[Gastbeitrag] Buch Review: Die Zauberschiffe

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Die Zauberschiffe

Hallo! Hier schreibt für euch eure Shiny, ihr kennt mich vielleicht schon vom Animanga-Wichteln. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit vor allem mit Serien, Spielen und Büchern und möchte euch heute eine weitere Buch-Trilogie vorstellen.

Diese Trilogie ist die zweite Reihe in einer Sammlung von insgesamt 5 Reihen mit dem englischen Namen ‘Realms of the Elderlings Series’. Meine Review zur ersten Reihe findet ihr unter Weitseher-Zyklus.

Da mir die Bücher im Weitseher-Zyklus um Fitz sehr gefallen haben, habe ich mich direkt in die indirekte Fortsetzung der Geschichte gestürzt. Robin Hobb ist stets bemüht alle ihre Reihen und zum Teil auch einzelne Bände der Reihe so zu schreiben, dass man sie ohne Vorkentnisse vorheriger Reihen lesen kann. Man kann die Zauberschiffe also auch gut lesen, ohne vorher den Weitseher-Zyklus gelesen zu haben.

Einige Leute überspringen die Zauberschiff-Reihe, die im Englischen aus 3, im Deutschen je nach Ausgabe aus 6 Büchern besteht, da diese Geschichte nicht in den 6 Fürstentümern, sondern in Bingtown, im Süden, spielt. Auch kommen Fitz und Nighteyes in dieser Trilogie nicht vor. Sie ist, im Gegensatz zu der ersten Trilogie, in der dritten Person geschrieben und beschreibt das Leben und Denken von einer grosszügigen Truppe von unterschiedlichen Charakteren. Aus diesen Gründen wird die Trilogie von manchen Lesern übersprungen, da sie unbedingt wissen wollen, wie es mit Fitz weiter geht. Das ist sehr schade, denn erstens fliessen in der letzten Trilogie alle Fäden zusammen und zweitens sind ‘Die Zauberschiffe’ wahnsinnig gute Bücher. Ich habe diese Bücher in der englischen Originalsprache gelesen und werde mich bei Namen an diese Sprache halten, da insbesondere die neueren Reihen der Serie noch nicht übersetzt wurden. Seit August 2017 kümmert sich der Penhaligon Verlag um die Neuauflage der Bücher, sie scheinen dabei aber die Zauberschiffe erstmal ausgelassen zu haben und sind von der ersten Trilogie direkt zur dritten Trilogie weiter gegangen. Ich weiss nicht, ob sie noch planen die Zauberschiffe neu aufzulegen. Die gesamte Zauberschiff-Reihe findet ihr übrigens auch auf Spotify.

Wie schon erwähnt haben die Zauberschiff-Chroniken mehrere Protagonisten, deren Schicksale alle irgendwie miteinander verwoben sind. Im Zentrum steht vor allem die Familie Vestrit. Das sind zum einen Ephron und Ronica Vestrit, ein älteres Paar. Das Buch beginnt mit dem Ableben von Ephron. Um das Erbe von Ephrons Zauberschiff, Vivacia, streiten sich seine Töchter Althea und Keffria, beziehungsweise Keffrias Ehemann Kyle. Keffria und Kyle haben zusammen bereits drei Kinder, Wintrow, Malta und Selden, die in der Reihe ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Kyle Haven wird der neue Besitzer des Zauberschiffs und stellt damit das Leben der ganzen Familie gehörig auf den Kopf. Vivacia ist mit dem Tod von Ephorn Vestrit nämlich erwacht – Zauberschiffe nehmen die Erinnerungen ihrer sterbenden Besitzer in sich auf und entwickeln nach einigen Generationen ein eigenes Bewusstsein, können sprechen und denken und haben Gefühle und Bedürfnisse. Sie ist nicht glücklich über Kyles Plan, sie zum Sklaventransport zu verwenden.
Und da sind auch noch Brashen Trell, der unter Ephron Vestrit der erste Offizier des Zauberschiffes Vivacia war, der sich mit Kyles neuer Machtposition arrangieren muss.

