[Gastbeitrag] Manga Review: QQ Sweeper

Die geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag beträgt 7 Minuten.

Mein Name ist Kerstin, ich komme aus der Nähe von Münster und ihr findet mich auf Twitter unter harukaflower, wo ich über Anime und Manga, aber auch sportliche Themen zwitschere.

Neben Anime und Manga, interessiere ich mich vor allem für Fotografie, streife mit meiner Spiegelreflex und manuellen Objektiven umher und bin auf der Suche nach dem besten Motiv. Ansonsten werdet ihr mich auf diversen Schreibportalen finden, auf denen ich meine kreativen Ergüsse auf die Menschheit loslasse. Nun wage ich mich an meine allererste Manga Review.

Die Welt der Shojo-Manga kann zuweilen sehr eintönig sein. Genau das ist der Grund, weshalb ich für jedes Werk von Kyousuke Motomi dankbar bin. Ich mag ihre Arbeiten, die immer etwas Neues bieten und sich so vor allem durch ihre zum Teil abgefahrenen Ideen vom Schema F unterscheiden. Genau das spiegelt sich in QQ Sweeper wieder. Nur die Wenigsten würden wohl das Thema Putzen mit Drama, Fantasy, Komödie und Romanze verbinden.

Ehe es richtig losgeht, hier noch ein paar Grunddaten zum Werk: QQ Sweeper ist bei Tokyopop erschienen und in drei Bänden abgeschlossen. Band eins kommt in der ersten Auflage mit schicker ShoCo Card daher und ist (aktuell) noch in der ersten Auflage erhältlich. In Deutschland sind von ihr noch die Reihe Dengeki Daisy und der Kurzgeschichtenband Seishun Survival veröffentlicht worden.

Nachdem ihre Familie sich nachts davonschleicht, macht sich Fumi Nishioka auf und beginnt mit Umzug und Schulwechsel einen neuen Lebensabschnitt. Auf der Suche nach einem Dach über den Kopf stolpert sie über einen merkwürdig beruhigenden Raum im alten Gebäude der Schule, der vor Sauberkeit glänzt. Dort baut sie ihren Schlafplatz auf und lässt sich nieder. Als sie aufwacht, trifft sie auf Kyutaro Horikita. Ein pingeliger Klassenkamerad, der immer in der Schule putzt.

Bald jedoch findet Fumi die Gründe für Kyutaros obsessiven Sauberkeitsfimmel heraus. Er putzt nicht nur das Schulgebäude, sondern gehört auch zu einer geheimen Organisation, die darauf spezialisiert ist, die dreckigen, dunklen Gedanken der Menschen zu reinigen. Als Fumi die Chance erhält, ihm zu helfen, ergreift sie sie und wird zu Kyutaros Partner, an dessen Seite sie sich nicht nur ihrer Vergangenheit stellen muss.

An dieser Stelle muss ich anmerken, dass ich hoffe, euch nicht zu viel zu verraten. Ich habe bewusst nur die Hauptthemen herausgepickt und gehe nicht zu sehr auf Handlungsdetails ein. Denn sind wir mal ehrlich, das Lesen macht wenig Spaß, wenn man das Ende vorher schon kennt.

Die Geschichte rund um Fumi beginnt wie ein typischer Shojo-Manga doch schnell rücken andere Elemente in den Vordergrund und wir bekommen den individuellen Motomi-Mix aus verschiedenen Genres, der Spaß macht und viel Abwechslung bietet.

Am Anfang steht einer dieser Standardplots: Ein Mädchen wird von ihrer Familie zurückgelassen und sucht einen neuen Platz, den sie ihr Zuhause nennen kann. Himmel, nicht schon wieder, mögen wohl viele gedacht haben – eingeschlossen mir selbst. In QQ Sweeper wird Fumi von ihrer Familie verstoßen, da sie angeblich von einem Fluch besessen ist. Als sie beginnt, für die Familie von Kyutaro zu arbeiten und in die Welt der Sweeper eingeführt wird, findet sie dort ein neues Zuhause. Auch wenn es eine in Shojo-Mangas doch altbekannte Story ist, wirkt sie hier nicht unangenehm dominant und wird natürlich erzählt, ohne sich dem Leser aufzudrängen.

In Bezug auf die Romantik bedient sich QQ Sweeper ebenfalls keinem besonders neuem Konzept und Motomi greift auf altbekannte Merkmale des Shojo-Genre zurück, die durch den Mix von Mystery-Elementen aber dennoch nicht abgedroschen wirken und zum Weiterlesen anregen. Mir gefällt es, dass das Augenmerk der Serie nicht nur auf Romantik liegt, sondern es vielmehr eine der vielen Nebenzutaten ist.

Die Stärken der Reihe liegen für mich aber in den Bereichen neben der Romantik-Story. Im mit frischen Ideen gespickten Fantasy-Part werden Elemente der Psychologie integriert sowie sich mit doch eher düsteren Themen auseinandergesetzt.

Die Aufgabe der Sweeper, zu denen Kyutaros Familie gehört, besteht darin, die negativen Gedanken und Emotionen zu bekämpfen, die sich in den Köpfen und Häusern der Menschen einnisten. Diese negativen Gedanken manifestieren sich als Insekten – Wespen, Tausendfüßler und Maden – also den Dingen, die bei vielen Menschen Unwohlsein und negative Emotionen hervorrufen dürften.

