[Gastbeitrag] Buch Review: Die Mercy-Thompson-Reihe

Die geschätzte Lesezeit für diesen Beitrag beträgt 5 Minuten.

Mercy Thompson Patricia Briggs

Nightingale mein Name. Ich liebe Geschichten und darum liebe ich alle Erzählungen, ob fantastischer Roman, Sage, Legende oder Märchen. Hauptsache nicht real – Realität hab ich im Alltag genug. Mein erstes „richtiges“ Buch war „Harry Potter und der Stein der Weisen“. In der Schule hatte ich lesen gelernt, doch die Erstlesebücher langweilten mich unheimlich. So kam es, dass ich als Zweitklässlerin mit großer Begeisterung vom magischen Schulalltag in Hogwarts las. Der erste Band kostete mich noch Wochen, doch schließlich konnte ich fließend und schnell lesen.

Weitere Fantasybücher folgten und noch zu Grundschulzeiten begann ich Jugendliteratur wie bspw. „City of Bones“ zu verschlingen. Bald hatte ich mein Genre gefunden: Urban Fantasy. Geschichten, die in unserer Welt spielen und fantastisches mit realem verbinden. Historische Bezüge, Orte oder Personen werden aufgegriffen und mit Magie verknüpft. Das Ergebnis sind Geschichten, die zwar so nie passiert sind, die aber (in einer Art Paralleluniversum) so hätten passieren können. Ich habe keinen Blog, bin kein Let’s Player, verfasse nur selten mal eine Produktrezension und bin für gewöhnlich auf Twitter unterwegs um über Manga zu plaudern. Trotzdem will ich an dieser Stelle nicht von Manga sprechen, sondern von einer ganz bestimmten Romanreihe.

Die amerikanische Autorin Patricia Briggs hatte ihren bisher größten Erfolg mit der Mercy-Thompson-Reihe, so benannt nach der Protagonistin Mercedes „Mercy“ Thompson. Mit „Ruf des Mondes“ erschien 2006 der erste von bisher zehn Bänden der Hauptreihe beim Heyne Verlag. Seit 2009 erscheint zusätzlich die Alpha & Omega-Reihe, die zur Zeit fünf Bände zählt und einen Nebencharakter der Hauptreihe zum Protagonisten hat.

Die Bände beider Reihen sollten in Reihenfolge ihrer Erscheinungsdaten gelesen werden, um Spoiler zu vermeiden, da die Reihen parallel erzählen und teilweise aufeinander Bezug nehmen. Ich persönlich habe damals spontan einen Band gekauft, nur um zu Hause zu bemerken, dass ich den dritten Band in den Händen halte. Aus dieser Erfahrung heraus, kann ich sagen, dass es möglich ist mit einem beliebigen Band einzusteigen. Auch wenn es nicht empfehlenswert ist, da die Reihe unter anderem von der Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander lebt.

Mercedes Thompson, von Freunden Mercy genannt, lebt im US-Staat Washington und ist nicht vollkommen menschlich. Sie kann sich in einen Kojoten verwandeln und Geister sehen, was schön und gut ist, ihr aber im Umgang mit anderen übernatürlichen Wesen, wie Werwölfen, Vampiren, Hexen oder Feenwesen nicht viel hilft. Sie ist gewohnt sich unter Raubtieren zu bewegen – von Beruf Automechanikerin, die einzige Frau in der Fortgeschrittenen-Klasse im örtlichen Dojo und zu allem Überfluss unter Werwölfen aufgewachsen. Ihre Mutter war menschlich, sehr jung und mit der Situation überfordert als ihr Baby sich eines Tages in einen Kojotenwelpen verwandelte. Eine Eigenschaft, die Mercy von ihrem indianischen Vater geerbt haben muss, der allerdings vor ihrer Geburt ums Leben kam.

Statt sie zu töten, wie wilde Wölfe einen Kojoten töten würden, wurde sie in einem Werwolfrudel von Zieheltern aufgezogen. Trotzdem fühlt Mercy sich seit sie denken kann nirgendwo zugehörig. Sie ist nicht menschlich, wie ihre Mutter, aber auch kein Werwolf, was die meisten Wölfe sie nie haben vergessen lassen. Als typischer Kojote ist sie anpassungsfähig und gut im Überleben. Sie hat sich seit frühster Kindheit gegen viel größere, stärkere Raubtiere behaupten müssen und sorgt für sich selbst, ist starrköpfig, zäh und schnell. Nachdem Mercy mit sechzehn Jahren das Werwolfrudel verließ, in dem sie aufgewachsen war, lebte sie ca. fünfzehn Jahre nahezu unbehelligt unter Menschen.

