[Gastbeitrag] Anime Review: Haibane Renmei

Die geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag beträgt 5 Minuten.

Haibane Renmei

Hi. Ich bin Julian, oder aber kurz und schmerzlos auch Jul. Auf Twitter auch ganz kreativ unter @AniiJul und @englishaniijul zu finden, wie auch auf Youtube unter dem Kanal AniJul.

Wie der Name schon vermuten lässt befasse ich mich online sehr viel mit Themen rund um den Bereich Anime. Dabei geht es mir zum einen darum, die Liebe zu meinem Hobby, aber auch zu einzelnen Titeln auszudrücken, zum anderen aber suche ich auch bewusst die Diskussion und rede über Themen die mich vielleicht stören. Das mache ich noch gar nicht so lange, vor gut 3 Jahren habe ich angefangen mich bewusst mit dem Thema Anime auseinander zu setzen und seit noch kürzerer Zeit führe ich diese Leidenschaft auch außerhalb meines privaten Freundeskreises fort.

Haibane Renmei

© Yoshitoshi Abe – Aureale Secret Factory

Mit diesem Text möchte ich mich aber nun erstmalig an einer Kategorie versuchen, die für mich eine Art “Königsdisziplin” unter dem Anime Content darstellt, weil ich finde, dass sie unglaublich schwer interessant gestaltet werden kann. Die Review. Und weil es ja nicht schon genug ist, dass ich mein Debut als Review Schreiber feier, habe ich mir direkt einen Titel rausgesucht zu dem es irgendwie auch nicht so ganz einfach ist eine solche zu schreiben, aber nun gut, fangen wir einfach mal an: Meine Review zu “Haibane Renmei”.

Haibane Renmei

© Yoshitoshi Abe – Aureale Secret Factory

Haibane. So heißen die Bewohner von Old Home, die aus einem Kokon schlüpfen, einen Heiligenschein über dem Kopf tragen und deren Rücken kleine Flügel zieren. Als eines Tages, nach langer Zeit, ein neuer Kokon in Old Home auftaucht scheint die Welt für dessen Bewohner Kopf zu stehen. Voller Vorfreude erwarten die Bewohner die Ankunft der neuen Haibane. Als diese dann endlich schlüpft kümmern sich die Haibane rührend um sie. Allem voran Reki, die der neuen, orientierungslosen und überrumpelten Haibane zur Seite steht. Wie es für Haibane üblich ist, wird dieser ein Name zuteil, der auf dem Traum basiert, den sie im Kokon hatte. So kommt es dass die neue fort an Rakka (Fallen) genannt werden soll, weil sie in ihrem Kokon davon geträumt hat, wie sie in eine endlose Tiefe fällt. Von nun an dreht sich alles um Rakka, die zum einen die Regeln dieser neuen, ihr fremden Welt lernen muss, zum anderen aber auch versucht ihren Platz in dieser zu finden.

Haibane Renmei

© Yoshitoshi Abe – Aureale Secret Factory

Haibane Renmei lebt vor allem von einer Sache: Atmosphäre. Das fängt schon beim Opening an, dass vollkommen ohne Gesang und mit nur wenigen Instrumenten auskommt und dabei zum einen mit Alltagssituationen der Charaktere bebildert werden, die ein wenig im Gegensatz zu den Bildern stehen, die Rakkas Ankunft in dieser Welt zum Ausdruck bringen.

Bleiben wir aber erst einmal bei der Musik, denn nicht nur das Opening weiß atmosphärisch zu überzeugen, sondern der gesamte Soundtrack schafft es eine gewisse Aura aufrecht zu erhalten, die es schafft sich wunderschön in die ruhige Geschichte ein zu betten, ohne dabei redundant oder langweilig zu werden und gleichzeitig die mysteriöse Atmosphäre des Anime aufrecht zu erhalten weiß.

