[Gastbeitrag] Manga Review: I Hear the Sunspot Band 1

Die geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag beträgt 5 Minuten.

I hear the sunspot

Nachdem ich euch vor einiger Zeit auf House of Animanga mit QQSweeper bereits einen meiner großen Favoriten vorstellen dufte, haue ich jetzt wieder in die Tasten und liefere meine zweite Rezension. Kurz über mich: Mein Name ist Kerstin und ich wohne in der Nähe von Münster. In der Welt der Social Media findet ihr mich auf Twitter und seit einigen Monaten nun auch auf Instagram, wo ich kleinere Reviews schreibe und über alles rund um Manga quatsche. Neben Anime und Manga interessiere ich mich vor allem für Fotografie und Wintersport. Ansonsten werdet ihr mich auf diversen Schreibportalen finden, auf denen ich meine kreativen Ergüsse auf die Menschheit loslasse.

Die Anzahl der Boys Love-Manga in meinem Mangaregal kann ich an einer Hand abzählen. Okay, nicht ganz, es sind zwei Hände. Trotzdem habe ich für meine zweite Gastreview mit I Hear the Sunspot einen Boyslove-Manga gewählt. Der Titel hatte mich bei Programmbekanntgabe sofort angesprochen und ich hatte mich vor dem deutschen Release auf US-Portalen schon ein bisschen darüber gehört. In Japan sind aktuell drei Bände erschienen. Der nächste deutschsprachige Band wird Anfang 2019 auf den Markt kommen.

Der glücklose und ungestüme Taichi Sagawa ist auf der Suche nach einem Nebenjob, um sein Studium zu finanzieren. Doch nach unangenehmen Vorkommnissen bei früheren Arbeitsstellen wird er überall abgewiesen. In dieser Situation stolpert er regelrecht über seinen Kommilitonen Kohei Sugihara, der sich von den anderen Studenten zurückgezogen hat und immer einsam auf einem Dach die Pause verbringt. Kohei ist Schwerhörig und sucht daher nach jemanden, der für ihn den Stoff der Vorlesungen mitschreibt. Als Gegenleistung bietet er Taichi, der immerzu Hunger zu haben scheint, Mittagessen an. Durch diesen Deal kommen die beiden Jungen sich immer näher und entwickeln eine Freundschaft, bei der Taichi mit den Problemen konfrontiert wird, die mit Koheis Behinderung einhergehen.

I Hear the Sunsport erscheint in Japan in der Canna, einem traditionellen Boys Love-Magazin. Die Story, die man hier serviert bekommt, ist aber alles andere als einer der bekannten Mainstream-Boys Love-Manga, die die westlichen Märkte gerade zu überschwemmen, sondern geht eher in die Richtung Slice-of-Life und Drama. Es ist der erste veröffentlichte Manga von Yuki Fumino, hat aber mit einer Live-Action-Adaption bereits große Erfolge feiern können.

Der Plot von I Hear the Sunspot ist nicht wirklich kompliziert und lässt sich in wenige Sätze herunterbrechen. Dennoch ist die Geschichte vielschichtiger, als sich auf den ersten Blick erahnen lässt. Es geht um mehr als nur eine immer tiefer werdende Freundschaft zwischen zwei Jungen.
Der Manga beschäftigt sich auch mit der Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft, in diesem Fall vor allem aus der Sicht des Behinderten. Der Leser bekommt einen Einblick in seine Gedanken von Kohei und seine Weltwahrnehmung. Auch erfahren wir, welche Ereignisse dazu geführt haben, dass er sich immer mehr von anderen Menschen zurückzog und soziale Kontakte meidet.

Daneben nehmen auch das Konzept von Vertrauen und die damit eingehende Angst der Enttäuschung einen großen Stellenwert ein. Auch wenn diese Punkte hier durch die Schwerhörigkeit Koheis in den Mittelpunkt rücken, kann man sie doch auch auf das reale Leben übertragen. Viele der Situationen in dem Manga kamen mir aus dem „echten“ Leben bekannt vor, was ein sehr großer Pluspunkt ist. Man hat nie das Gefühl, als würde die Mangaka sich das alles aus den Fingern saugen.

Was die Charaktere angeht, konzentriert sich die Reihe vor allem auf Kohei und Taichi. Daneben gibt es nur wenige Nebencharaktere. Ein Konzept, welches hier sehr gut funktioniert. Ich hatte zu keinem Punkt das Gefühl, als würde mir ein weiterer dominierender Charakter fehlen. Taichi und Kohei haben sehr widersprüchliche Persönlichkeiten, die aber sehr gut ineinandergreifen.

