[Gastbeitrag] Anime Review: Megazone 23

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Megazone 23

Hallo! Ich bin Miki von AnimeSlam und habe die Ehre, hier heute einen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. Ich bin das Mädchen für alles auf animeslam.de, was heißt ich kümmere mich dort um die Podcasts, Reviews und sonstige Beiträge. Im Team von AnimeSlam bin ich seit Mitte 2014, mit Anime an sich beschäftige ich mich aber schon seit 2012. Ich weiß, es ist nicht so lange wie manch anderer, aber jeder fängt doch mal klein an. Mein Geschmack hat sich seit jeher auch stark gewandelt – vom SAO Fangirl zum heute eher Fan von den Nischen der Nischen.

Hach, die 80er – Eine Zeit, die wir aktuell dank dem 30 Jahresrhythmus immer noch sehr zelebrieren in Form von Serien wie Stranger Than Things oder Filmen wie ES oder Super Dark Times und auch ich ging letztens wieder durch so eine Phase, bei der ich täglich einen Film mit „Outrun“-Ästhetik schaute. Als Outrun bezeichnet man Medien im Neon-Look mit Synthwave-Soundtrack und benannt ist diese Ästhetik nach dem gleichnamigen SEGA Arcade Spiel. So landete ich irgendwann bei Megazone 23 (gesprochen „Two Three“), eine OVA Reihe aus den 80ern, die einfach so nach puren 80ern brüllt mit ihrer Ästhetik und deutlichen westlichen Einflüssen; so wie tatsächlich viele Anime der 80er.

In Megazone 23 geht es um den Jungen Shougo, der eines Tages zufällig in den Besitz eines besonderen Motorrads gelangt, dem so genannten „Garland“. Dabei handelt es sich um ein strenggeheimes Militärprojekt, denn es ist nicht nur ein Motorrad, sondern kann sich gleichzeitig auch in einen schwer bewaffneten Mecha verwandeln. Doch die Regierung lässt das nicht lange auf sich sitzen, vor allem da Megazone 23 in einer Welt spielt, wo die Regierung tatsächlich alles und jeden jederzeit überwacht und abhört und so die Verfolgung von Shougo aufnimmt, der dadurch immer tiefer in eine Verschwörung hineingerät und die Wahrheit über seine Welt erfährt, seine Welt, die angesiedelt ist, in einer etwas moderneren Version der 80er und in der fette Bikes und heiße Idols vorherrschen.

Das alles ist aber nur die Handlung von Part I von Megazone 23, denn diese OVA Reihe ist in drei Teile unterteilt, die sich auch stark voneinander unterscheiden. Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch, was unter anderem daran liegt, dass unterschiedliche Regisseure, Charakterdesigner und mehr an jedem Part arbeiteten. Am Ende dieses Abschnitts findet ihr jeweils zwei Bilder eines jeweiligen Parts. Part II baut dabei direkt auf Part I auf, aber Part III spielt etliche Jahre nach der Handlung von Part I und II und behandelt die Neuzivilisation der Menschheit auf der Erde aus den Augen von Takanaka, der genauso zufällig auf Garland stößt und in Shougos Fußstapfen tritt und ein weiteres Mal wird eine große Verschwörung aufgedeckt.

Part I:

Megazone 23 Megazone 23

Part II:

Megazone 23 Megazone 23

Part III:

Megazone 23 Megazone 23

Wie ich bereits meinte, bin ich Fan von absoluten Nischenanime und dazu zählen heutzutage leider die meisten 80er und 90er OVAs. Es gibt so viele verlorene Perlen und Megazone 23 ist eine davon. Das liegt unter anderem an unser aller Feind Harmony Gold, ein Verlag aus den Staaten, die aus welchem Grund auch immer in den 80ern eine Menge Animelizenzen einkauften, nur um letzten Endes eine einzige Serie daraus zu machen: Robotech – eine Serie, die es irgendwie geschafft hat, bis heute relevant zu bleiben, weswegen beispielsweise das riesige Macross Franchise, was seit der ersten Serie in Robotech verbaut wird, niemals in seiner ursprünglichen Form in den Westen kommen wird. Das gleiche Schicksal traf zunächst auch Megazone 23, wovon Material in Robotech – The Movie genutzt wurde, bis es 1994, erst acht Jahre nach japanischem Release, vom amerikanischen Publisher Streamline Pictures in originaler Fassung veröffentlicht wurde. Eine deutsche Fassung gab es leider nie.

