Spiel Review: Life Is Strange

Die geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag beträgt 11 Minuten.

Ich bin ein riesiger Fan von Life is Strange. Da am 30. Januar 2015 die erste der fünf Episoden veröffentlicht wurde, ist das Spiel schon ein bisschen älter. Dennoch empfinde ich es auch weiterhin als ein äußerst wichtiges Spiel, dass man gespielt haben sollte. Vor allem, wenn man Adventures mit Entscheidungen mag. Dies ist nämlich eines der Spiele, wo man als Spieler mit seinen eigenen Entscheidungen die Story maßgeblich im Rahmen der Hauptstory beeinflussen kann. Sowas mag ich wirklich sehr, siehe Detroit Become Human. Da im September diesen Jahres der zweite Teil des Spiels veröffentlicht wird und ich kürzlich “Die fantastischen Abenteuer von Captain Spirit”, das Übergangsspiel von Teil 1 zu Teil 2 gespielt habe, wurde meine Lust und Liebe zu Life is Strange wieder aktuell. Es ist eine Schande, dass ich noch keine Review dazu geschrieben habe, das müssen wir dringend ändern!

Die 18-jährige Max Caulfield kehrt nach 5 Jahren zurück in die fiktive Kleinstadt Arcadia Bay in Oregon. Sie ist dort aufgewachsen, zog jedoch wegen ihrer Eltern nach Seattle und verlor daher den Kontakt zu ihrer damaligen besten Freundin Chloe Prince. Da sie gerne Fotografie studieren möchte, kehrt sie in die Stadt zurück und beginnt ihr Studium in Fotografie an der Blackwell Academy. Die Ereignisse zu Beginn des Spiels überschlagen sich. Eine Studentin ist spurlos verschwunden und das Thema zieht sich durch das gesamte Spiel und beschäftigt viele der Charaktere. Außerdem muss Max zu Beginn eine erschreckende Entdeckung in der Toilette der Schule machen und hat nun eine besondere Fähigkeit zur Verfügung.

   

Life is Strange hat mich sehr geprägt und hat seine Spuren in meinem Leben hinterlassen. Mein Playstation Design ist von Life is Strange. In meinem Bullet Journal sind Bilder von Life is Strange eingeklebt. Mein Desktop Hintergrund auf dem Laptop ist ein Bild von Max und Chloe. Und auch der Soundtrack des Spiels hat mich sehr geprägt und ich höre ihn oft, vor allem beim Manga/Bücher lesen, weil die Musik soo wunderschön ist. Man merkt also, es handelt sich hier für mich nicht einfach nur um irgendein Spiel. Es ist DAS Spiel für mich.

Die erste Trophäe habe ich am 5. Februar 2016 geholt, ich habe es also nicht sofort bei Release gespielt sondern quasi ein Jahr später. Das lag aber auch daran, dass wir beide warten wollten, bis alle 5 Episoden des Spiels veröffentlicht wurden. Und wir haben uns letztendlich die Limited Edition geholt, die erst im Januar 2016 erschienen ist, hatte dafür aber auch deutsche Untertitel. War also rückblickend betrachtet die richtige Entscheidung. Und wie man sieht hat mir das Spiel auch sehr gefallen, innerhalb von vier Wochen war ich durch mit dem Spiel. Die Platin wollte ich auf jeden Fall auch haben, die kam aber erst 6 Monate nachdem ich mit dem Spiel begonnen habe. Was aber auch einfach an der überaus krassen Story lag. Dazu aber gleich mehr.

Ich habe mittlerweile von vielen gehört, dass sie Life is Strange nicht spielen wollen, weil es zu kindisch ist oder ja nur “ein Teenie Drama ist”. Da kann ich wirklich gar nicht zustimmen. Wer von dem Spiel nicht emotional mitgenommen wird… Ne, ich kann mir nicht mal vorstellen, dass es jemanden gibt, der von dem Spiel nicht beeinflusst wird, wenn er es spielt. Es geht um ziemlich harte Themen wie Mobbing, Selbstmord, Misshandlung, Gewalt. Genauso geht es aber auch um Freundschaft, Zusammenhalt, Nächstenliebe und einander helfen. Die Mischung der Themen ergibt ein wunderschönes Spiel, dass einen nicht mehr loslässt und so geht es nicht nur mir.

