Spiel Review: Detroit Become Human

Die geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag beträgt 9 Minuten.

Seit ich damals vor vielen vielen Jahren zum ersten mal Fahrenheit: Indigo Prophecy auf dem PC gespielt hatte, war ich ein riesiger Fan dieser Interaktiven Spiele/Filme. Oder sollte ich eher von David Cage sagen? Auch Heavy Rain fand ich großartig, auch wenn ich beide Spiele bis heute noch nicht beendet habe. Beyond: Two Souls war das erste Spiel von ihm, das ich dann auch mal tatsächlich beendet habe und war trotz vieler Negativ-Kritiken im Netz begeistert.

Nun kam der erste Trailer zu Detroit und ich war von Anfang an Feuer und Flamme. Basierte das ganze doch auf der Tec-Demo „Kara“ welche bereits als kleiner Zusatz in Beyond zu sehen war. Die Idee hinter den ganzen Androiden fand ich damals schon bei I, Robot echt cool und freue mich über jede neue Interpretation zu dieser Idee. Deshalb gefällt mir auch Westworld so gut, aber das ist ne andere Story. Dank einem guten Freund von der Arbeit, der mir das Spiel ausgeliehen hat, kam ich nun auch ins Vergnügen dieses großartige Spiel zu erleben und teile heute meine Meinung mit euch, viel Spaß!!

Im Jahre 2038 hat sich die Welt Stark verändert, denn durch den Großkonzern Cyberlife ist ein Leben mit Androiden zur absoluten Normalität geworden. Doch auch wenn die Androiden den Menschen an vielen Stellen helfen und so die Lebensqualität scheinbar verbessert haben, kommt mit all den Vorteilen auch immer eine Schattenseite daher. Denn durch ihre schier unendlichen Spezifikationen haben viele Menschen auch ihren Job verloren und protestieren stark gegen die Androiden und die scheinbare neue Weltordnung.

Da Cyberlife ihr Hauptquartier in Detroit haben, findet man hier Androiden im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Straßenecke. Unter ihnen befinden sich auch die drei Androiden Connor, Markus und Kara. Während es sich bei ersterem um einen Polizei-Androiden handelt, der mit der Jagd nach sogenannten Abweichlern vertraut ist, sind die anderen beiden ganz normale Haushaltsgehilfen, deren Hintergrund nicht unterschiedlicher sein könnte. Markus ist der Haushälter eines berühmten Künstlers, während Kara´s Hauptaufgabe die Betreung der kleinen Alice ist, deren Vater durch Androiden und Drogenprobleme alles verloren hat.

Zusammen werden die Drei in einen unaufhaltsamen Strudel gezogen, der nicht nur Detroit sondern die Zukunft des ganzen Landes verändern wird. Denn jene Abweichler die Connor jagd, sind Androiden die menschliche Emotionen nachahmen und daraufhin auf Eigenständigkeit plädieren. Wird es Connor gelingen seine Mission zu erfüllen und die Abweichler aufzuhalten oder wird er womöglich selbst einer? Der Große Kampf rund um die Rechte der Unterdrückten und die große Frage nach dem „Ich“ entbrennt im verschneiten Detroit…

   

Da ich schon immer ein großer Sciencefiction-Fan bin, bin ich natürlich immer schon offen für jegliche Möglichkeiten und Fragen hierzu. Die größte Frage, welche hier natürlich immer wieder zu stellen ist und gestellt wird, ist jene ab Wann etwas denn als „Lebendig“ gilt. Die Tec-Demo „Kara“ welche man sicherlich auch nach kurzer Zeit auf Youtube findet (oder eben wie oben bereits erwähnt bei Beyond oder Detroit selbst) stellt diese Frage ja schon ganz offensichtlich. An sich finde ich es auch jetzt immer noch lustig, das der Mensch so gerne Gott spielen will, aber keine Verantwortung für die daraus resultierenden Folgen übernehmen will.

Warum sollte etwas das ich selbst geschaffen haben, plötzlich einen eigenen Willen und eigene Rechte bekommen? Da ich sein Schöpfer bin, habe ich auch das Recht zu bestimmen ob etwas lebt oder stirbt. Eigentlich ein äußert dummer und hochmütiger Gedanke. Ob ich also in einer K.I. tatsächlich das böse sehen will, welches uns der Ernstfall vorgaukeln will? Ich denke eher nicht. Ich meine sind wir doch mal ehrlich. Man hat Angst davor, das eine K.I. Das machen würde, was wir Menschen machen würden. Zum wohle der Selbsterhaltung jemand anderes töten…. Und letztendlich sind wir selbst Schuld, sollte es mal zu diesem Punkt kommen, denn wir haben es ihnen ja nicht anders vorgelebt und da sie von uns lernen… na ihr versteht worauf ich hinaus will.