Aber mal zurück zu dem was ich von Megazone 23 eigentlich halte. Ich liebe Part I und II. Part I erschien 1985 unter der Regie von Noboru Ishiguro, den man heutzutage für die ewig lange OVA-Reihe Legend of the Galactic Heroes kennt, und das Charakterdesign übernahm Toshiki Hirano, der für Iczer One bekannt ist und einen sehr westlichen Stil hatte. 1985 war noch die Zeit als Anime und Cartoons nicht unbedingt unterschiedlich aussahen, eine Zeit, zu der wir heutzutage wieder zurückkommen, und dementsprechend könnte man die Designs von Part I als comichaft und verspielt ansehen, was fast schon ein Kontrast zum ernsten Inhalt ist. Dieser Kontrast funktioniert in Part I jedoch sehr gut, da wir gerade mal am Anfang dieser Geschichte stehen und noch nicht vollständig hinter all die Geheimnisse geblickt haben, welche die Handlung zu offenbaren hat. Es spiegelt den unschuldigen Anfang der Geschichte wider. Auf Ebene der Story funktioniert Part I für mich am besten auch deswegen. Part II mag interessante und teils experimentelle Ansätze haben und man findet des Öfteren sogar Vergleiche zur Matrix Trilogie der Wachowskis, doch mir persönlich ist Teil zwei schon etwas zu vorwärts, während Teil eins einen wirklich guten Job darin erledigt, diese Verschwörung langsam und geheimnisvoll aufzudecken.

Part II mag so zwar inhaltlich schwächer in meinen Augen sein, aber meine Fresse, sieht Part II gut aus. Part II erschien 1986 unter der Regie von Ichiro Itano, der für seinen Itano-Circus bekannt ist, womit man wild und ästhetisch herumfliegende Raketen bezeichnet, was wir selbstredend dann zu genüge in Part II auskosten können. Das Charakterdesign von Part II übernahm Yasuomi Umetsu, der einen weitaus realistischeren Stil hat. Er ist bekannt für das Charakterdesign der 90er OVA von Gatchaman oder als Regisseur und Autor des sehr fragwürdigen Anime Kite. Part II sieht nun also weitaus ernstzunehmender aus und beginnt gleichermaßen mit einer brutalen Abschlachtung von Komparsen, was den Ton des Films perfekt setzt. Ästhetisch fällt mir nur weniges ein, was ich auf das gleiche Level wie Part II von Megazone 23 setzen würde, da der realistischere Stil von Umetsu-san auch stark von der Rocker- und Punkprämisse der Handlung profitiert und wir so wirklich abgefahrene Charakterdesigns bekommen, wie gleichzeitig eine große eskalierende Schlacht zwischen Punkern und dem Staat. Nicht zufällig erinnert das Ganze an Straßen in Flammen von 1984 und ähnlichen Filmen, da gerade Anime der 80er sich stark an Filmen mit Outrun Ästhetik orientierten, worauf ich nun mal absolut stehe.

Part III … ist dann eine ganz andere Sache. Bei dieser wurde die Regie von Shinji Aramaki übernommen, den man heute für einige Science Fiction CGI Filme wie Captain Harlock oder die beiden Starship Troopers Animationsfilme kennt und das Charakterdesign stammt von Hiroyuki Kitazume, der auch das Charakterdesign von Zeta Gundam übernahm und ich glaube, es gibt einen Grund, warum wir nicht viel von ihm gehört haben. Ich weiß wirklich nicht, was die Charakterdesigns von Part III überhaupt genau sein sollen. Zum einen wird sich um realistische Proportionen bemüht, aber die Gesichter sind detaillos, auch wenn sie zumindest ein wenig in die Richtung von modernen Anime gehen, aber auch sonst fehlt es den Figuren an Details. Alle sind simpel und … mehr fällt mir zu denen auch nicht ein. Zeitgleich sind Animationen teilweise gar nicht vorhanden und wir haben einzelne Sequenzen, die eine Dia-Show sind und wo man deutlich sieht: So hätte es aussehen sollen, aber wir hatten die Zeit dafür nicht. Ich habe auch eine Erklärung, wieso die Qualität von Part III in sämtlichen Bereichen, nicht nur in der Animation und den Designs, sondern auch den leblosen Figuren und der völlig uninteressanten Handlung, so schlecht ist und dahin gerotzt wirkt: 1988 erschien Akira zu internationalem Erfolg, wie es noch kein Anime zuvor je hatte und 1989, nur ein Jahr nach Akira, wollte man mit Megazone 23 Part III, welcher übrigens in zwei 50 Minuten Episoden aufgeteilt ist, auf die Cyberpunk-Welle aufreiten. Das hat dazu geführt, dass schnell irgendwas gemacht werden musste, um die Produzenten zufrieden zu stellen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Designs so abartig minimalistisch sind, da die Figuren so einfacher zu animieren sind. Part III releaste mit mäßigem Erfolg und so ging das Passionsprojekt Megazone 23 unter. Nur um letztes Jahr wiederbelebt zu werden mit einer Kickstarter Kampagne, die ein voller Erfolg war und man dieses Jahr mit einer weiteren Kickstarter Kampagne versuchte, die Produktion eines Trailers zu finanzieren, um es so Produzenten schmackhaft zu machen. Das ging leider nach hinten los und die zweite Kickstarter Kampagne floppte maßlos und die Chance, dass wir jemals wieder was Neues zu Megazone 23 bekommen, ist verschwindend gering.

