[Gastbeitrag] Buch Review: Der Weitseher-Zyklus

Hallo! Hier schreibt für euch eure Shiny, ihr kennt mich vielleicht schon vom Animanga-Wichteln oder vom Niche-Gewinnspiel. Außerdem habe ich kürzlich einen Gastbeitrag zu Shelter Generations hier veröffentlicht. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit vor allem mit Serien, Spielen und Büchern und möchte euch heute eine Buch-Reihe vorstellen.

Ich bin ein großer Fan von Fantasy-Literatur und bei meiner Suche nach neuen Büchern bin ich immer wieder über Robin Hobb gestolpert, habe ihre Reihe aber nie in Angriff genommen. Robin Hobb heisst eigentlich Margaret Astrid Lindholm Ogden und kommt aus Amerika. Für das Schreiben ihres Weitseher-Zykluses, der aus der Sicht eines jungen Mannes geschrieben ist, hat sie sich ein Pseudonym gesucht, welches ihr Geschlecht nicht auf den ersten Blick verrät, weil sie dachte, dass die Leute das Buch sonst nicht lesen würden oder sie als Autorin nicht ernst nehmen würden.

Seit der Publikation des ersten Buches des Weitseher-Zykluses (1995) ist viel passiert. Die Reihe um Fitz, den Narren, die 6 Fürstentümer und die gesamte Welt drum herum (Im englischen heisst sie ‘Realms of the Elderlings Series’, einen deutschen Namen konnte ich nicht finden) wurde letztes Jahr nach 16 Büchern abgeschlossen. Diese 16 Bücher (über 10’000 Seiten!) erschienen jeweils verteilt als fünf in sich abgeschlossene Reihen. Die erste davon ist der Weitseher-Zyklus, der eine Trilogie ist. Ich habe diese Bücher in der englischen Originalsprache gelesen und werde mich bei Namen an diese Sprache halten, da insbesondere die neueren Reihen noch nicht übersetzt wurden. Aber seit August 2017 kümmert sich der Penhaligon Verlag um die Neuauflage der Bücher und deshalb werde ich sie euch hier vorstellen.

Der Weitseher-Zyklus dreht sich um Fitz, den Weitseher, Bastard-Sohn des zukünftigen König Chivalry. Fitz wird als 6-jähriger Junge von der Familie seiner Mutter ‘verstossen’ und dem Königshof übergeben. Sein Vater dankt ab, da ein König mit einem Bastard-Sohn und ohne weitere legitime Kinder unvorstellbar ist. So wächst Fitz in der Obhut des Stallmeisters und Vertrauten seines Vaters, Burrich, auf. Sein noch herrschender Grossvater, König Shrewd, entscheidet, die Loyalität des Jungen zu gewinnen und ihn für seine Zwecke zu nutzen, so dass er nicht gegen die Königsfamilie verwendet werden kann. So beginnt Fitzs Ausbildung zum königlichen Assasinen. In der Obhut des älteren Assasinen Chade, einem Bastarden-Bruder von König Shrewd, lernt Fitz alles, was er wissen muss, um seiner Familie wertvolle Dienste zu leisten.

Je älter Fitz wird, desto deutlicher zeigt sich, dass er über die Weitseher-Familienmagie, die ‘Skill’ genannt wird, verfügt. Mithilfe dieser Magie kann ein trainierter Anwender Gedanken mit anderen Magie-Anwendern teilen und Gedanken der Menschen um ihn herum manipulieren. Dies Magie hat einen hohen Preis – wenn man sie nicht kontrolliert, kann man sich in ihr verlieren.

Doch ein harter, langer Krieg gegen piratenartige Eindringlinge von den äusseren Inseln steht bevor und das Königreich braucht alle Hilfe, die es finden kann, um gegen die Gefahr zu bestehen. So wird Fitz, gemeinsam mit einigen anderen, in der Magie unterrichtet und dient fortan seinem Onkel und Kronprinzen Verity.

Doch der ‘Skill’ ist nicht die einzige Magie, für die Fitz ein Talent zeigt – auch der ‘Wit’, eine verpönte Magie, läuft in seinem Blut. Mithilfe dieser Magie können Menschen mit Tieren kommunizieren und tiefe Bande zu einem Tier knüpfen. Menschen, die diese Magie beherrschen, werden getötet, da sie als unrein und gefährlich betrachtet werden. So sagt man zum Beispiel, dass sie sich in ihr Partner-Tier verwandeln oder mit nur einem Gedanken sämtliches Vieh eines Bauern krank werden lassen können. Fitz geht ein tiefes Band mit dem Wolf Nighteyes ein, das er jedoch vor allen anderen, sogar seinem König, geheim halten muss.