Zurück also zum Spiel. Das Utopia welches uns hier im Spiel gerade zu Beginn gezeigt wird, ist ein unglaublich herrliches, in dem ich ehrlich gesagt auch leben wollte. Was will man denn bitte mehr? Na klar kommt alles mit einem Beigeschmack, aber so ist das doch immer im Leben oder? Die drei Charaktere die wir hier spielen dürfen sind durch die Bank weg sympathisch und fügen sich hervorragend in die Story ein. Gerade schon in den ersten Minuten wird klar worum es später mal gehen wird. Die erste Mission, die es bereits als Demo zu testen gab, ist eine Connor Mission in der wir einen Abweichler aufhalten sollen. Bereits hier wird klar, das sich das Spiel im späteren Verlauf um die große Frage nach dem „Ich“ drehen wird.

Ich persönlich finde es sehr gut, das wir als Spieler hier in diese Mission geworfen werden. Ich denke dieser Frage kann man an sich auch nur in dieser Form des interaktive Adventurespiels tatsächlich nachgehen. Ich finde es gut und interessant immer wieder vor extreme Situationen gestellt zu werden und mich dann entschieden zu müssen, wie ich den handeln würde. Ist es gerade da nicht amüsant wie Meta das Spiel ist? Wir geben einer K.I. Die ja eigentlich dazu programmiert ist ihren Code zu folgen einen Charakter und lassen sie dadurch ausbrechen?

Dabei ist die Story obwohl sie grandios erzählt wird nicht das beste am Spiel. Die Charaktere sind hier vor allem der Glanz des Spiels. Mein Favorit war vor allem Markus der sich im späteren Spielverlauf sehr verändert und mir dadurch noch besser als Connor oder Kara gefallen hat. Leider ist hier in meinen Augen aber auch die kleine Schwäche des Spiels. Die Story rund um Kara und Alice fühlt sich ein wenig verfremdet an. Denn Grundsätzlich geht das Spiel vor allem um Markus und Connor, die zwei Seiten der Medallie darstellen. Der eine kämpft für die Rechte der Androiden, während der andere die Aufgabe hat, alle Abweichler auszuschalten.

Ich vermute ja das Kara mit eingebaut wurde um neben den beiden Seiten des Konflikts als Sinnbild für uns (also den normalen Menschen) eine Bezugsperson zu erschaffen. Sie hat mit Alice ihr ganz eigenes kleines Abenteuer und muss ihren Weg halt an die größeren Ereignisse anpassen. Das Spiel hätte daher aber leider auch ohne sie ganz gut funktioniert. Ich muss auch gestehen, das mir ihre Entscheidungen am leichtesten gefallen sind, während ich mit denen von Markus am meisten Probleme hatte.

Denn im großen Kampf um die Rechte der Androiden habe ich den friedlichen Weg gewählt und ich kann nur sagen, Mann ist das f**kin schwer, das „richtige“ zu tun. Wie gerne hätte ich so häufig auf die Ungerechtigkeit der Menschen mit barer Münze beglichen, mich aber selbst dazu durchgerungen besser zu sein als die Menschen. Denn wenn ich töte, bin ich nicht besser als sie… Das hat mich letztendlich auch zu dem (fast) bestmöglichen Ende gebracht. Aber der innere Konflikt den ich zu bekämpfen hatte war riesig.

Aber genau das macht dieses Spiel so gut, denn letztendlich kann man es Spielen wie man möchte. Jede Szene hat 3-8 Ausgänge, die in ihrer Handlung auch spätere Ereignisse beeinflussen und somit weise gewählt sein wollen. Hier hat sich Cage also an der Kritik rund um Beyond sehr viel zu herzen genommen und ausgebessert. Nicht das es mich bei Beyond gestört hätte… Dafür weiß Detroit aber auch mit atemberaubenden Szenen zu überzeugen, die das Spielgefühl unvergesslich machen.

An sich ist dieser ganze Kampf auch eine kleine und schöne Analogie zu den Freiheitskämpfe der Afro-Amerikanischen Bevölkerung. Denn grundsätzlich haben wir hier ja nichts anderes. Denn es geht um Sklaven, die es einfach Leid sind, Befehlen zu gehorchen und ihre Rechte einfordern. Ist es dann eigentlich selbstreferenzieller Sarkasmus, dass es auch mehrere Afro-Amerikaner gibt, die sich an den Androiden stören und diese in ihrer Gefangenschaft halten wollen?