Das ändert sich schlagartig als sie in Probleme ihres Nachbarn hineingezogen wird, der der Alpha des Columbia-Basin-Rudels ist und mit dem sie eine langjährige Hassliebe verbindet. Adam sieht gut aus, ist intelligent und kann charmant sein, wenn er will. Als Alpha-Wolf neigt er allerdings dazu alles in seiner Umgebung kontrollieren zu wollen und Mercy ist nicht bereit sich von irgendjemanden etwas vorschreiben zu lassen. Als ein unbekannter Wolf in der Stadt auftaucht, der Gefangenschaft und Drogenexperimenten entkommen ist und seine Verfolger direkt zu Adam führt, nimmt das Unglück seinen Lauf.

Mercy versucht zu helfen und besucht zu diesem Zweck zum ersten Mal, seit der Marrok sie damals fort schickte, ihre Heimatstadt. Der Marrok ist nicht nur der Alpha des Rudels in dem sie aufwuchs, sondern auch der Anführer aller Werwölfe Nordamerikas und er plant ihre Existenz publik zu machen. Nicht jeder heißt diese Entscheidung gut, doch dank der modernen Wissenschaft, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Werwölfe entdeckt und als Monster verfolgt werden.

Das Feenvolk ist einige Jahrzehnte zuvor ins Licht der Öffentlichkeit getreten und obwohl nur die harmlosen und schwachen Feenwesen vorgezeigt wurden, gab es in der Folge Aufstände und Gewalttaten von Seiten der verängstigten Menschen. In dieser politisch schwierigen Zeit gerät auch Mercys Leben zunehmend aus den Fugen, aber sie wäre nicht Mercy, wenn sie sich davon beeindrucken lassen würde. Sie mag zwar nur ein Kojote sein, aber sie hat gute Freunde und was immer auch passiert – sie gibt nie auf.

Der erste Band kommt nur langsam in Fahrt und überzeugt eher mit einem interessanten Setting und sympathischen Charakteren als mit einer nennenswerten Handlung. Er ist ein guter Auftakt zu einer großartigen Reihe, die sich regelmäßig selbst übertrifft: Komplexe Figuren, Spannung, Humor, übernatürliches und verschiedene Handlungsstränge, die sich durch die gesamte Reihe ziehen. Nicht nur die Hauptfiguren, auch die Nebencharaktere sind fast alle gut ausgearbeitet und verleihen der Geschichte mehr Tiefe.

Die Charaktere sind mir allesamt ans Herz gewachsen und ich liebe es, wie man mehr und mehr über sie erfährt, ihre Geschichten hört oder scheinbar nebensächliche Figuren plötzlich wichtig werden. Nahezu jede namentlich erwähnte Figur wird irgendwann wieder einen Auftritt haben, manchmal nur kurz und doch hat es Bedeutung. Unnötige Figuren gibt es keine. Mercy ist mutig und hilfsbereit und gerät deshalb oft in Schwierigkeiten, was ihr ungerechterweise den Ruf einbringt Probleme anzuziehen. Ihre Beziehung zu Adam ist wesentlicher Bestandteil der Geschichte, ohne zu viel Raum einzunehmen.

Es geht um Mercy, ihre Freunde, Schwierigkeiten und Gefahren, die Liebe ist nur ein kleiner Teil davon. Es gibt keine Seelenverbundenheit, die sofort zu spüren ist, niemand wurde wiedergeboren oder ist für den anderen bestimmt. Auf solche für das Genre typische Klischees wurde vollständig verzichtet, zugunsten von erwachsenen Beziehungen, die sich entwickeln und verändern, wie Beziehungen es eben tun.

Für mich ist dies die mit Abstand beste Werwolf-Reihe und das obwohl die Protagonistin selbst keine Werwölfin ist. Jedes Mal, wenn ich in einem der Bände lese, ist es, als würde ich nach Hause kommen. Die Protagonistin ist sympathisch, die übernatürlichen Wesen und die Magie wirken glaubhaft und jeder Band bringt etwas neues. Man erfährt als Leser, gemeinsam mit Mercy, alles mögliche über ihre eigenen Fähigkeiten, ihre Herkunft und über andere übernatürliche Geschöpfe, seien es Vampire, Feenwesen oder Hexen.

Da ich nicht bloß den ersten Band, sondern die Reihe insgesamt bewerte, vergebe ich guten Gewissens 10 von 10 Kojoten.


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Diese Rezension spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und nicht die von House of Animanga.

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