Der Piraten-Kapitän Kennit hingegen hegt schon lange den Wunsch nach seinem eigenen Zauberschiff, mit dessen Hilfe er zum König der Piraten aufsteigen will…

Die Bücher folgen Althea, die sich als fähiger Kapitän beweisen will, um das Zauberschiff vor Kyle zu schützen, Wintrow, der wider Willen das Schiffshandwerk auf Vivacia lernen soll, da sie seine Anwesenheit braucht und er das Schiff übernehmen soll, wenn Kyle stirbt. Kennit, der die Macht über die Pirateninseln an sich reissen will, Brashen, der seinen neuen Platz im Leben sucht, Ronica, die je länger je mehr das Gefühl hat, dass es doch keine so gute Idee war, Kyle das Schiff zu überlassen und Malta, die sich um all das nicht besonders schert und nur Kleider, Make-Up und Jungs im Kopf hat.
Doch wer denkt, dass es sich um ein mehr oder weniger langweiliges Familiendrama handelt, liegt falsch – Nach einer Weile wird klar, dass auch in Bingtown ein Krieg droht. Es gilt das Geheimnis um die Seeschlangen, die sprechenden Schiffe und die verschwundenen Drachen zu lösen.

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mit der Reihe. Ich wollte, wie alle anderen wahrscheinlich auch, unbedingt wissen wie es mit Fitz und Nighteyes weiter geht. Stattdessen erhielt ich eine Einführung in das Leben der Händler von Bingtown, die sich auch, wie schon der Beginn der Reihe um Fitz, etwas in die Länge zog. Dennoch fand ich schnell Charaktere, mit denen ich mich unglaublich gut identifizieren konnte, und auch Charaktere, mit denen ich mich nicht identifizieren konnte, die ich aber dennoch verstehen konnte, weil ihr Handeln aus ihrer Perspektive Sinn macht. Ich habe es schon in der ersten Review gesagt, aber ich sage es noch einmal – Wundervolle Charaktere zu schreiben ist das, was Robin Hobb richtig gut kann.

So ist es auch nicht erstaunlich, dass die Reihe einen der besten Antagonisten hervorbringt, die ich je gelesen habe. Wo der Antagonist der ersten Reihe noch einfach von Herzen böse wirkte, so hat der Piratenkönig eine echte, dramatische Vergangenheit und Wünsche und Ziele, die durchaus Sinn machen und mit denen ich mich sogar identifizieren konnte. Es dauerte sehr sehr lange, bis in der zweiten Hälfte des letzten Bandes, bis ich ihn so richtig verabscheut habe. Vorher war ich zum Teil sehr unsicher, auf wessen Seite ich eigentlich stand, denn Kyle Haven ist auch nicht der symphatischste Mann in Bingtown und Umgebung.

Aber auch die anderen Charaktere, insbesondere jemand der mich zu Beginn der Reihe sehr genervt hat, machen glaubwürdige aber dennoch unglaubliche Wandlungen durch. Es ist wundervoll dabei zuzusehen, wie sie sich entwickeln und verändern. Charakterentwicklung kommt in vielen Büchern ja leider viel zu kurz.

Von der Geschichte her würde ich sagen, dass diese Reihe interessanter war als die erste Fitz-Trilogie. Die Geschichte beginnt zwar mit einem Familiendrama, aber es wird bald klar, dass es hier um etwas Grösseres geht. So lernt der Leser viel mehr über die Herkunft und den Verbleib der verschwundenen Drachen und darüber, wie die Welt zu Zeiten der Elderlinge ausgesehen hat und wie die Welt aktuell aussieht, ausserhalb der 6 Fürstentümer, in welchen die erste Fitz-Trilogie spielt.

Die Bücher sind sehr angenehm geschrieben und wenn man mal reingekommen ist, bei mir war das im Verlaufe des zweiten Bandes, kann man sich fast nicht mehr losreissen. Auch im Kontext der gesamten Serie sind die Bücher eigentlich sehr wichtig – Es geht auch ohne, man kann auch nur die Fitz-Trilogien lesen. Man verpasst dann aber einen, beziehungweise zwei, Teile der Welt, in denen insbesondere auf die Elderlinge und die Drachen ein anderes Licht geworfen wird.

Die Bücher mögen vielleicht etwas langsam beginnen und insbesondere Malta macht es dem Leser manchmal schwer, Geduld mit ihr zu haben. Aber das ist eigentlich auch nur ein Zeichen für die Vielfalt an Charakteren die Robin Hobb über ihre Bücher zum Leben erwecken kann.

Für mich ist Althea einer der besten und realsten Buchcharaktere, die ich je gelesen habe, und ich war schon lange nicht mehr so investiert in eine Beziehung zwischen Charakteren wie in dieser Trilogie. Auch das Thema der Schiffahrt ist eine wunderbare und gelungene Abwechslung im zum Teil doch eher repetitiven Fantasy-Genre. So wurde die Trilogie rasch zu einer meiner liebsten Buchreihen. Wenn ich den Rest meines Lebens nur noch eine Buchreihe lesen dürfte, würde ich diese nehmen.

Ich gebe den Zauberschiff-Chroniken daher volle 10 von 10 Drachen.


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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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