Während wir Fumi und Kyutaro bei ihrer Arbeit als Sweeper begleiten, bekommen wir einen Blick in die Natur von psychischen Erkrankungen und den Umgang damit. Es wird gezeigt, wie schnell die menschliche Psyche ins Wanken geraten kann und schon kleine Dinge negative Gedanken hervorrufen.
Jede Person, die in der Geschichte Hilfe braucht, leidet gewisser Weise unter Depressionen. Diese wurden durch unterschiedliche Dinge verursacht und man bekommt durch die Erschaffung der Fantasy-Welt rund um die Seelenräume, von innen heraus, einen neuen Blick auf das Thema und die Art, wie es die jeweiligen Personen von innen zerstört. Dabei unterstreicht Motomi, wie schon kleine Gesten einen großen Unterschied machen können und es reichen kann, einfach den Problemen zu lauschen. Eine schöne und vor allem wichtige Botschaft, wie ich finde.

Es gibt sehr viele verschiedene Aspekte im Manga. Die Verknüpfung dieser, klingt zunächst wie eine unlösbare Aufgabe, gelingt der Mangaka aber hervorragend. Der Mystery-Anteil war genug, damit ich am Ball bleibe, der Romantik-Anteil fühlt sich nicht überstürzt, hektisch oder gar aufdringlich an und auch das Drama hat gerade den Anteil, um der Geschichte die gewisse Würze und Tiefe zu verleihen. Und schließlich haben wir noch die Comedy. Motomi besitzt einen eigenartigen Sinn für Humor, der nicht jedermanns Sache ist, meinen Geschmack aber voll trifft. Diesem bedient sie sich, um die Geschichte, trotz des schwierigen Themas, leicht und unterhaltsam zu halten. Was man keinesfalls überspringen sollte, sind daher die Autoren-Kommentare – göttlich!

Auch in Bezug auf die Charaktere findet man als Leser Abwechslung. Fumi ist keiner dieser naiven weiblichen Hauptcharaktere, sondern eine starke, einzigartige Persönlichkeit, die besonders zum Ende der Reihe eine Entwicklung durchmacht und durch ihre Entscheidungen Willensstärke beweist. Mehr dazu möchte ich euch aber nicht verraten, denn sonst müsste ich einen spannenden Plot aufdecken, der sich ab Band zwei manifestiert.

Ihr männlicher Gegenpart, Kyutaro, wirkt auf den ersten Blick wie ein typischer Shojo-Held: Er ist unhöflich und schroff, im Inneren aber ein Softie. Was ihn von den anderen Charakteren dieser Art unterscheidet, ist, dass dieses Verhalten von Unbeholfenheit und gewissen Schüchternheit im Umgang mit Anderen herrührt. Zu Fumi entwickelt sich schnell eine intensive Beziehung und er ist fest entschlossen ihr beizustehen und zu beschützen. Dennoch werden auch seine Schwächen und Ängste offen gelegt, was ich sehr gut finde.

Ein weiteres Merkmal, welches Motomi für mich vom Großteil der Shojo-Riege unterscheidet, ist ihr Zeichenstil, der einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt, wenn er auch etwas Sanfter geworden ist zu Vorgängern wie Dengeki Daisy. In QQ Sweeper schafft sie es ihren Stil perfekt auf die jeweiligen Szenen und Themen abzustimmen. In den schwereren Szenen greift Motomi auf starke Kontraste und dunklere Farben zurück (und davon gibt es viele). Andersherum werden romantische und sentimentale Szenen mit weicheren Tönen und helleren Konturen umgesetzt. Bei actiongeladenen Momenten kommen harte Konturen, dunkle Farben und ein eher „rauerer“ und „unsauberer“ Stil zum Einsatz. Auch Panels aus Kyutaros Erinnerung lassen sich schnell als solche zuordnen.

Was ich an Motomi schätze, ist ihr Talent für Mimik. Jede Emotion spiegelt sich punktgenau in den Gesichtern und Gesten der Charaktere wider und macht es dem Leser so einfacher, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt der Personen hineinzuversetzen. Besonders in ihren Comedy-Momenten weiß sie mit lustigen, zum Teil absurden, Gesichtern zu beeindrucken, die dem Leser ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Leider wird Motomi der Fallstrick einer kurzen Reihe zum Verhängnis. Zum Ende geht es für meinen Geschmack ein Tacken zu überstürzt und man hat das Gefühl, als müsste die Geschichte schnell zu einem Abschluss gebracht werden. Das Ende ist dabei bewusst offengelassen und der Leser wird mit einer Anzahl von unbeantworteten Fragen zurückgelassen.

Das mag vielleicht in Hinblick auf die wenig später erschienene Folgeserie „Queen‘s Quality“ so gewollt sein, dennoch hinterlässt es einen faden Beigeschmack, an einer sonst gelungenen Kurzreihe. Da ich die Folgereihe kenne, weiß ich, dass dieser krasse Schnitt durchaus auch einen Sinn gemacht hat, man hätte es aus meiner Sicht aber besser lösen können.

QQ Sweeper ist ein toller Manga, wenn man gerade keine Lust auf längere Serien hat oder sich Abwechslung von all den 08/15-Shojo-Geschichten wünscht. Was auf den ersten Blick wirkt wie eine Geschichte über Putzen, stellt sich deutlich vielschichtiger heraus, als man es vermutet. Motomi schafft es, viele wichtige Themen aufzugreifen, ohne den Leser am Ende der Serie in einer depressiven oder bedrückenden Grundstimmung zurückzulassen. Wermutstropfen ist das doch flotte und offene Ende der Reihe.

Da mir die Reihe insgesamt sehr gut gefallen hat, aber nicht an den Vorgänger Dengeki Daisy oder den Nachfolger Queen’s Quality herankommt, vergebe ich 8 von 10 Käferlarven.

 


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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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