Die Idee hinter dem Spiel ist simpel aber wahnsinnig schön. Max bekommt quasi Superkräfte verliehen. Sie kann die Zeit zurückdrehen. Allerdings immer nur ein Stück, quasi die letzten 1-2 Entscheidungen rückgängig machen. Das bietet dem Spieler eine unfassbare Anzahl an Möglichkeiten. Wenn man etwas “verbotenes” machen möchte kann man es einfach tun, rückgängig machen und man selbst behält die gewonnenen Informationen. So kann man beispielsweise auch in anderer Leute Zimmer rumschnüffeln, ohne Ärger zu bekommen. Ich finde diese Optionen richtig gut.

Dazu kommen die Wahnsinnig tollen Charaktere, eine wirklich mitreißende Story von Anfang bis Ende, eine durchgängig Atemberaubende Atmosphäre und wahnsinnig schöne und passende Musik. Max als Hauptcharakter die vom Spieler gesteuert wird ist eine sehr interessante Person. Am Anfang mochte ich weder sie noch ihre Freundin Chloe. Aber mit der Zeit und je mehr man von den beiden im Spiel erfahren hat, umso mehr wuchsen sie mir ans Herz. Und so ging es mir auch mit einigen anderen Charakteren.

Durch den Fokus auf das Thema Mobbing in diesem Spiel gibt es an der Blackwell Academy ganz viele Stereotypen. Und dennoch haben es die Entwickler geschafft, sie als einzigartige Charaktere zu präsentieren, die man so bisher nur selten irgendwo gesehen hat. Am Anfang wirkt alles sehr typisch aber umso mehr man herausfinden, umso besser kann man jeden einzelnen verstehen, sogar die richtig fiesen Alphaweiber in ihrer Klasse. Man spürt in diesem Spiel einfach wie viel Liebe und Leidenschaft in jedem Pixel steckt.

Die Entwickler sind übrigens die Leute von Dontnot, die bisher aber noch eher unbekannt sind, obwohl sie bereits mehrere Spiele veröffentlicht haben. Als Publisher konnten sie Square Enix dazu gewinnen, was mich Rückblickend sehr freut. Ich hatte gelesen, dass alle anderen Publisher die gefragt wurden das Spiel nur veröffentlichen wollten, wenn der Hauptcharakter das Männliche Geschlecht bekommt. Und ich bin wirklich froh, dass das nicht passiert ist und Square Enix gesagt hat die Story ist vollkommen in Ordnung so. Die Story hätte in meinen Augen auch weniger Sinn gemacht mit einer männlichen Hauptrolle. Außerdem muss ich an dieser Stelle unbedingt den wahnsinnig schönen Animations- und Zeichenstil des Spiels loben! Unfassbar schön, wenn auch etwas abstrakt!

Im Spiel selbst wird wahnsinnig stark auf Einzelheiten geachtet. Das Spiel spielt zu einer Zeit, wo Soziale Medien und Smartphones schon sehr weit verbreitet sind. Dennoch ist Max jemand, der sich auf altmodische Methoden spezialisiert. Sie fotografiert unfassbar gerne und studiert das Thema ja auch. Sie trägt immer eine Sofortbildkamera mit sich herum, was ich unfassbar süß finde. Außerdem gibt es 5 Trophäen für das Durchspielen der Episoden und die weiteren 56 Trophäen gibt es für das Foto schießen von besonderen Momenten im Spiel. Diese Idee ist wahnsinnig schön. Ich habe beim durchspielen selbst nicht alle dieser Momente gesehen, viele muss man durch seine Entscheidungen auch selbst herbeiführen. Dennoch habe ich durch die Trophäen die Möglichkeit gehabt nachträglich noch viele weitere Momente zu sehen, die ich sonst komplett verpasst hätte.

Nicht nur was die Sofortbildkamera anbelangt ist Max altmodisch. Sie schreibt Tagebuch. Das Tagebuch begleitet uns als Spieler durch das komplette Spiel. Die Story aktualisiert sich hier pro Episode und man bekommt hier eine Auflistung von allen wichtigen Charakteren. Außerdem kann man hier auch ganz leicht einsehen, welche Momente man für die Trophäen schon gesammelt hat und welche noch fehlen, die Bilder sind durch Zeichnungen dargestellt und werden dann durch die Fotos die wir machen ersetzt. Das Tagebuch von Max ist unfassbar toll. Für mich ist hier vieles an Inspiration drin. Ich schaue es mir so gerne an und es behält auch innerhalb des Spiels noch einiges Überraschungen für uns bereit. Aber nicht nur auf ihr Tagebuch das sie auch selbst immer dabei hat können wir zugreifen, sondern auch auf ihr Handy. Dort können wir SMS von den anderen Charakteren lesen. Wenn wir eine erhaltene Nachricht lesen antwortet Max automatisch und so entsteht ein SMS Verlauf, als wenn wir ihn gerade führen würden. Finde ich richtig toll gemacht!!