Taichi ist sehr energisch und laut. Zudem ist er temperamentvoll, was dazu geführt hatte, dass er seinen Job verlor und in der Umgebung einen schlechten Ruf genießt. Dennoch ist Taichi ein Mensch, dem es leicht fällt, Freunde zu finden. Sein Gemüt ist ziemlich aufgedreht, dennoch konnte man über den gesamten Band seine guten Absichten spüren.

Kohei ist das direkte Gegenteil. Er ist unsozial und es ist schwer, mit ihm auszukommen. Durch ein Fieber in seiner Kindheit leidet er unter Hörverlust. Obwohl er nicht völlig taub ist, fällt es ihm seit diesem Moment schwer, mit der Welt klarzukommen, die für diejenigen geschaffen wurde, die hören können. Mit der Zeit zog er sich daher immer weiter zurück, damit er sich auf niemanden einlassen muss. An ihm kann man sehr gut die Probleme sehen, auf die Menschen mit Hörverlust treffen können oder einfach Menschen, die anders sind als andere. Kohei ist Ziel vieler Mädchen, die ihn bemitleiden und als gut aussehend empfinden. Gleichzeitig wird er von seinen Klassenkameraden aber außen vorgelassen, weil es zu kompliziert wäre, Dinge noch einmal zu erklären oder so zu sprechen, dass er von ihren Lippen ablesen kann. Das ändert sich erst, als Taichi in sein Leben tritt. Er sieht Kohei als Mensch an und nicht als Person, die einer „speziellen“ Gruppe angehört. Eine Tatsache, die besonderen Wert für Koheis eigene Entwicklung hat und zu einer tiefen Freundschaft führt.

Insgesamt sind die Charaktere sehr gut herausgearbeitet und die jeweiligen Hintergrundgeschichten lassen sich auf das reale Leben übertragen. Um eine noch tiefere Bindung zu den herzustellen benutzt sie innere Monologe, die sehr gut als erzählerisches Mittel funktionieren.

Natürlich spielt auch die Romantik eine Rolle, allerdings erst sehr spät in diesem Band. Die Romanze zwischen den Beiden ist dabei keinesfalls wie im Großteil der BL-Manga, sondern fügt der Geschichte einfach das gewisse Etwas hinzu, indem sie die Nähe zwischen den beiden Jungs auf eine neue Ebene hebt. Explizite Szenen gibt es allerdings nicht.

So untypisch wie die Story ist auch der Zeichenstil von Fumino. Der Stil unterscheidet sich von den inzwischen auf den deutschen Markt dominierenden klaren, sauberen Stilen. Ihr Stil ist sehr fein und filigran, wirkt dadurch eher skizzenhaft und schon fast zerbrechlich. Fumino schafft es, die menschlichen Interaktionen und Emotionen gut darzustellen. Ihre Gesichter und Ausdrucksformen fangen den Kummer von Kohei, seine komplizierten und wachsenden Gefühle für Taichi sowie Taichis Zorn sowie seinen Beschützerinstinkt und auch Naivität sehr gut ein.

I Hear the Sunspot ist ein Manga, für diejenigen, die Lust haben, auf eine gefühlvolle Slice-of-Life-Geschichte und sich von gleichgeschlechtlicher Liebe nicht abschrecken lassen. Bisher unterscheidet sich der Manga von der Mainstream-Ware in seinem Genre. Anstatt zu zeigen, wie sich die beiden Jungen erotisch anziehend finden, kommt es auf die inneren Werte an. Es entwickelt sich langsam, dennoch ist das Pacing nicht so, als würde man sich in der Mitte des Bandes langweilen. Es ist genau passend gesetzt. Die Freundschaft und die daraus entwickelnde Liebe fühlen sich realistisch an. Der Manga ist nachdenklich und liebenswert erzählt und trotz seiner Einfachheit intensiv. Alles zusammen macht ihn zu einem perfekten Einsteigerwerk für diejenigen, die mal in das Genre Boys Love reinschnuppern wollen oder einfach auf der Suche nach einer gefühlvollen Slice-of-Life-Geschichte sind, bei denen es keine Rolle spielt, welches Geschlecht sich liebt. 8 von 10 Sonnenstrahlen.


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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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