[Gastbeitrag] Japan: Neujahr in Japan

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Neujahr in Japan

Hallo! Ich bin Claudia, in der Onlinewelt aber eher bekannt als Yoko von Lost in Japan. Ich interessiere mich schon seit meiner Jugend für Japan und bin nach einem Working Holiday Jahr 2013/14 und einer langen Fernbeziehung zu einem Japaner im Oktober 2016 nach Japan ausgewandert. Seit 2013 betreibe ich meinen Blog Yoko Lost in Japan, bin aber inzwischen auch auf einigen Social Media Plattformen wie Youtube, Twitter, Instagram und Facebook aktiv. Schaut doch mal vorbei!

Feuerwerk und Party bis Mitten in die Nacht. So kennen wir den Start ins neue Jahr aus Deutschland. Doch wie machen die Japaner das eigentlich? Silvester 2018/19 ist bereits das sechste Mal, dass ich den Jahreswechsel in Japan verbringe, da ich vor meiner Auswanderung auch gern meine Urlaubsreisen in diesen Zeitraum gelegt habe. In meinem Gastbeitrag hier möchte ich euch die Neujahrstraditionen im Land der aufgehenden Sonne etwas näher bringen.

Neujahr in Japan


Familienfest mit ganz viel Essen

Während in Deutschland Weihnachten das Familienfest schlechthin ist, hat in Japan Neujahr diese Stellung. Die Japaner nutzen die Zeit um Neujahr – auf Japanische Oshogatsu (お正月) genannt – um ihre Familien zu besuchen. So haben auch viele Büros zu der Zeit geschlossen und Angestellte können ohne großes schlechtes Gewissen ein paar Tage frei nehmen. Durch die entstehende Reisewelle sind natürlich auch die Shinkansen und Expresszüge sowie Flugzeuge oft ausgebucht. Wenn ihr also eine Reise zu der Zeit plant, bereitet alles rechtzeitig vor.

Wenn sich die Familie trifft, gibt es natürlich auch jede Menge leckere Speisen. Diese muss man sich aber nicht nur in der familiären Gesellschaft gönnen, auch in kleiner Runde wird rund um das Neue Jahr gut gegessen.

Angefangen wird dabei meist mit den zahlreichen Bonenkai (忘年会), den Jahres-Abschluss-Partys, die vorwiegend von Arbeitgebern aber auch von Freundesgruppen organisiert werden und in einem Fress- und Trinkgelage enden. Am Silvesterabend ist eine der traditionellen Speisen Toshikoshi Soba (年越しそば), welche einem ein langes Leben versprechen.

Weiter geht es dann am Neujahrstag mit Osechi Ryori (御節料理). Hier werden verschiedene Speisen in einer speziellen Schachtel angerichtet, die an eine Bentobox erinnert. Alle Bestandteile der Box haben hierbei eine besondere symbolische Bedeutung und somit kann der Inhalt sehr variieren. In sehr traditionsbewussten Familien wird diese Speise noch zuhause angerichtet. Viele bestellen sie aber heute auch in den Geschäften, da ein sehr großer Aufwand hinter der Zubereitung steckt.

Neujahr in Japan

TV-Abend oder Countdown-Event?

Wie man den Silvesterabend verbringt, ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, allerdings ist die Anzahl an Partys und Feuerwerken recht begrenzt. Denn in Japan feiert man eher leise ins Neue Jahr und nicht mit Böllerei.

Für viele Menschen ist inzwischen ein Fernsehabend Tradition geworden, denn es gibt so einige Sendungen, die nur am Neujahrsabend laufen. Dazu zählt der berühmte Musikwettbewerb Kohaku Uta Gassen (紅白歌合戦), bei dem verschiedene Musiker, darunter auch sehr berühmte japanische Stars, in zwei Teams gegeneinander in den Wettstreit treten.

Wer lieber etwas zum Lachen sehen möchte, der schaut Zettai ni Waratte wa Ikenai (絶対に笑ってはいけない). Hier dürfen in der mehrstündigen Sendung die Promis nicht lachen und wenn sie es doch tun, wird ihnen der Hintern versohlt. Und natürlich wird alles Mögliche getan, um sie zum Lachen zu bringen.

Wer dennoch den Silvesterabend nicht zuhause verbringen möchte, für den gibt es Countdown Events, wie zum Beispiel Konzerte. Allerdings enden diese Veranstaltungen auch oft gegen 0:30 Uhr, denn die Gäste müssen meist noch irgendwie nachhause kommen. In Japan fahren meist ab 1 Uhr Nachts keine Bahnen mehr. In der Neujahrsnacht machen zwar viele Bahnlinien eine Ausnahme, darüber sollte man sich aber frühzeitig informieren.