Aber wie bereits geschrieben ist auch Social Media ein Thema im Spiel. In unserem Wohnheim an der Schule in dem auch wir ein Zimmer haben können wir auch in die meisten Zimmer der anderen Mädels schauen. Fast auf jedem Laptop im Wohnheim ist Facebook zu sehen oder es spielt eine Rolle. Und wenn dort eines der coolen Kids was postet beeinflusst das auch die anderen in gewisser Weise. Das zeigt, wie viel Einfluss Soziale Medien haben können und auch, wie gefährlich sie im Bezug auf Mobbing sein können. Ich finde wirklich, dieses Spiel sollte sogar an Schulen behandelt werden. Es zeigt so gut die Seiten der gemobbten und der Mobber, dass es wahrscheinlich sogar jeder verstehen könnte.

Das Spiel ist wirklich unfassbar kreativ und bietet einem auch Möglichkeiten, an die man selbst gar nicht denkt. Es lohnt sich im Spiel wirklich jede Ecke zu erkunden. Man findet so viele Zettel mit Informationen darauf und auch sonst so viele Kleinigkeiten, die man sehr, sehr schnell übersehen kann. Klar, es kann einem auf der anderen Seite auch sehr viel vorkommen und man übersieht schnell was. Allerdings steigert das in meinen Augen auch den Wiederspielwert des Spiels. Ich habe z. B. nicht nur selbst zweimal das Spiel durchgespielt sondern auch das Let’s Play von Pandorya geschaut. Sie hat teilweise ganz andere Entscheidungen getroffen als ich und hatte somit auch am Ende einige Aspekte, die ich anders hatte. Das fand ich unfassbar interessant. Zudem hat sie Details gefunden, die mir nie aufgefallen sind.

Außerdem kann man das gesamte Spiel über bestimmte Symbole finden wie die Pyramide der Illuminati, Schmetterlinge, Rehe oder die Cosmic Snail die unser Zurückspulen im Spiel symbolisiert. Diese Symbole wiederholen sich immer wieder und diese Dinge begleiten einen das komplette Spiel. Das fand ich richtig schön und hab ich auch jedes Mal gefreut, wenn ich eins der Details gesehen habe. Allein Chloes Zimmer ist der absolute Wahnsinn! So ein Jugendzimmer hätte ich auch gerne gehabt, man erkennt so viel von ihrem Charakter darin, es ist wirklich schön. Auch sie ist unfassbar kreativ dargestellt im Spiel. Besonders ihr “Hole to another Universe” gefällt mir sehr gut. Aber auch andere Details sind echt schön, beispielsweise wie sehr sich Max und ihre engsten Freunde mit dem Thema Zeitreise auseinandersetzen. Das ist furchtbar süß.

Die Größten Pluspunkte des Spiels sind wohl, dass du dir Zeit lassen kannst bei deinen Entscheidungen. Klar, im Realen Leben hat man diese Zeit oft nicht. Aber hier kann man sich die Zeit wirklich nehmen und Entscheidungen in Ruhe abwägen und überlegen. Und selbst wenn man zu keinem Entschluss kommt, kann man bei fast allen Entscheidungen ja immer wieder zurück und eine andere Möglichkeit wählen.

Ich habe sehr viel mit dem Spiel mitgefühlt. Ich war richtig erstaunt, wie sehr mich die ein oder andere Sache mitgenommen hat. Natürlich waren das keine so schöne Erfahrungen aber auf der anderen Seite waren es gute Erfahrungen. Weil es wirklich um viele wichtige Themen in diesem Spiel geht. Klar ist es hart von dem Spiel und verlangt viel von einem, da manche Entscheidungen wirklich nicht einfach sind und vieles anderes auch von deinen Entscheidungen im Spielverlauf abhängt und da sind auch Dinge dabei, die man eben nicht mehr rückgängig machen kann. Ich habe z. B. auch sehr mit Chloe mitgefühlt, weil Max sie fünf Jahre lang im Stich gelassen hat und sich einfach nicht bei ihr gemeldet hat. Das sind wirklich Sachen wo ich nicht mal geahnt habe, dass mich ein Spiel so fühlen lassen kann!