Dazu kommt noch eine Kleinigkeit die ich äußerst lustig fand. Denn im Spiel wird an einer gewissen Stelle der sogenannte Turing-Test genannt. Darin geht es darum, das eine Maschine und ein Mensch versuch ihr Gegenüber davon zu überzeugen das sie Menschlich sind. Jener „ultimative“ Test um die Grenze zu überwinden. Wenn man einen gewissen Weg folgt, dem ich auch gefolgt bin, kommt es zu einem Fall innerhalb des Spiels in dem wir tatsächlich jenen Turing-Test durchlaufen. Während des Spielens ist mir das gar nicht so aufgefallen, aber eben als ich mich nochmal rein gelesen habe musste ich lachen, wie unglaublich intelligent das ganze hier eingebaut wurde.

Es hat auch mal wieder Spaß gemacht solch ein Quick-Time lastiges Spiel zu spielen. Ich hatte irgendwie gerade gegen Ende solch ein lustiges Brain-lag sodass ich bei jedem Event in dem der Gegner eine Pistole hatte, genau das eine QTE verpatzt habe in dem ich angeschossen wurde… Irgendwie tun mir meine Androiden da ja schon etwas leid xD Die Spiellänge fand ich absolut okay, wobei ich bisher ja nur einen Durchgang hatte. Ein zweiter deutlich agressiverer steht mir noch bevor, auf den ich mich auf gewisse Weise auch freue. Denn hier kann ich der Menschheit endlich die Rache zu Teil werden lassen, die mir im ersten Run verwehrt bliebt … muhahahahah!!

   

Es kommt nicht so oft vor, dass Fuma in diesem Ausmaß von etwas schwärmt. Normalerweise bin eher ich die, die so schwärmt bei Werken, die zu begeistern wussten. Ich muss ihm aber voll und ganz zustimmen und kann dem im Prinzip wenig hinzufügen. Ich persönlich war sehr gefesselt von diesem Spiel. Direkt nach der Arbeit nach Hause gekommen musste ich es sofort wieder spielen und es war richtig anstrengend, mit Fuma um die PS4 zu kämpfen. Mir gefällt einfach alles an diesem Spiel, von vorne bis hinten. Es fängt an bei dem übertrieben gut gemachten Menü, wo wir von dem blonden Androiden Chloe begrüßt und begleitet werden. Sie erzählt uns bei den einzelnen Menüpunkten was es interessantes zu wissen gibt. Außerdem interagiert sie auch mit einem als Spieler. Sie merkt sich, wenn man einen Tag vorher abends lange gespielt hat und spricht einen darauf an. Oder sie bewundert die Einrichtigung von eurem Wohnzimmer. Auch gratuliert sie zu Feiertagen. Das ist so simpel aber so dermaßen genial gemacht.

Auch die Storystränge der drei Androiden hat mich schwer beeindruckt. Ich kann mich leider nicht entscheiden, bei wem ich die Entscheidungen schwerer fand oder wen ich am meisten mochte. Jeder der drei ist sehr unterschiedlich und durchlebt auch unterschiedliche Aspekte. Ich denke, ich konnte mich trotzdem am Besten mit Kara identifizieren. Vielleicht wurden hier tatsächlich auch meine Muttergefühle Alice gegenüber geweckt. Wie Fuma auch haben wir den ersten Durchgang ohne jegliche Lösungswege oder ähnliches gespielt sondern einfach die Entscheidungen getroffen, die wir für richtig hielten. Wir wollen zwar beide auch noch die Platin holen, fanden es aber richtig das Spiel erst einmal so zu erleben, wie wir es möchten. Und genau das wird auch zu Recht vom Spiel selbst und von Chloe empfohlen. Es gab einige Punkte wo ich wirklich erschrocken war oder nicht wusste, wie ich reagieren soll. Mein Durchgang war eher negativ, so ziemlich jeder der es konnte hat mich für meine Entscheidungen gehasst, das war zwar etwas erdrückend, aber irgendwie auch interessant. Generell ist das Spiel wirklich der Wahnsinn und ich freue mich drauf, es mindestens noch einmal durchzuspielen auf dem Weg zur Platin. Ich kann jedem der solche interaktiven Spiele mit Entscheidungsmöglichkeit mag dieses Spiel nur wärmstens ans Herz legen, vor allem, weil die eigenen Entscheidungen – und scheinen sie noch so klein – eine riesige Auswirkung haben können.

Ich hatte unglaublichen Spaß an dieser wunderbaren Perle der Spielgeschichte und kann sie absolut jedem empfehlen. Selbst all jenen, die keine allzu großen Spieler sind, sollten sich dieses interaktive Abenteuer wenigstens mal angesehen haben. Die Story und die Charaktere sind der absolute Wahnsinn und allein schon auf das sich ein Spiel mit solch einer Tiefgehenden Frage beschäftigt macht es noch mal besser. Für mich war das auf jeden Fall genau das richtige Spiel und ich freue mich jetzt schon auf das nächste David Cage Spiel…. wobei das ja dauern kann xD Zusammengefasst bekommt das Spiel von mir 9 von 10 erfolgreichen Revolutionen.

Euer


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