Eine weitere Möglichkeit ist es auch den Start ins Neujahr in einem Freizeitpark zu verbringen. Das Tokyo Disneyresort bietet dies schon eine Weile an und die Tickets sind meist schnell vergriffen. Eine Nacht im Freizeitpark ist aber auch sicher etwas ganz besonderes.

Neujahr in Japan

Der erste Schreinbesuch des Jahres

Eine der wichtigsten Traditionen zu Neujahr in Japan ist der erste Schreinbesuch des Jahres, Hatsumode (初詣) genannt. Viele gehen gleich um Mitternacht zum Schrein, weshalb sich an beliebten Orten oft große Menschenmassen bilden. Am Schrein kann man zu diesem Anlass 108 Glockenschläge hören, die die 108 weltlichen Begehren der Menschheit wiederspiegeln. Diese sollen dadurch die Erde verlassen und einen Start ohne Sünden und Leid ins neue Jahr ermöglichen.

Der erste Schreinbesuch muss übrigens nicht gleich am 1. Januar stattfinden. Es ist ok diesen noch ein paar Tage hinauszögern. Im Jahr 2017 waren wir am 3. Januar beim Meiji-Schrein und dort war immer noch die Hölle los. Wir mussten über eine Stunde warten, um zum Hauptschrein zu kommen.

Neben dem Beten am Schrein gehört es auch dazu seine Talismane wie Omamori zu erneuern. Die alten werden zurück gebracht und später verbrannt. Für das neue Jahr holt man sich neue. Manchmal wird am Schrein Amazake ausgeschenkt und es finden sogar kleine Festivals mit Essenständen statt.

Neujahr in Japan

Nengajo und andere Traditionen

Nicht nur an Schreinen findet man rund um Neujahr viele traditionelle Symbole. Vor vielen Gebäuden stehen Kadomatsu (門松) und Leute hängen Shimekazari (しめ飾り) an ihre Türen. Traditionell bestehen diese aus Bambus, Kiefern, Reistroh-Seiten und anderen Elementen. Die Kadomatsu an den Eingangstüren sollen dabei den Gott des neuen Jahres den Weg in das Haus hinein weisen. Shimekazari erfüllen den gleichen Zweck, sollen aber auch böse Götter fernhalten.

Ein weiteres Dekorationselement sind Kagami Mochi (鏡餅), ein Turm aus zwei Mochi-Kugeln und einer Mandarine / Orange. Die Mochi spiegeln dabei das alte und das neue Jahr wieder. Meist findet man diese in den Hausaltaren. In der modernen Zeit gibt es Kagami Mochi auch aus Plastik und mit verschiedenen Figuren zu kaufen.

2019 ist das Jahr des Wildschweins und so findet man überall Abbildungen und Dekorationen mit diesem Tierkreiszeichen. Vor allem auf den Neujahrskarten, die Nengajo (年賀状) ist dies natürlich das wichtigste Motiv. Die Karten werden in Japan üblicherweise an alle verschickt, mit denen man in den vergangenen 12 Monaten geschäftlich und privat zu tun hat. Die Auswahl an Karten ist wirklich riesig! Zudem haben die Karten jeweils eine Losnummer, mit der man am 15. Januar eventuell sogar einen Preis in der Neujahrslotterie gewinnen kann.

Neujahr in Japan

Fukuburo Shopping Wahn

Weggehend von den traditionellen Elementen ist ein weiteres Highlight des Neujahrs in Japan das Fukubukuro Shopping. Fukubukuro (福袋) sind Wundertüten, die nur an den ersten Tagen des neuen Jahres verkauft werden und teilweise sehr beliebt sind. Meist weiß man nicht genau, was enthalten ist, aber auf jeden Fall sind die Sachen mehr wert als der Kaufpreis.

Ich mache mich regelmäßig auf die Jagd der Fukubukuro des Pokemon Centers, aber dafür muss man früh aufstehen und lange anstehen. Aber auch viele andere Geschäfte bieten natürlich diese Lucky Bags an. Wenn man zu Neujahr in Japan ist, sollte man den Wahnsinn auf jeden Fall einmal miterleben. Zudem gibt es auch viele Hatsuuri-Aktionen (初売り), speziell für den ersten Großeinkauf des Jahres.

Neujahr in Japan


Wie ihr seht, Japan hat um Neujahr einiges zu bieten und es lohnt sich sicher auch mal seine Reise um diesen Zeitraum zu planen. Damit nun „Yoi Otoshi wo!“ (よいお年を) und kommt gut ins neue Jahr!

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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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