x Hunter, da wussten wir recht früh, dass Gespräche hierzu laufen. Bei Werken, mit denen man solche langen Verpflichtungen eingeht, ist das aber normal.

Da hängt natürlich auch ein riesiger Rattenschwanz dahinter. Ich spreche jetzt gerade vom Fernsehen, denn Pro 7 Maxx hat bei diesem Anime direkt zugeschlagen. Hunter x Hunter wird da wohl genauso gute Quoten erzielen wie es Dragon Ball Super bereits vor gelebt hat. Wir freuen uns riesig, den Anime dort zeigen zu können. Als wir es auf der Animagic 2017 bekannt gegeben haben wussten wir es schon seit März oder Februar 2017.

Kommentar von Fuma

Uns freut das natürlich auch, da wir die Serie unheimlich gern mögen. Ich hatte ja auch schon gehofft, dass ihr euch die Serie holt, nachdem ihr bereits die beiden Filme raus gebracht habt. Ich hatte mich schon etwas gewundert, welchen Sinn es denn gemacht hätte die Filme ohne die Serie zu veröffentlichen.

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KSM Anime

Frage von Mia

Nun kommen wir auch schon zu unserer letzten Frage. Gibt es aus Japan Vorgaben, ob ihr Einzelne Volumes oder Komplettboxen raus bringen könnt oder sogar müsst?

Antwort von Erik

Ja, teilweise bekommen wir solche Vorgaben. Meist ist es in den Verträgen aber so aufgebaut, dass sie lediglich angeben, was wir nicht machen dürfen. Beispielsweise die von dir erwähnten Komplettboxen. Oder, dass wir keine HD Rechte haben. In einem solchen Fall dürfen wir dann das Bildmaterial nicht hochskalieren. Das sind dann jene Boxen bei denen wir lediglich die DVDs veröffentlichen. Bei Anime ist das aber meistens unproblematisch, wir veröffentlichen in den meisten Fällen DVD und Blu-Ray.

Im Regelfall haben wir dmentsprechend einen relativ großen Gestaltungsfreiraum was Komplettboxen bzw. Einzel-Volumes angeht. Den Anime Die rothaarige Schneeprinzessin, den wir im Januar starteten, ist zum Beispiel wieder eine der Serien, die wir als Digipack im Schuber ohne Sammelschuber veröffentlichen. Ähnlich hatten wir ja auch damals Full Metal Alchemist veröffentlicht. Bei der Planung einer Komplettbox muss man meist auch abwägen, ob sie denn tatsächlich angenommen wird. Hin und wieder ist es relativ schwer das abzuschätzen.

Overlord wurde uns aus den Händen gerissen und es gab auch die ein oder andere Gesamtbox die sehr lange gedauert hat, bis sie so richtig akzeptiert wurde. Zum Beispiel Blood Blockade Battlefront. Die hat sehr lange gedauert bis sie ihre Fangemeinde gefunden hat. Der Anime verkauft sich jetzt aber ganz gut, weswegen wir diesen auch noch mal als einzelne Volumes veröffentlichen. Die Komplettbox ist schließlich ein Limitiertes Produkt – irgendwann ist es ausverkauft und dann kann es nicht einfach so nachgeruckt werden.

Um es dann aber noch den Fans, die jene Box nicht bekommen haben zu ermöglichen die Serie zu sehen, haben wir uns für die einzelnen Volumes entschieden. Wir haben aber keine durchgängige Strategie was das angeht. Bei Overlord kommt zwar jetzt eine zweite Komplettbox heraus, die ist aber im Vergleich zur ersten extrem abgespeckt. Hier spielen wir aber immer mit offenen Karten und sagen den Kunden auch, dass die Nachdrucke niemals so gut ausgestattet sein werden wie die erste Limitierte Auflage.