   

Schon seit ich damals Sam & Max Hit the Road auf meinem PC gespielt habe, bin ich ein großer Point-and-Click-Adventure Fan. Doch es war lange Zeit ziemlich ruhig um das Genre geworden. Nur noch gelegentlich schaffte es ein Titel größere Aufmerksamkeit zu generieren und das allgemeine Interesse schwand rapide. Bis das kleine unbekannte Studio Telltale Game dem Genre eine Dosis Adrenalin verpasste und es aus dem Grab hob. Seit dem kommen wieder relativ regelmäßig und relativ viele interessante und gute Titel heraus.

Life is Strange war einer von ihnen. Square Enix’ Ankündigung und erste Präsentation schreckten mich allerdings erst Mal ab. Ich bin zwar kein Grafik-Fanatiker, allerdings störte mich diese dann doch ein wenig. Somit dauerte es auch ein gutes Jahr bis ich das Spiel zum ersten mal einlegte und weitere 8 Monate bis ich es endlich durchgespielt hatte. Nicht etwa, weil es schlecht war. Ich hatte nur einfach das falsche Mindset als ich es erstmal begonnen hatte. Ich bin zwar kein so großer Fan des Spiels wie es Mia ist, finde es aber auch absolut gelungen und hatte großen Spaß daran!

Denn allein schon die Mechanik, das man seine Entscheidungen zurückdrehen kann um einen alternativen Ausgang zu erleben, machte es gleich doppelt so interessant. Ebenso fand ich die Story sehr gut erzählt und der beiligende OST ist auch nach dem zigten mal anhören immer noch gut. Rund um erzählen die kurzen aber spannenden 5 Episoden aber eine gelungene Story die einen relativ zufriedenstellendes Ende bietet. Absolut empfehlenswert.

Dieses Spiel… ist der absolute Hammer. Auch wenns komisch klingt hat das Spiel definitiv etwas in mir verändert. Die Charaktere die wir hier getroffen haben haben sich eingebrannt. Mein Herz wurde während dem Spielen so oft in Stücke gerissen und wieder zusammengeflickt. So viele schöne und traurige Momente in einem Spiel… Ich würde mich wundern, wenn es da draußen jemand gibt, der von dem Spiel nicht emotional auf irgendeine Art und Weise beeinflusst wird. Ich wurde auf jeden Fall sehr stark beeinflusst. Es gibt ja Leute die sagen “XY ist mein Spiel des Jahres”. Life is Strange ist “Mein Spiel des Lebens” seit ich es gespielt habe. Kein Spiel kam jemals daran, wo mich dieses Spiel getroffen hat.

Die Entscheidungen mit denen man hier konfrontiert wurde sagen einem sehr viel über dich selbst aus. Was kannst du alles ertragen? Was kannst du nicht ertragen? Was machst du alles mit deiner einmaligen Fähigkeit? Setzt du sie ein um Menschen eine bessere Zeit zu geben? Oder gehst du durch das Spiel ohne dir irgendwas anzusehen, ohne irgendwem richtig zu helfen? Dieses Spiel hat so viele Details, das schafft man gar nicht in einem Durchgang. Wenige Menschen werden jemals alles hier im Spiel sehen und entdecken können, die Infos die man bekommt sind einfach so viele… Und sie verändern einen, je nachdem wie sehr man es zulässt, je nachdem wie sehr man sich auf das Spiel einlässt.

Ich muss wirklich sagen: jeder sollte das Spiel gespielt haben. Aber es sollte auch jedem bewusst sein wie hart dieses Spiel ist. Denn es zeigt, nicht nur wie schön, gemein, glückseelig, tieftraurig das Leben sein kann, sondern vor allem, wie seltsam es sein kann.

Für mich ist dieses Spiel ein absolutes Meisterwerk! Ich bin sehr gespannt, ob Life is Strange 2 das noch toppen kann und freue mich schon die Vorgeschichte “Before the Storm” zu spielen, die erst in letztem Jahr von einem anderen Entwicklerstudio erschienen ist!

Eure


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Mia

Hallo ihr lieben. Mein Name ist Mia und ich bin 25 Jahre alt. Ich liebe Animes und Mangas über alles, bin aber auch ein absoluter Film- und Serienjunkie oder lasse meinen Abend auch gerne mit zocken ausklingen und habe auch nichts gegen ein gutes Buch am Wochenende.

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