Die Story von Haibane Renmei spielt in einer unbekannten Fantasywelt ,beschränkt sich allerdings auf eine, in Mauern eingeschlossene Stadt, und dem Leben derjenigen, die in diesen Mauern zu Hause sind. Das ist allerdings ein recht zweischneidiges Schwert, weil man auf der einen Seite dazu verleitet ist, mehr über diese Welt zu erfahren, woran auch die Story nicht ganz unschuldig ist, wenn sie uns zeigt, wie nur eine bestimmte Gruppe von Menschen die Stadt betreten und wieder verlassen können, auf der anderen Seite sich der Anime aber so viel mehr darauf konzentrieren kann, das Leben der Haibane und deren Integrität in dieser Stadt zu beleuchten und herauszuarbeiten. Zusätzlich bietet dies Interpretationsansätze und trägt zusätzlich zur Bildung der Atmosphäre bei.

Durch die angesprochene Beleuchtung der Integrität und des Lebens der Charaktere in dieser Stadt schafft es der Anime seine Figuren nachvollziehbar, interessant und in ihrer ganzen Breite zu präsentieren. Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, die Charaktere würden “out of character” handeln, beziehungsweise nach einem Muster handeln das zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn ergibt.

Haibane Renmei lebt von seinen Wechselwirkungen zwischen Charakteren, Story, Worldbuilding und Atmosphäre. Allerdings wäre dieser Anime nicht der gleiche ohne die wunderschöne Bebilderung. Sei es die Hintergründe, die vor allem durch ihr dezente Detailiertheit bestechen, oder die wunderschönen, schlichten Character Designs von Yoshitoshi ABe.

Der Anime verzichtet auf übermäßig grelle Farben, auf viel extravagantes tamtam und auf Überladung und setzt stattdessen auf einen schlichten, aber gerade deswegen wunderschönen Stil, der sich wunderbar in das sehr ruhige Gesamtkonzept des Titels einfügt.

Wer bei all dem jetzt allerdings denkt, dass Haibane Renmei ein “feel good” oder ein “Lay back” Titel ist, dem muss ich an dieser Stelle vehement widersprechen. Denn dieser mit Atmosphäre geladene Anime wirft sehr viele wichtige Fragen auf, die er dem Zuschauer entgegenstellt. Dabei geht es um Verluste, Ängste und Sorgen. Um die Frage nach der Wertigkeit von Freundschaften und vielleicht auch ein wenig darum, was ein Leben lebenswert macht.

Dabei binder er einem allerdings die Antworten darauf nicht auf die Nase, sondern lässt jedem einzelnen genug Interpretationsraum sich diese Fragen selber zu beantworten.

Zusammenfassend bleibt also zu sagen, dass Haibane Renmei ein sehr empfehlenswerter Titel ist, wenn man bereit ist, sich mehr mit diesem Titel auseinander zu setzen. Wie schon oft angemerkt lebt dieser Anime von seiner Atmosphäre, die es vermag einen regelrecht in seinen Bann zu ziehen und einen nicht mehr loszulassen, bis man irgendwann am Ende dieser bewegenden Geschichte angelangt. So erging es zumindest mir. Ich selber bin nicht sonderlich gut darin Dinge zu bingen und doch habe ich es geschafft Haibane Renmei innerhalb von wenigen Tagen zum Abschluss zu bringen. Wobei zum Abschluss das falsche Wort ist, denn lässt man sich erst einmal richtig auf diesen Titel ein, so beschäftigt man sich länger mit ihm, als nur die Zeit in der man ihn schaut.

Haibane Renmei

© Yoshitoshi Abe – Aureale Secret Factory

Eine der großen Stärken dieses Anime ist allerdings gleichzeitig auch eine kleine Schwäche.

Denn wie schon gesagt birgt die Show viel Interpretations Potential, aber an manchen Stellen vielleicht auch einfach zu viel. Das allerdings muss jeder für sich selber entscheiden und ich hoffe ehrlich gesagt auch, dass dies auch jeder der diesen Beitrag liest tut, oder sogar schon getan hat. Ich auf jeden Fall kann Haibane Renmei mit 9/10 Aschgrauen Flügeln nur wärmstens empfehlen und ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen dieses kleine Meisterwerk ein wenig näher bringen.


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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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