Der Krieg bricht aus und Fitz und die königliche Familie müssen nicht nur gegen die Übermächtigen Eindringlinge der äusseren Inseln ankämpfen, sondern auch gegen Intrigen in ihren eigenen Reihen. Es scheint, als könne nur ein verlorenes, legendäres Volk das Königreich noch retten. Doch gibt es dieses Volk überhaupt?

Ich habe den ersten Band gelesen und ich war ein Fan. Ich wusste, dass ich die restlichen 15 Bände auch noch lesen würde.
Die Bücher sind nicht perfekt, sie haben durchaus Schwächen – so finden einige, dass der Anfang zu langsam und langweilig ist und andere, dass sich der Schluss zu lange zieht – aber es sind kleine Dinge, die mich nicht besonders gestört haben.

Robin Hobb schreibt in ihren Büchern vorallem wunderbare Charaktere und das kann sie wirklich gut. Die Geschichte, die auch sehr interessant ist, ist erstmal zweitrangig. Fitz, die Menschen um ihn herum und die Beziehungen, die sie zueinander haben sind das, was die Serie so gut und lesenswert macht. Zum einen kann man sehr gut mit Fitz mitfühlen – und mitleiden, denn das Schicksal ist meistens nicht besonders nett zu unserem Protagonisten – zum anderen wirken auch die zahlreichen anderen Charaktere sehr real und man kann sie wunderbar lieben und hassen. Ein Höhepunkt der Reihe ist auch der Wolf Nighteyes, der durch seine Bande mit Fitz stellenweise fast schon menschliche Züge annimmt, aber doch immer auch wieder eine pragmatische und humorvolle Stimme ist, auf die man sich verlassen kann.

Neben Nighteyes gibt es noch viele andere Charaktere – Da sind zum Beispiel die etwas verrückte aber liebevolle Patience, der strenge Burrich, der doch nur das Beste für Fitz will und Chade, der in einer ähnlichen Situation ist wie Fitz, aber ganz andere Motivationen hat. Aber Fitz kennt nicht nur Elternfiguren, er findet auch seine grosse Liebe Molly, die selbst eine starke Persönlichkeit ist und ihre eigene Vorstellung vom Leben hat. Eine ganz besondere Beziehung hat Fitz auch zu dem Narren von König Shrewd, welcher oft durch seine Art verwirrt, aber Fitz und dem Leser dennoch rasch ans Herz wächst. Ursprünglich war er als unwichtiger Nebencharakter geplant, doch hat er während dem Schreiben der Bücher eine Art Eigenleben entwickelt und wurde zu einem der interessantesten und mysteriösesten Charaktere der Geschichte.

Die Schreibweise von Robin Hobb ist sehr angenehm und gut zu lesen. Auch wenn die Welt in der ersten Trilogie noch nicht vollständig ausgearbeitet scheint – beziehungweise man einfach von der Welt nicht ganz so viel mitbekommt – so gibt es doch genug zu entdecken und einige Rätsel, die in späteren Reihen aufgegriffen und gelöst werden. Dennoch legt die Autorin viel Wert darauf, dass die Reihen unabhängig voneinander gelesen werden können und in sich abgeschlossen sind. Die Geschichte selbst liest sich sehr flüssig und glaubhaft und birgt trotz einiger Vorhersehbarkeit auch einige unvorgesehenen Wendungen, insbesondere am Ende der Trilogie. Ansonsten bietet die Geschichte alles, was man sich als Fantasy-Leser in einer Geschichte wünscht.

Die Ideen der beiden Magien fand ich relativ frisch, ich mag es sehr, dass man nicht automatisch übermächtig ist wenn man die Magie besitzt und dass die Magie durchaus ihren Preis und ihre Probleme mitbringt. Insbesondere, dass eine der beiden Magien gefürchtet und verboten ist, wirkt sehr menschlich und erinnert ein bisschen an die Hexenverfolgung.

Der Zyklus ist voller Intrigen, gut ausgearbeiteter Charakter und einer epischen Fantasy Geschichte über Magie, Krieg und Drachen. Es gibt nichts in den Büchern, was ich als Fantasy-Fan vermisst habe. Sie sind eine absolute Empfehlung für alle Fantasy-Fans und die, die es werden wollen.

Ich gebe dem Weitseher-Zyklus 8 von 10 Drachen.


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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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