Frage von Mia

Das mit den Nachdrucken sehen wir auch oft. Da haben wir von einer Serie die einzelnen Volumes im Schrank stehen, und plötzlich kommt eine Gesamtbox heraus. Meist denkt man sich dann “Warum ist nicht zuerst die Gesamtbox und dann die einzelnen Volumes erschienen?”. Meistens sind die Boxen preislich etwas günstiger als die einzelnen Volumes.

Antwort von Erik

Das ist halt der andere Weg, bei dem wir erst die Einzelnen Volumes raus bringen und dann irgendwann gebündelt veröffentlichen. Aber das ist eine ganz normale Marktentwicklung, was auch viele verstehen müssen.  Irgendwann werden diese Titel aus dem aktiven Neuverkauf in den Katalogverkauf geschoben. Wenn sie dieses gewisse Alter überschritten haben und damit auch die Halbwertszeit überschreiben, müssen wir einfach mit dem Preis runter gehen.

Das sieht man ja meist auch bei AAA Titeln von Warner Bros. oder Universal. In der ersten Woche sind die Filme noch sehr teuer und nach nur wenigen Wochen befinden sie sich bereits für 5€ auf den Krabbeltischen. Bei denen geht das durch die Masse der Interessenten natürlich auch deutlich schneller. Bei uns ist es das gleiche. Irgendwann werden Preissenkungen unabdingbar, da wir die Lagerbestände auch verkaufen wollen.

Durch das Bündeln der Volumes kann man natürlich auch hier wieder etwas Lagerfläche einsparen. Wenn wir dann sechs Schuber füllen, haben wir direkt wieder alles deutlich fokussierter und gebündelter. Das Bündeln kommt bei den Leuten auch gut an, wie wir bei Digimon gesehen haben. Da haben wir ja gerade vor kurzem die Adventure 1 und 2 Bündel veröffentlicht und es wird von den Kunden gut angenommen, aber das weiß man im Vorfeld ja nicht.

Aktuell haben wir also noch beides im Angebot, die einzelnen Volumes und die Limitierte Komplettedition. Irgendwann ist dieser Bestand auch aufgebraucht und dann können wir es auch nicht mehr anbieten. Man darf auch die leidenschaftlichen Sammler nicht vergessen, denen wir auch etwas bieten möchten. Da veröffentlichen wir dann auch mal so etwas wie die Overlord-Box. Durch die hohe Nachfrage haben wir hier aber auch einfach gesehen, dass wir einen guten Job gemacht haben.

Bei diesen Boxen gibt es dann schon eher spezifische Vorgaben. Zum Beispiel können wir nicht einfach jedes Artwork benutzen das uns gefällt. Wir hatten zum Beispiel für die Tales of Symphonia Box ein Artwork, dass wir unbedingt benutzen wollten. Aus Japan kam dann aber direkt die Anweisung, dass wir dieses Bild lediglich für Poster benutzten dürfen. Diese Aufforderungen muss man aber einfach akzeptieren, hier lohnt sich die Diskussion einfach nicht.

Bei Overlord hatten wir da mehr Glück, da durften wir das Haupt-Artwork auch hochskallieren und auf Postergröße drucken. Wir haben die Poster dann natürlich auf Conventions verschenkt, die hätten wir aber auch verkaufen können. Wenn das erlaubt ist, ist das natürlich super! Bei Digimon konnten wir ja auch die Kinoposter als Boxarts der Futurepacks benutzen. Sowas finde ich eigentlich auch richtig cool. Solch ein durchgehendes Design funktioniert aber nicht immer. Unsere Noragami Tasse finde ich unfassbar schön, aber der Aufdruck ist ein reines Merchandise Artwork. Das sind eben meist recht frische Artworks die man nicht schon hundert mal gesehen hat, was durchaus auch etwas positives ist.

 

Wir hoffen sehr, dass euch das Interview gefallen hat. Es ist mal etwas komplett neues auf unserem Blog, jedoch fanden wir die neuen Erkenntnisse wirklich sehr interessant. Nochmal ein riesen großes Dankeschön an Erik und Aylin, die sich die Zeit für uns genommen haben.

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