Eine Sache, über die ich hier absichtlich noch gar nicht gesprochen habe, um es mir bis zum Schluss aufzuheben, ist der Soundtrack von Megazone 23. Alle drei Teile sind mit gutem klassischen 80er Jahre J-Pop gefüllt, welcher enorme Synthwave Einflüsse hatte. Die japanische Popmusik der 80er könnte man heutzutage zumindest teilweise eigentlich schon als elektronische Musik bezeichnen und hallo, dazu sage ich so was von nicht Nein. Egal, wie schlecht Part III auch sein mag, nichts desto trotz ist selbst von diesem Part der Soundtrack der absolute Hammer und mir bleiben seit dem Schauen zahlreiche Ohrwürmer hängen, die genauso clever die Action des Anime unterlegen. Ja, teilweise wird sogar im Rhythmus gekämpft und man spürt deutlich, was für einen wichtigen Teil die Musik in diesem Anime einnimmt, was genauso auch Gründe auf Ebene der Handlung hat. Wer also was mit 80er J-Pop anfangen kann, der kommt hier voll auf seine Kosten.

Als Fazit bleibt mir im Prinzip nicht mehr viel zu sagen. Ich liebe Part I und II von Megazone 23, da beide optisch wahnsinnig anspruchsvoll sind und Part II sogar soweit geht, dass jeder verdammte Frame ein Kunstwerk ist. Part III jedoch ist ziemlich … bescheiden, um es mal so zu sagen. Die Animationen sind hässlich und die Handlung, über die ich nicht viele Worte verloren habe, weil der Anime das ehrlich gesagt auch tat, ist unglaublich langweilig und uninspiriert, während Part I und II eine tolle Verschwörung mit anschließendem epischen Kampf und Evangelion-artigem Finale liefern. Wer was mit der Outrun Ästhetik anfangen kann, kommt bei Megazone 23 Part I und II auf seine vollen Kosten und Part III könnt ihr einfach ignorieren.


Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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3 Antworten

  1. hellspawn2501 sagt:

    Part 3 war jetzt echt nur mittelmäßig gewesen. Zwar hat das Ende einiges wieder gut gemacht, da ich dieses doch recht gelungen fand, doch war der Weg dahin mit Mittelmäßigkeit vollgestopft. Vor allem hat der autor des Beitrages so recht, was das design der Figuren angeht. Nach den einprägenden Charakterdesigns von Teil 1 und 2, die zwar grundverschieden und auch Geschmackssache sind, sind diese wirklich ziemlich detailarm. Und Dia-Show bei den Animationen trifft es echt gut. Besonders in der ersten OVA fiel dies bei einigen Szenen, in denen die Chars weglaufen so extrem auf. Das war schlimmer als wenn man bei World of Warcraft in einen Raid plötzlich Lag hat. In der zweiten OVA war es nicvht ganz so extrem. Wie gesagt, punktete diese zumindest etwas, wegen den Erklärungen am Ende und diesen an sich. Doch letztendlich kein Vergleich zu den Vorgängern.

  2. hellspawn2501 sagt:

    Part 2 nun auch angeschaut und kann dir echt nur recht geben, das dieser unheimlich gut ausschaut. Zwar mag ich das Charakterdesign des ersten doch etwas mehr, aber aber von der persönslichen Preferenz dahingehend abgesehen, ist die OVA eine visuelle Bombe. Zudem wird richtig klasse inzenierte und vor allem schonungslose Action geboten, die vor coolen Einstellungen nur so strotzt. In den alten OVA Produktionen ging es doch oft eine spur härter zu als in 85% der heutigen Serien. Storymäßig fand ich es ein wenig schade das ein Charakter aus Teil 1 so völlig vergessen wurde. Doch dafür hat man auf ein wirklich konsequentes Ende hingearbeitet, das doch sehr überraschte, aber durchaus auch Sinn machte, wenn man das ganze Szenario betrachtet. Fand den Abschluß jedenfalls gelungen. Allerdings frage ich mich was nun in Teil 3 noch kommen soll, aber schauen wir mal.

  3. hellspawn2501 sagt:

    Erstmal vielen Dank für den tollen Beitrag, der mich auf diese OVA aufmerksam gemacht hat. Bei alten OVA Produktionen aus den 80er/90er Jahren sag ich selten nein und hab mir nun die erste OVA reingezogen.
    Ich bin wieder einmal überrascht wie viele Ideen hier schon aufgegriffen wurden, die man in Hollywood erst etliche Jahre später in guten Filmstoff umsetzte. Auch die komplexität der story hätte man der OVA zu anfang gar nicht zugetraut. Sicherlich gibt es die eine oder andere heutzutage etwas holperig anmutende Storyentwicklung, doch war das damals gang und gäbe und schmälerte meinen Eindruck deshalb nicht.
    Animationstechnisch leistete man großartige arbeit und vom Charakterdesign will ich erst gar nicht anfangen …na gut, ich tue es doch… ICH LIEBE ES!!! xD
    Ich mochte Hiranos Stil (besonders den der weiblichen Charaktere) schon in den hier angesprochenen Iczer One-OVA Serien, aber auch in Gunbuster und Macross-Do you remember love?. Wie gern würde ich den stil in heutigen Produktionen mal wiedersehen.
    Das Ende der ersten OVA macht auch Lust auf mehr, so das ich mich wohl hier in den Kommentaren wiedermelde, sobald ich diese auch geschaut habe.

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